France Telecom bestätigt offiziell Rücktritt ihres Chefs Michel Bon

13. September 2002, 13:58
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Nachfolger bis Anfang Oktober - Französische Regierung sagt Unterstützung zu - 12,2 Milliarden Euro Verlust im ersten Halbjahr

Der französische Telekomkonzern France Telecom hat den Rücktritt seines Chefs Michel Bon bestätigt. Auf Fragen zu früheren Äußerungen von Gewerkschaftsvertretern wonach Bon seinen Rücktritt angeboten haben soll, antwortete ein France-Telecom-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir bestätigen".

Solidarität

Der Verwaltungsrat habe seinen Rücktritt angenommen, meldete auch dpa. Weitere vier Verwaltungsratsmitglieder haben aus Solidarität mit Bon ebenfalls ihren Hut genommen. Bon stand seit 1995 an der Vorstandsspitze. Unter seiner Regie erfolgte der Einstieg des Konzerns beim Mobilfunkanbieter MobilCom, der nun nach inoffiziellen Informationen fallen gelassen wird.

Nachfolge

Die Pariser Regierung bis Anfang Oktober einen Nachfolger ernennen. Der neue Chef des mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Unternehmens solle Ende September oder Anfang Oktober seinen Posten antreten, sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer am Freitagmorgen im Fernsehsender RTL. Bis dahin will Bon die Geschäfte weiterführen. Als Favorit gilt der bisherige Chef des Elektronikkonzerns Thomson Multimedia, Thierry Breton, dem gute Beziehungen zu Präsident Jacques Chirac.

Absage

Nach der Bekanntgabe neuer Rekordverluste sagte France Télécom die für Freitagmorgen geplante Pressekonferenz für die Präsentation der Halbjahresbilanz ab. Der 59-jährige Bon wollte nicht vor die Presse treten. Die Absage der Konferenz wurde damit begründet, dass die Ergebnisse bereits am Vorabend bekannt gegeben worden seien. France Télécom hatte demnach am Ende des ersten Halbjahres einen Schuldenstand von 69,7 Milliarden Euro. Vor allem durch Verluste beim deutschen Partner MobilCom wurde im ersten Halbjahr ein Minus von 12,2 Milliarden Euro erzielt. Bon begründete seinen Rücktritt mit der außergewöhnlichen Höhe dieser Verluste. Auf seinen Vorschlag hin beschloss der Verwaltungsrat ein Ende des finanziellen Engagements bei MobilCom.

Gewinn

Die France-Télécom-Tochter Orange gab unterdessen überraschend bekannt, im ersten Halbjahr 2002 erstmals einen Gewinn erwirtschaftet zu haben. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 500 Millionen Euro geschrieben.

Unterstützung

Die französische Regierung hat dem Unternehmen mittlerweile seine Unterstützung bei der Sanierung zugesagt. Der Staat werde sich an der Erhöhung des Eigenkapitals des Unternehmens beteiligen, erklärte das Wirtschaftsministerium in Paris in der Nacht zum Freitag. Bis dahin werde Paris "notfalls alle Maßnahmen ergreifen, mit denen dem Unternehmen finanzielle Probleme erspart werden können", hieß es weiter. Der französische Staat ist mit 55,4 Prozent Mehrheitsaktionär von France Telecom. (APA/Reuters)

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