Machtkampf bei Springer wird schärfer

8. September 2002, 15:19
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Einstieg der WAZ-Gruppe nicht mehr in Sicht

Der Streit in der Springer-Familie um die Macht in dem größten europäischen Verlagshaus wird schärfer. 17 Jahre nach dem Tod von Konzerngründer Axel Cäsar Springer fechtet dessen Enkel Axel Sven die testamentarisch verfügte Aufteilung der Familien-Aktien juristisch an, wie "Spiegel" und "Focus" am Wochenende übereinstimmend meldeten.

Den Angaben zufolge wirft er Springers Witwe Friede arglistige Täuschung vor. Seine Anwälte halten es laut "Focus" für möglich, die Anteile von Friede Springer "bis hin zum Totalverlust" zu reduzieren.

"Geheimplan"

Den Springer-Erben gehören etwas mehr als 50 Prozent des Konzerns. Nachdem der Einstieg der WAZ-Gruppe bei Springer so gut wie gescheitert ist, wird über einen Deal mit dem Schweizer Ringier-Verlag spekuliert. Der gescheiterte Medienmogul Leo Kirch muss sein 40-Prozent-Paket am Springer-Konzern verkaufen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete über einen "Geheimplan" für die Kirch-Anteile, die nach dem 10. September an die Deutsche Bank fallen, falls vorher kein Kauf zu Stande kommt.

Das Paket solle zunächst an den Ringier-Verlag "weitergeleitet" werden, meldete das Blatt unter Berufung auf Insider. Springer und Ringier hätten einem vertraulichen Konzept "in den Grundzügen angeblich schon zugestimmt". Der Plan habe gute Chancen auf Umsetzung. Zunächst solle Ringier das Paket zwei bis drei Jahre halten, danach eine Sperrminorität von gut 25 Prozent behalten und den Rest verkaufen. Kirch wolle mindestens 800 Millionen Euro. Ringier stehe finanziell gut da.

WAZ-Gruppe hat ausgespielt

Ein Einstieg der Essener WAZ-Gruppe bei Springer ist nicht mehr in Sicht. Zwar komme ein solcher Deal durchaus in Betracht, hatte die Geschäftsführerin der Funke-Gruppe, Petra Grotkamp, am Freitag erklärt. "Ihn lehnt aber die Mehrheit der Funke-Stämme derzeit definitiv ab." Die Funke-Gruppe besitzt 50 Prozent am Medienunternehmen Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Axel Sven Springer, der Mitglied des Aufsichtsrates ist, sprach sich laut "Focus" gegen die Übernahme von Springer-Anteilen durch die WAZ-Gruppe aus: "Die WAZ passt nicht zu Springer."

Laut "Focus" ist Kirchs Filmarchiv deutlich weniger wert als bisher angenommen. Nachdem die Unternehmensberatung Roland Berger im Sommer von 1,74 Milliarden Euro ausgegangen sei, sprächen "Kenner der Rechtsverträge" nun von weniger als 500 Millionen Euro. Bei der Prüfung der Verträge habe sich herausgestellt, dass etliche von ihnen nach US-Recht geschlossen worden seien und bei Insolvenz hinfällig würden. Zum Archiv der KirchMedia zählten 15.000 Filme und 40.000 Serienstunden. Noch 1999 hätten zwei namhafte Wirtschaftsprüfungsfirmen den Wert auf acht Milliarden Euro geschätzt.(APA)

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