Worldcom sucht neuen Chef

11. September 2002, 12:01
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Skandalfirma kommt nicht zu Ruhe: Vorstandsvorsitzender John Sidgemore wirft nach wenigen Monaten das Handtuch

Clinton - Der in das größte Konkursverfahren und den schlimmsten Buchführungsskandal verwickelte US-Telekom-Riese WorldCom ist auf der Suche nach einem neuen Chef. Die Gesellschaft will Mitte nächsten Jahres aus dem Konkursverfahren heraus kommen. Dies hat WorldCom am Dienstag nach Börsenschluss mitgeteilt.

John Sidgmore, der die Führung der Gesellschaft im April 2002 auf Interimsbasis übernommen hatte, hat die Suche nach einem permanenten Nachfolger angekündigt. Sidgmore hatte den ehemaligen langjährigen Konzernchef Bernie Ebbers abgelöst, der auf Druck der Aktionäre und Gläubiger ausgeschieden war. WorldCom ist der zweitgrößte US-Ferngesprächsanbieter und der weltgrößte Internet-Netzwerkbetreiber.

Spekulationen um neuen Chef

Sidgmore soll selbst unter Druck einiger Verwaltungsratsmitglieder und Gläubiger gekommen sein, die Führung von WorldCom wieder abzugeben, hieß es in US-Medienberichten vom Mittwoch. WorldCom wird wahrscheinlich einen Außenseiter für den Posten des Firmenchefs suchen, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch in seiner Online-Ausgabe. Einer der führenden Kandidaten sei Dan Akerson, der Verwaltungsratsvorsitzende und Firmenchef des Telekom-Unternehmens XO Communications, das im Juni Konkurs angemeldet hatte. Akerson hatte früher für die Telekomunternehmen MCI und Nextel Communications gearbeitet.

Die "New York Times" nannte Edward E. Mueller, den früheren Chef des Telekommunikationsunternehmens Ameritech, einer Sparte der SBC Communications, als Kandidaten. Die Zeitung verwies auch auch Ronald T. LeMay, einen Manager bei der Telefonfirma Sprint. Dieser sei jedoch nicht interessiert. Als möglicher Kandidat sei auch Dick Brown genannt worden, der Chef des Computerdienstleistungs-Konzerns Electronic Data Systems. Brown hat jedoch nach Darstellung der Zeitung abgelehnt.

Ebbers-Abfindunspaket vor Änderung

Der WorldCom-Verwaltungsrat hat nach Angaben der "New York Times" außerdem diskutiert, ob das Abfindungspaket für Ebbers geändert werden kann. Es sei keine Entscheidung getroffen worden. Ebbers hatte einen Billigzins-Kredit von 408 Millionen Dollar und eine Pension von jährlich rund 1,5 Millionen Dollar auf Lebenszeit erhalten.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen Firmenchefs hatte WorldCom Falschbuchungen von 7,2 Mrd. Dollar (7,4 Mrd. Euro) zugegeben. WorldCom musste anschließend im Juli Konkurs anmelden. Es handelte sich um die größte Firmenpleite in der US-Wirtschaftsgeschichte. Das Unternehmen wird vom amerikanischen Justizministerium und von der Wertpapier- und Börsenkommission SEC untersucht. Es laufen auch zahlreiche Aktionärsklagen. Der ehemalige WorldCom-Finanzchef Scott Sullivan ist bereits im Zusammenhang mit dem Buchführungsskandal angeklagt worden. (APA/dpa)

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    Vorstandsvorsitzender John Sidgmore will nicht mehr

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