Lebensretter Tod

9. September 2002, 20:05
posten

Ein Käferforscher im Spiel mit dem Tod: "Ende und Anfang" von Norbert Silberbauer im WUK

In Norbert Silberbauers Komödie "Ende und Anfang" will der Tod "um seiner selbst willen geliebt werden". Seine Liebesbeweise sind ausnahmsweise Lebenshilfen. Bevor der grau melierte Herr mit schwarzer Sonnenbrille (Karl Menrad) nämlich zupackt, soll das von ihm begehrte Opfer, ein Käferforscher von Beruf, noch am eigenen Leib erfahren, wovon genau es denn erlöst werden soll: von der Einsamkeit in der Liebe zu einer Frau (Barbara Gassner), vom Druck einer ersehnten Käferentdeckung.

Ronald Kuste gibt im kreisrunden, klinischen Bühnenkrater seines fiktiven Labors einen paradox zum Leben erweckten Sterbenden. Die Todesahnung treibt ihn ins Fitnessstudio: Doch auch dort ist der Trainer der Sensenmann. Die Panik vorm Ende der Liebe gebiert derweil einen Knutschfleckwahn ("Mehr mit den Lippen!").

Kuste röhrt, wenn er gegen den Tod spricht, richtet sich im Lebenskampf auf zum Tier. Das Leben, Natur und Träume sind auf Großleinwandbildern (Video: Martin Heigl) in unerreichbare Entfernung entrückt, als Draufsicht auf ein nie gelebtes Leben.

Regisseurin Monika Steiner trägt den Tod kunstvoll dick auf: dunkle Lichtschwaden, dumpfe Stimmen, Schmerzensmusik, ein aseptisches Werk. Als Komödie gerät das Stück schnell in die Sackgasse. Den Tod kann man nicht auf die Schaufel nehmen. Er tut es mit uns, indem er uns nicht sterben lässt. Schwer bedrückend. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2002)

WUK-Theater
1090 Wien
Währinger Straße 59
01/401 21-70
jeweils 20:30 Uhr
Bis 15. 9.
  • Artikelbild
    foto: wuk
Share if you care.