Neue Gewalt trotz Ausgangssperre zum jüdischen Neujahrsfest

8. September 2002, 14:07
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Zusammenstöße in Jenin und Ramallah - Palästinenser kritisieren Ermittlungsbericht zum Tod von Zivilisten

Jerusalem - Trotz der Ausgangssperre, die Israel aus Sorge vor Anschlägen am jüdischen Neujahrsfest verhängt hat, ist es am Samstag im Westjordanland erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten gekommen. Rund 200 Jugendliche warfen in Jenin Steine auf israelische Panzerfahrzeuge. Die Soldaten schossen nach Zeugenaussagen zurück. Nach Krankenhausangaben wurden vier Jugendliche verletzt. Ähnliche Zusammenstöße wurden auch aus Ramallah gemeldet.

Von dem Ausgehverbot im Westjordanland waren insgesamt rund 630.000 Palästinenser betroffen. In Hebron wurden ein von Israel gesuchter Anführer der Hamas-Organisation und sein Bruder festgenommen. Dabei soll es sich um Hischam und Mamun Scharabati handeln. Die Palästinenser erklärten, Hisham Sharabati sei seit Jahren auf der Flucht gewesen und bei einem seiner seltenen Besuche in seinem Haus gefasst worden.

Untersuchung zum Tod von zwölf palästinensischen Zivilisten

Wütende Proteste der Palästinenser löste unterdessen eine israelische Untersuchung zum Tod von zwölf palästinensischen Zivilisten aus. Die von Verteidigungsminister Benjamin Ben Eliezer angeordnete interne Ermittlung kam zu dem Schluss, dass den Soldaten kein Fehlverhalten vorzuwerfen sei. Sie hätten den Regeln entsprechend gehandelt. Demnach werden die Vorfälle für die beteiligten Soldaten keine Konsequenzen haben.

Der palästinensische Kabinettsminister Saeb Erakat erklärte, es sei beschämend für Israel, dass diejenigen nicht zur Rechenschaft gezogen würden, die unschuldige Kinder und Mütter kaltblütig getötet hätten.

Drei Vorkommnisse

Die Ermittlungskommission befasste sich mit drei Vorkommnissen. Im ersten Fall am 28. August wurden in einem Beduinenlager bei Nezarim im Gazastreifen vier Angehörige einer Familie durch israelische Panzergranaten getötet. Am vergangenen Sonntag töteten israelische Scharfschützen im Westjordanland vier Palästinenser. Nach palästinensischer Darstellung handelte es sich um Arbeiter eines nahe gelegenen Steinbruchs. Die israelischen Streitkräfte erklärte, die Männer seien bewaffnet gewesen und hätten einen Zaun durchschneiden wollen. Beim dritten Zwischenfall am vorigen Samstag wurden zwei Kinder im Alter von sechs und zehn Jahren sowie zwei Jugendliche bei einem Raketenangriff gegen palästinensische Extremisten getötet.

Die israelische Armee rückte in der Nacht zum Samstag auf die Ortschaft Deir el Balah im Gazastreifen vor, wie palästinensische Sicherheitskräfte berichteten. Soldaten durchsuchten den Angaben zufolge Häuser und nahmen mehrere Verdächtige fest. Berichte von Verletzten lagen nicht vor. Soldaten zerstörten zwei Gebäude, in denen nach Militärangaben Waffen hergestellt wurden. Auch ein Büro der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat wurde verwüstet. Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie hätten einen großen Sprengsatz gefunden und kontrolliert zur Explosion gebracht. Die Armee reagierte mit dem Vorstoß nach eigenen Angaben auf den Angriff palästinensischer Extremisten auf einen israelischen Panzer vom Donnerstag. Dabei war ein Soldat getötet worden.(APA/AP)

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    Ein israelischer Soldat feuert Tränengasgranaten auf militante Palästinenser

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