Not könnte zu Fusionen bei Online-Brokern führen

15. September 2002, 13:28
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Analysten halten "Megamerger" zwischen Comdirect und DAB für möglich- Kokrete Verkaufspläne für Entrium

Die anhaltende Schwäche an den Kapitalmärkten zwingt die europäischen Online-Broker zu immer neuen Maßnahmen zur Kostensenkung und zur Steigerung ihrer Erträge. Aus Not wird es nach Einschätzung von Experten auch zu weiteren Fusionen kommen. Die Gewinnung neuer Kunden gestaltet sich zunehmend schwierig und die vorhandenen Depot-Inhaber haben ihre Handelsaktivitäten angesichts ständig fallender Kurse eingeschränkt oder oftmals sogar eingestellt. Der Tritt auf die Kostenbremse erscheint oftmals die einzig mögliche Gegenreaktion zu sein. Fusion Als mögliche Fusions-Variante zur Kostenersparnis gilt dabei weiterhin ein Zusammengehen der beiden deutschen Anbieter Comdirect und DAB Bank. Doch je länger die Baisse dauert, desto größer wird für die Broker auch die Notwendigkeit, sich mit neuen Produkten oder Vertriebspartnerschaften von der Marktentwicklung unabhängiger zu machen. Analysen "Die Fusion der zwei deutschen Online-Broker Comdirect Bank und DAB Bank könnte ein Megamerger im deutschen Online-Brokerage sein", schrieb Analyst Johannes Thormann von WestLB Panmure jüngst in einem Branchenkommentar. Allerdings setze dies voraus, dass sich am schwachen Aktienmarktumfeld auf absehbare Zeit nichts ändere. "Es wäre also ein klarer Merger der Not und keine Liebesheirat. Dafür sind die aktuellen Strategien der beiden Online-Broker einfach zu unterschiedlich." Europäisch Die mehrheitlich zur HypoVereinsbank gehörende DAB Bank verfolgt wie die nahezu komplett von der französischen Großbank BNP Paribas übernommene Consors weiter eine europäische Ausrichtung ihres Geschäfts. Die Commerzbank-Tochter Comdirect setzt dagegen auf ein Engagement vor allem in ihrem Heimatmarkt Deutschland. Streichung Vergangene Woche hatte Comdirect-Vorstandschef Achim Kassow angekündigt, 300 der 871 Vollzeitstellen in Deutschland zu streichen. Da nicht davon auszugehen sei, dass sich die Märkte bald erholten und Comdirect Kundenzahl und Transaktionsvolumen weiter schnell steigern könne, müssten die Kosten gesenkt, Erträge stabilisiert und Strukturen gestrafft werden. Der Comdirect-Chef betonte, Ziel des einschneidenden Maßnahmenpaketes sei es auch, die Unabhängigkeit des Brokers zu bewahren. "Wir schaffen es allein", hatte Kassow gesagt. Schönmacherei Branchenexperten bezweifeln dies allerdings. Sie gehen vielmehr davon aus, dass die drastischen Stellenstreichungen den Broker auf eine Fusion vorbereiten sollen: "Die machen die Braut schön", sagte ein Analyst. Die Restrukturierungskosten in Höhe von 32 Millionen Euro würden bereits in diesem Jahr anfallen und einen späteren Zusammenschluss dann nicht mehr belasten. Commerzbank-Vorstand Martin Blessing hatte vor einiger Zeit gesagt, er könne sich ein Zusammengehen der Comdirect mit einem anderen Broker vorstellen. DAB-Vorstandschef Mathias Kröner hatte sich vergangene Woche alle Optionen offen gehalten. "Wenn sich strategische Möglichkeiten ergäben, würden wir sie gründlich prüfen. Im Übrigen wäre es fahrlässig, dies nicht zu tun", hatte Kröner gesagt. Konkret Konkrete Verkaufspläne hat derzeit die italienische Fineco für ihre Nürnberger Direktbank Entrium. Die Investmentbank MCC sei beauftragt worden, den Verkauf zu überprüfen. Finanzkreise spekulieren darüber, dass Entrium an den weltgrößten Finanzkonzern Citigroup gehen soll. Entrium selbst hatte kürzlich eine Kooperation mit dem Baufinanzierer BHW bekannt gegeben. Entrium werde seine Produktpalette damit um Bauspar- und Baufinanzierungsangebote erweitern. Die Erweiterung der Produktpalette ist auch für andere Online-Banken zunehemnd ein Weg, um sich von der schwachen Entwicklung der Aktienmärkte abzukoppeln. (APA/Reuters)
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