Die Männer müssten sich weiterentwickeln

3. Dezember 2003, 20:42
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Suffragette Matilda Joslyn Gage - Kämpferin für die Rechte der Frauen

Nicht die Frauen müssten sich weiterentwickeln, um ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft einnehmen und etwas zur Kultur beitragen zu können. Sondern das Patriarchat, so Gage, das "die tatsächlich vorhandenen großen Leistungen der Frauen auf fast allen Gebieten für sich reklamiert und dadurch seine Macht behauptet".

History of Women Suffrage

Gemeinsam mit Elizabeth Cady Stanton und Susan Anthony zählt Mathilda Gage zu den bedeutenden Theoretikerinnen und Aktivistinnen der amerikanischen Frauenrechtsbewegung des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde sie vor allem als Mitherausgeberin und Autorin des umfassenden Werkes "History of Women Suffrage" (1881-1886). Gage und ihren Mitstreiterinnen ist es zu verdanken, dass viele von der androzentrischen Geschichtsschreibung ausradierten Frauen wieder sichtbar geworden sind.

Kampf gegen Misogynie der Kirche

"Ihre scharfsinnige und konsequente, geschichtlich fundierte Analyse der Unterdrückung der Frau mutet heute noch sehr radikal und aktuell an", wie Joey Horsley richtig feststellt. Diese Auseinandersetzung führte sie zur Erkenntnis, dass die Erreichung des Stimmrechts zwar eine wesentliche Besserung der politischen und rechtlichen Lage bringen würde, jedoch nicht ausreichend sei, die Frauen zu befreien.

So zog sie als eine weitere mögliche Ursache der Ungleichheit das Christentum mit seiner Lehre der weiblichen Minderwertigkeit und Sündhaftigkeit heran. Das Denken von Frauen und Männern sei von dieser Lehre durchsetzt und fließe auch in die Ideologie des Staates ein. Ihr Buch "Women, Church and State" (1893) betrachtete sie als Aufklärungs- und Kampforgan gegen den schädlichen Einfluss der Religion. Mit dieser Thematik hatte sie scheinbar ein Tabu berührt, dessen Unberührbarkeit im 19. Jahrhundert noch ungebrochen galt. Negative Reaktionen blieben nicht aus: neben einer Reihe von konservativen Frauen, die vom Angriff auf die Kirche geschockt waren, rückten sogar die Feministinnen Anthony und Stanton von ihr ab.

Vergessen, weil zu radikal

Als Matilda die Frauen der "National Women Suffrage Association" nicht vom Kampf gegen die kirchliche frauenfeindliche Lehre überzeugen konnte, gründete sie eine eigene Organisation mit dem Namen "Woman`s National Liberal Union" (WNLU). "Aber die Geschichtsbücher erzählen fast nichts über diese Organisation. Wie ihre Gründerin war sie einfach zu radikal" (Joey Horsley). Gage wurde erst wieder von der neuen Frauenbewegung der 70-er Jahre entdeckt.

Geboren am 25. März 1826 in Cicero/New York, wuchs Matilda in einer liberalen Familie auf. Mit 18 heirate sie und wurde Hausfrau und Mutter von vier Kindern. Erst im reifen Alter engagierte sie sich in der Frauenrechtsbewegung.

Matilda Gage starb 1898, im Alter von 71 Jahren, in Chicago. (Quelle: Joey Horsley) (dabu)

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    Heftige Kritik am Patriarchat. Im 19. Jahrhundert galt die Suffragette Matilda Joslyn Gage als radikal.
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