Bartenstein-Kabinettschef wird Immobilien-Vorstand

11. September 2002, 18:30
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Auch FPÖ-Mann für Bundesimmoblien- gesellschaft (BIG) Fixstarter

Wien - Während der von der schwarz-blauen Regierung geplante Verkauf der bundeseigenen Wohnbaugesellschaften derzeit auf Eis liegt, wird Wirtschaftsminister Martin Bartenstein in den nächsten Tagen noch drei neue Vorstände für die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) bestellen.

Neuer Chef soll Bartensteins Kabinettschef Christoph Stadlhuber werden. Ihm zur Seite wird in Absprache mit Finanzminister Karl- Heinz Grasser ein der FPÖ zuzurechnender Mann bestellt. Drei FPÖ-nahe Kandidaten stehen für diesen technischen Vorstandsposten zur Auswahl. Der amtierende BIG- Chef Hartwig Chromy, dem ein ausgezeichneter Draht zu Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nachgesagt wird, soll um ein oder maximal 1,5 Jahre verlängert werden. Der Grund: Chromy fehlt genau noch diese Zeit auf seine volle Pensionsberechtigung. Insgesamt gab es 49 Bewerbungen.

Ausgliederung nicht Maastricht-konform

Die BIG gehört zu 100 Prozent der Republik und ressortiert ins Wirtschaftsministerium. Ihre Ausgliederung aus dem Bundesbesitz stellte sich aber später als nicht Maastricht-konform heraus, weil ihre Haupteinnahmequelle die Mieten vom Bund sind, und kaum Geschäfte mit Dritten, also Privaten gemacht werden. Die BIG verwaltet 7,2 Mio. Quadratmeter Gebäudefläche. Rund 5000 Objekte werden hauptsächlich als Schulen, Universitäten oder Amtsgebäude genutzt, weitere rund 10.000 als Wohnungen.

Den zum Verkauf stehenden fünf dem Bund gehörenden Wohnbaugesellschaften (Buwog, Linzer WAG, etc.) wird dasselbe Schicksal wie den Abfangjägern prophezeit. Der vor allem von Grasser und dem Aufsichtsratspräsidenten von Buwog und WAG, Ernst Karl Plech, forcierte Verkauf der Gesellschaften an strategische Investoren wird vor den Wahlen nicht mehr passieren, heißt es. Die Bestellung einer Investmentbank, die den Verkauf abwickeln sollte, wurde bereits mehrfach verschoben.

Intern geht der Wohnungsverkauf an die Mieter aber ungebrochen weiter, "bis wir das Kommando Stopp" erhalten, sagte ein Involvierter, der zugab, ob der neuen Situation einigermaßen ratlos zu sein. Grasser hat per Gesetzesänderung im Wesentlichen die Buwog und die WAG verpflichtet heuer 100 Mio. € zusätzlich auszuschütten. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 12.9.2002)

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