Slowakei beklagt wissenschaftlichen Exodus

14. September 2002, 10:00
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Weniger das Geld als die unzureichenden Arbeitsbedingungen verursachen den brain drain

Graz - Die Abwanderung vieler hoch qualifizierte Wissenschafter aus dem eigenen Land in die Europäische Union beklagte der slowakische Bildungsminister Peter Ponicky am Freitag im Rahmen der Tagung "East-West-Vision" in Graz. Im Hinblick auf die erhoffte Mitgliedschaft in der EU meinte der Bildungsminister, dass eine für alle Seiten fruchtbare multilaterale wissenschaftliche Kooperation nur funktionieren werde, wenn alle Länder "die gleichen Ausgangsbedingungen" hätten. Entsprechende Hilfe erhofft sich der Minister daher beim Aufbau von Forschungs-Infrastruktur sowie Programmen, die eine Rückkehr der Wissenschafter unterstützen.

Es sei weniger das höhere Gehalt in der EU (ein Doktorand verdient in der Slowakei rund 150 Euro im Monat, ein Universitätsprofessor rund 300 bis 400 Euro monatlich) als vielmehr die oft unzureichenden Arbeitsbedingungen im Herkunftsland, die viele junge Forscher, die im Ausland gearbeitet haben, davon abhalten, wieder nach Hause zurückzukehren. "Was kann sich ein anerkannter Professor oder talentierten jungen Forscher schon erwarten, wenn seine Zeit in einem westlichen Laboratorium abgelaufen ist und er weiß, dass die Konditionen zu Hause nicht adäquat sind?", so Ponicky. Aus diesem Grund versuche eine immer größere Zahl, im Ausland zu bleiben - und im Laufe der Zeit hätten sie zu diesen Ländern mehr Verbindungen als zu ihrer Heimat, beklagte der Bildungsminister.

Auf längere Sicht gesehen habe diese Entwicklung vor allen Dingen gravierende Folgen für die universitäre Ausbildung: "Die Besten müssen die führende Position einnehmen, um ihre Nachfolger auszubilden. Wie aber wird die Situation in zwanzig Jahren sein, wenn viele der jetzt besten Leute sich dazu entschließen, im Ausland zu leben?", so Ponicky. Diese Situation würde schließlich nur noch zu einer "Vergrößerung des Grabens zwischen den Ländern führen, anstatt die Kooperation zu stärken".

Die Rückkehr schmackhaft machen

Als Lösung des Abwanderungsproblems hält es der slowakische Bildungsminister für notwendig, dass - auch von Seiten der EU - für die Wissenschafter in den Kandidatenländern finanziell attraktive Rückkehr-Programme eingeführt werden. Diese Programme sollten durch eine finanzielle Unterstützung nicht nur die Rückkehr erleichtern, sondern auch die Anschaffung notwendiger Forschungs-Infrastruktur ermöglichen. Denkbar wären für Ponicky auch, dass zusätzlich erfahrene westliche Wissenschafter in die osteuropäischen Länder kommen und zugleich mit diesen Studienaufenthalten auch dafür gesorgt werde, dass die Ausstattung der Institute entsprechend vorangetrieben werde. "Das sollte einer der Wege sein, wie man Kerne künftiger Centres of Excellence im Osten aufbauen kann", so Ponikcy.

"Initiativen sind notwendig, um Forschung und Universitäten in Osteuropa zu unterstützen", betonte auch der Grazer Tagungsleiter und Vorstand des Institutes für Maschinelles Sehen und Darstellen, der den slowakischen Minister nach Graz eingeladen hat. (APA)

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