Privater Konsum und Export stützen EU-Wirtschaft

6. September 2002, 14:00
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EU-BIP hat im zweiten Quartal zugelegt - Kommission revidiert August-Prognose nach unten

Luxemburg/Brüssel - Der private Konsum und der Export haben für einen leichten Aufschwung der europäischen Wirtschaft im zweiten Quartal des Jahres gesorgt. Nach Angaben des Europäischen Statistikamtes Eurostat vom Freitag wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 15 EU-Staaten von April bis Juni um 0,4 Prozent. Im ersten Vierteljahr war das Plus bei 0,3 Prozent gelegen.

Die Konsumausgaben wuchsen EU-weit im zweiten Quartal um 0,5 Prozent, nachdem sie im ersten Vierteljahr noch stagniert hatten. Der Export zog gar um 1,9 Prozent an, nach mageren 0,1 Prozent im ersten Quartal. Die Investitionen sanken hingegen im sechsten Quartal in Folge, wie Eurostat in Luxemburg mitteilte.

Euro-Länder etwas schwächer

Die Daten für die zwölf Länder der Eurozone fielen fast durchwegs etwas schlechter aus als für die Gemeinschaft der 15. In der Eurozone wuchs das BIP im zweiten Quartal um 0,3 Prozent, nach 0,4 Prozent im ersten Vierteljahr. Auch die Investitionen gingen mit einem Minus von 0,8 Prozent stärker zurück als in der Gesamt-EU, wo der Rückgang zuletzt 0,5 Prozent betrug.

Das EU-weite BIP-Wachstum von 0,4 Prozent übertraf Eurostat zufolge die Entwicklung der Wirtschaft in den USA, die im zweiten Quartal nur noch ein Plus von 0,3 Prozent verzeichnete. Im ersten Vierteljahr hatten die USA mit plus 1,2 Prozent noch deutlich vorn gelegen. Japan verzeichnete zuletzt einen BIP-Zuwachs von 0,5 Prozent, nach Stagnation im ersten Quartal 2002.

Deutschland lag mit einem BIP-Zuwachs von 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal genau im Schnitt der Eurozone. Verglichen mit dem zweiten Quartal 2001 erzielte die deutsche Wirtschaft damit einen Zuwachs von 0,1 Prozent, nachdem sie im Jahresvergleich der ersten Quartale noch um 0,2 Prozent geschrumpft war.

EU-Kommission revidiert August-Prognose nach unten

Die Europäische Kommission erwartet für die Eurozone im Zeitraum Oktober bis Dezember ein moderates Wirtschaftswachstum zwischen 0,3 und 0,6 Prozent. Die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen revidierte am Freitag zudem ihre erste Einschätzung des BIP-Wachstums im dritten Quartal von Anfang August nach unten. Für die Monate Juli bis September geht sie jetzt ebenfalls von einem Wachstum zwischen 0,3 bis 0,6 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal aus anstelle der ursprünglich erwarteten 0,6 bis 0,9 Prozent.

Die Kommission begründet diese Revision mit einer eingetrübten Situation im Einzelhandel sowie im Bausektor. Auch der zur Berechnung des BIP-Indikators hinzugezogene Index des Institute of Supply Management (ISM) über die Verarbeitende Industrie in den USA habe sich gegenüber dem zweiten Quartal verschlechtert, heißt es weiter. Für die Berechnung dieses BIP-Indikators werden der Kfz-Verkauf, die Entwicklung im Einzelhandel und der Bauwirtschaft berücksichtigt. Der ISM-Index wird mit aufgenommen, weil sich aus diesem Frühindikator aus den USA induzierte konjunkturelle Effekte für die Eurozone ableiten lassen.

Hinzu kommen als finanzielle Indikatoren die Renditedifferenzen zwischen der Eurozone und den USA sowie der reale Wechselkurs als Kriterium für die Wettbewerbsposition der Eurozone. Der Sprecher von Währungskommissar Pedro Solbes hatte am Vortag bestätigt, dass das diesjährige Wirtschaftswachstum voraussichtlich geringer ausfallen wird als zunächst erwartet. Der Wachstumsanstieg verzögere sich unter anderem auf Grund der angespannten Lage im Nahen Osten und der Unsicherheit der Investoren. (APA)

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