Der ehemalige Spitzenkandidat

31. Oktober 2002, 15:18
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Der "ewige Platzhalter" Mathias Reichhold war nur 40 Tage im Amt

Wien - Nur 40 Tage lang war Infrastrukturminister Mathias Reichhold (45) FPÖ-Bundesparteiobmann. Er hatte die schwierige Aufgabe übernommen, die nach den "Knittelfelder Ereignissen" schwer angeschlagene Partei in den Wahlkampf zu führen. Etwas mehr als drei Wochen vor der Wahl zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Der langjähriger Weggefährte Jörg Haiders war nach dem Rücktritt Susanne Riess-Passers beim Bundesparteitag am 21. September mit 92,2 Prozent zum neuen Parteichef gewählt worden. Andere Kandidaten hatten sich damals nicht angeboten, auch Reichhold hatte zunächst den Rücktritt und den Rückzug auf seinen Biobauernhof angekündigt. Er wurde als Konsens-Parteichef dargestellt, dem es gelingen sollte, beide im September zerstrittenen Lager - die "Knittelfelder" und die Regierungs-Pragmatiker - zu integrieren.

"Ewiger Platzhalter"

Dass er früher immer wieder zu Stelle war, wenn in der FPÖ Not am Mann war und klaglos auch den Sessel wieder räumte, hatte ihm den Ruf eines "ewigen Platzhalters" eingebracht. Vor dem jetzigen Zwischenspiel in der Bundespartei war er zuletzt im Februar 2002 für die glücklose Infrastrukturministerin Monika Forster eingesprungen. Dies, nachdem er im März 2001 überraschend den Rücktritt als Kärntner Landeshauptmann-Stellvertreter angekündigt hatte.

Reichholds politische Karriere ist insgesamt von vielen "Jobwechseln" geprägt. Sie begann 1988, als er von Haider an der Seite von Heide Schmidt ins Generalsekretariat der Freiheitlichen berufen wurde. Dort war Reichhold - der 1990 auch in den Nationalrat einzog - bis 1991 tätig. Nach zweijährigem Pendeln zwischen Wien und Klagenfurt ging Reichhold 1992 zurück nach Kärnten und folgte Haider als Landeshauptmann-Stellvertreter und "Platzhalter", wie er damals selbst formulierte. 1994 musste Reichhold auf Wunsch des damaligen FP-Chefs seinen Posten wieder räumen und wurde durch Grasser ersetzt.

Für Reichhold bedeutete dies die Rückkehr nach Wien. Von 1994 bis 1998 arbeitete er als Klubobmann-Stellvertreter und Agrarsprecher im Nationalrat und war Vizepräsident der Kärntner Landwirtschaftskammer. Anschließend war er im Europaparlament tätig. Dann löste Reichhold Grasser wieder ab und kehrte als Zweiter Landeshauptmann-Stellvertreter heim nach Kärnten. Mit dem großen FP-Sieg bei der Landtagswahl vor zwei Jahren stieg Reichhold am 8. April 1999 zum Ersten Landeshauptmann-Stellvertreter auf und war in der Landesregierung für die Bereiche Wohnbau, Verkehr, Familie und Sport zuständig.

Im März 2001 zog er sich auf eigenen Wunsch überraschend aus der Landespolitik zurück. Er betrieb gemeinsam mit seinem Sohn eine Firma in Klagenfurt und war "nur mehr" Bezirksobmann der Freiheitlichen in St. Veit an der Glan. Reichhold ist Absolvent der HTL in Wieselburg. Nach einer pädagogischen Ausbildung in Wien war er im Beratungsdienst der Kammer für Land- und Forstwirtschaft tätig. Reichhold fungierte auch als Chef des Freiheitlichen Bildungswerkes.

Reichhold ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen im Alter von 19 und fünf Jahren. (APA)

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