A1 mit chinesischem Untermieter

10. September 2002, 14:45
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Vorwahl "0660" - Asiens führender Mischkonzern, Hutchison Whampoa, steigt als Nummer sechs in den heimischen Handymarkt ein

Der internationale Telekom-Konzern Hutchison Whampoa (Hongkong) wird in Österreich mit der Telekom Austria-Tochter Mobilkom kooperieren. Das Unternehmen, das bereits über eine österreichische UMTS-Lizenz verfügt, baut derzeit ein Mobilfunknetz der dritten Generation in Wien, Linz und Graz. Außerhalb dieser Gebiete wird Hutchison über das Netze der Mobilkom GSM- und GPRS-Mobilfunk anbieten und damit von Beginn an eine Netzabdeckung von 98 Prozent erreichen. Die entsprechenden Verträge haben Hutchison und Mobilkom am Dienstag unterzeichnet, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit.

Vorwahl "0660"

Die Pläne für den Start von Hutchison für Österreich werden damit konkret. Die Marke wurde mit "3", die Vorwahl mit "0660" bereits festgelegt. Gestartet allerdings voraussichtlich erst im zweiten Quartal 2003, hieß es aus Unternehmenskreisen am Dienstag zur APA. Hutchison ist dann bereits der sechste Mobilfunkanbieter am Markt: Neben Mobilkom, T-Mobile (vormals max.mobil), One und tele.ring will heuer unter "0688" auch der Festnetzanbieter Tele2 über die Netze von One Mobilfunk anbieten.

"Der Vertrag ist aber auf jeden Fall für beide vorteilhaft"

Der Vertrag von Hutchison und Mobilkom – im Fachjargon "National Roaming"-Vertrag genannt – läuft über mehrere Jahre, wie lange wollten die Vertragspartner nicht verraten – nur dass die Mobilkom länger gebunden ist, als Hutchison. Auch die Summe, die Hutchison für das Einmieten ins Mobilkomnetz zahlt, wollten beide Partner nicht beziffern. "Der Vertrag ist aber auf jeden Fall für beide vorteilhaft", heißt es aus Hutchison-Reihen. Insgesamt investiert Hutchison in den Österreich-Einstieg dem Vernehmen nach zwischen 800 und 900 Mill. Euro.

"Flächendeckende Netzabdeckung ab dem ersten Tag"

Das Ziel, einen "National Roaming" Vertrag abzuschließen, verfolgte Hutchison 3G laut dem Geschäftsführer Hutchison 3G Austria, Berthold Thoma, schon seit einiger Zeit. Hauptziel war laut Thoma "die flächendeckende Netzabdeckung ab dem ersten Tag".

Laut Vorgaben des Regulators ist die Mobilkom als einer der vier bestehenden GSM-Betreiber sogar verpflichtet, ihre GSM-Frequenzen zumindest über vier Jahre gegen ein "angemessenes Entgelt" für den neuen Anbietern zur Verfügung zu stellen. Parallel dazu hat sich aber auch Hutchison verpflichtet ihr neues UMTS-Netz weiter auszubauen. Bis Ende 2003 müssen 25 Prozent der Österreicher, bis 2005 50 Prozent über das eigene UMTS-Netz von Hutchison telefonieren können.

Mobile-Multimedia-Unternehmen

Hutchison sieht sich selbst nicht als klassischer Mobilfunkanbieter sondern als Mobile-Multimedia-Unternehmen. Gemeinsam mit den anderen europäischen 3G-Tochterunternehmen von Hutchison Whampoa in Großbritannien, Schweden, Dänemark und Italien werden Multimedia-Produkte und Services entwickelt, die für den mobilen Einsatz gedacht sind, so das Unternehmen.

Neue Schlacht um Kunden

Fest steht damit, dass am heimischen Mobilfunkmarkt eine neue Schlacht um die mobile Kundschaft bevorsteht, denn nicht nur Hutchison scharrt in den Startlöchern, sondern auch Tele2. Der beliebte Verbindungsnetzbetreiber hat sich mit One zusammen geschlossen und wird seinen Festnetzkunden künftig unter der Vorwahl 0688 Handydienste anbieten.

Anders als Hutchison und Mobilkom werden Tele2 und One ein Modell auf Mietleitungsbasis bieten, denn Tele2 hat keine GSM-Funklizenz und baut daher auch keine eigene Infrastruktur aus. Im Fachjargon heißt dies Mobile Virtual Network Operating (MVNO), was angesichts des heftigen Preiswettbewerbs in Österreich auf heftige Kritik von T-Mobile, Tele.ring und Mobilkom gestoßen war.

"Rein kommerzielle Entscheidung"

Vorwürfe, die Mobilkom ermögliche mit dem Deal einem weiteren potenziellen starken Konkurrenten einen vorzeitigen Start, weist A1-Chef Boris Nemsic auf STANDARD-Anfrage zurück: "Es war eine rein kommerzielle Entscheidung, die für beide Partner eine Win-Win-Situation darstellt." "Für uns ist dies die Bestätigung, dass unser Netz das Beste ist. Sonst würde ein Weltkonzern wie Hutchison nicht auf unsere Qualität setzen." (APA/Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 10.9.2002)

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    foto: photodisc
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