Jeep kommt auch ohne Jets

20. September 2002, 19:27
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Vorgriff auf ein Gegengeschäft: Grand Cherokee rollt in Graz vom Band

Graz - "Gegengeschäfte in Millionenhöhe" waren bis zuletzt der Dauerbrenner auf der Argumentationsliste der Befürworter eines Ankaufs der Militärflugzeuge Eurofighter. Im Grazer Magna-Steyr-Fahrzeugtechnik-Werk wurde am Freitag ein solches Gegengeschäft vertraglich fixiert - mit dem einzigen Schönheitsfehler, dass dem Gegengeschäft kein Geschäft vorangegangen war. Denn der Vertrag über die Anschaffung der Eurofighter wurde bisher nicht unterschrieben. Das verfrühte Gegengeschäft ist die Fertigung des neuen Jeep "Grand Cherokee" bis 2009 bei Magna-Steyr in Graz.

Wettbewerbsfähig

Wenige Minuten bevor dort der neue "Chrysler Voyager" im Beisein von Magna-International-Vorstand Belinda Stronach vom Band rollte - und einer vom Hochwasser geschädigten Familie aus dem Kamptal geschenkt wurde -, unterzeichnete man den Vertrag über die Jeep-Produktion vor Publikum.

Für den Chef von DaimlerChrysler Auto Austria, Bill Wolf, fiel die Wahl deshalb auf Graz, weil man von "der Qualität und Wettbewerbsfähigkeit des Werks" überzeugt wurde. Der Präsident der "Eurofighter"-Herstellerin EADS, Aloysius Rauen, der früher selbst bei DaimlerChrysler tätig war, hatte bei dieser Entscheidungsfindung aber eine "kooperative Rolle", erläuterte Wolf am Rande einer Pressekonferenz in Graz. Der EADS-Manager Rauen selbst meint dazu zum STANDARD: "Bereits am 3. Juli war die Entscheidung für die USA gefallen. Da hab' ich vorgeschlagen, sich doch auch Graz noch mal anzuschauen." Nach dieser Fürsprache Rauens für Magna, wäre ein Stopp des Eurofighter-Kaufs durch die Republik Österreich für Magna-Chef Siegfried Wolf ein "Vertrauensbruch". Er forderte politische Rahmenbedingungen für die Industrie und warnte davor, "international die falschen Signale nach außen zu senden".

Dass der Vertrag der Grand-Cherokee-Produktion bei einem endgültigen Platzen des Eurofighter-Geschäftes aufgekündigt werden könnte, steht jedenfalls weder für DaimlerChrysler noch für EADS zur Debatte. Rauen: "Jetzt gibt es kein zurück mehr." Den derzeitigen Stillstand der Verhandlungen mit der Regierung bezeichnet er als "kleinen Hänger".

Er vertraue aber in jede Regierung, die da kommen möge, dass sie später den Auftrag der Grand Cherokee entsprechend in die Gegengeschäftsverpflichtung mit einberechnen werde. Mit der bisherigen Regierung habe man gute und faire Verhandlungen geführt.

Grasser willkommen

Einer der Vertreter dieser Regierung, Finanzminister Karl-Heinz Grasser, ist indes bei Magna "jederzeit wieder willkommen", wie Siegfried Wolf bestätigte. Wann Grasser wieder bei seinem ehemaligen Arbeitgeber einsteigen könnte, sei jedoch unklar: "Ein Rückkehrrecht ist nicht begrenzt. Ich würde mich freuen, die letzte Entscheidung liegt aber bei Grasser." (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2002)

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