Sucht bei Frauen zu wenig erforscht?

16. September 2002, 14:31
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Psychologin beklagt Vernachlässigung - Männer stellen "nur" zwei Drittel der Drogensüchtigen

Ludwigshafen - Süchtige Frauen werden nach Ansicht der Psychologie-Professorin Klaudia Winkler in der Forschung stark vernachlässigt. Da Männer zwei Drittel der Alkoholabhängigen und anderweitig Drogensüchtigen stellten, kämen Frauen bei Untersuchungen dieser Problematik nur am Rande vor, sagte die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie zu Beginn der 2. Fachtagung der Gesellschaft am Freitag in Ludwigshafen. Nur bei der Medikamentenabhängigkeit, die in Studien wenig beachtet werde, sei das Geschlechterverhältnis umgekehrt.

Soziale Faktoren

Zur Sucht von Frauen gebe es deshalb "eine ganze Menge ungeklärter Fragen", sagte Winkler. So könne man bisher nur spekulieren, warum abhängige Frauen Hilfeeinrichtungen deutlich seltener aufsuchten als Männer. Sie hätten anscheinend größere Schwierigkeiten, sich zu outen, weil beispielsweise schwerer Alkoholismus bei Frauen von der Gesellschaft viel negativer bewertet werde als bei Männern.

Da Frauen zudem häufig für die Versorgung der Kinder zuständig seien, könnten sie nicht ohne weiteres für längere Zeit eine Suchthilfeeinrichtung aufsuchen. "Sie haben Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, wenn sie sich stationär in Behandlung begeben", sagte Winkler. Das Problem verschärfe sich, wenn eine alkoholabhängige Frau allein erziehend sei oder einen ebenfalls abhängigen Freund habe.

Mehr Hilfsangeboten notwendig

Neben einer verstärkten Frauensucht-Forschung sei deshalb auch ein Ausbau der Hilfsangebote für weibliche Süchtige nötig, sagte Winkler. Die spezifische Behandlung von Frauen müsse Standard werden und dürfe nicht dem Gutdünken der Kliniken überlassen bleiben, forderte Winkler. (APA/dpa)

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