"König der Löwen" auf der Siegerstraße

16. September 2002, 18:07
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Lars Leijonborg, Chef der liberalen Volkspartei, war der unbestrittene Star der Wahl

Stockholm/Wien - Der unbestrittene Shootingstar des schwedischen Wahlkampfes war der Chef der liberalen Volkspartei Lars Leijonborg, der für seine Partei die stärksten Zugewinne erzielte. Leijonborg konnte schon vor den Wahlen den Führungsanspruch im bürgerlichen Lager stellen, den bis dahin Bo Lundgren von den konservativen Moderaten innehatte.

Trotz seiner Erfolge bei der Wahl bleibt Leijonborg wohl Oppositionspolitiker, die anderen bürgerlichen Parteien konnten mit ihm nicht mithalten. Leijonborg brachte das Thema Ausländerpolitik in den Wahlkampf ein, als er die Einführung von Sprachtests für Ausländer vorschlug. Kurz vor den Wahlen schwächte der liberale Parteiführer seine Position wieder ab, indem der als ersten Schritt vor Einführung der Tests besseren Schwedischunterricht für Zuwanderer forderte. Als ausländerfeindlich will der Politiker jedenfalls nicht gelten. Die Volkspartei sei missverstanden worden, es handle sich lediglich um einen "radikalen Vorschlag zur Integration", sagte er.

Positive Bedeutung

Ein weiterer derartiger Vorschlag zur Integration war eine Arbeitsplatzgarantie mit niedrigen Löhnen für Flüchtlinge ohne Recht auf Sozialleistungen. In einem Interview mit Svenska Dagbladet sagte Leijonborg Anfang September: "Niemand kann uns als fremdenfeindlich verstehen. Wir sprechen die ganze Zeit von der positiven Bedeutung, die Zuwanderung haben kann, über ein Nein zu Rassismus und Intoleranz."

Aufmerksamkeit erlangte der 52-jährige Politiker auch unter anderem mit seiner Forderung nach einem Handy-verbot in den Schulen. Leijonborg ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der ausgebildete Diplom-Sozialwirt ist seit 1971 politisch in seiner Partei tätig. 1985 wurde er für die Volkspartei in den Reichstag gewählt, 1991 wurde er Klubchef und seit 1997 führt er seine Partei an.

Der Höhenflug des neuen bürgerlichen Herausforderers von Göran Persson beeindruckte auch ausländische Medien, vor allem in den Nachbarländern Schwedens. So schrieb die norwegische Zeitung Aftenposten vor wenigen Tagen über Leijonborg, dessen Name übersetzt "Löwenburg" bedeutet: "Der König der Löwen will Ministerpräsident werden."

Ausländerfeindliche Parteien haben indes bei den Schwedischen Kommunalwahlen vor allem in einigen Regionen im Süden des Landes große Erfolge erzielt. Die zwei größten rechtsextremen Parteien, die "Schwedendemokraten" und die "Nationaldemokraten" erreichten 39 Mandate auf Gemeindeebene. Bei den letzten Kommunalwahlen waren es nur acht Mandate gewesen. Göran Persson zeigte sich besorgt über die Stimmengewinne der Rechtsextremen und machte die liberale Volkspartei dafür verantwortlich. (DERSTANDARD, Printausgabe, 16.9.2002, APA)

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    Karin Pilsäter und Jan Björklund haben Grund zum Feiern: Schwedens Liberale konnten ihren Stimmenanteil fast verdreifachen

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