Afghanistan: Schule statt Anarchie

25. September 2002, 14:29
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Laut UNICEF gehen ab Herbst wieder drei Millionen Kinder in die Schule - 30 Prozent davon sind Mädchen

Köln/Wien - Rund drei Millionen Mädchen und Buben in Afghanistan gehen nach Angaben von UNICEF jetzt wieder zur Schule. Viele von ihnen zum ersten Mal. Anlässlich des Weltbildungstages am 8. September warnt das UNO-Kinderhilfswerk jedoch davor, dass die wachsende Unsicherheit in weiten Landesteilen sowie Geldmangel den Wiederaufbau des Bildungssystems in Afghanistan gefährden. Auch sind weiterhin viele Mädchen, vor allem im Süden des Landes, vom Schulbesuch ausgeschlossen. Dennoch wertet UNICEF die Rückkehr von Mädchen und Jungen in die Schule als die wichtigste Antwort auf die Anarchie der vergangenen Jahre.

Wenige SchülerInnen im Süden und Nordosten

Die Kampagne "Zurück in die Schule", die von UNICEF zusammen mit der Übergangsregierung und unter der Beteiligung zahlreicher staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen Anfang des Jahres gestartet wurde, löste einen Ansturm auf die wieder eröffneten Schulen aus. Doch von den rund drei Millionen Kindern, die sich seit dem offiziellen Schulstart am 23. März zum Unterricht eingeschrieben haben, kommt fast die Hälfte aus den zentralen und östlichen Landesteilen. 25 Prozent stammen aus den nördlichen und 12 Prozent aus den westlichen Regionen. In vielen Landesteilen bleiben Kinder auch weiter von Bildung ausgeschlossen. So machen Kinder aus dem Süden und Nordosten von Afghanistan nur sechs bzw. vier Prozent der Neuanmeldungen aus. Die Situation spiegelt unter anderem den geringen Einfluss der Übergangsregierung in bestimmten Landesteilen und den eingeschränkten Zugang der Hilfsorganisationen wider.

30 Prozent Mädchen

Zum regionalen Gefälle kommt jenes zwischen Mädchen und Buben: Im Süden, in der ehemaligen Taliban-Hochburg Kandahar, sind zum Beispiel nur zehn Prozent der Schüler Mädchen. Im Landesschnitt sind es rund 30 Prozent.

Trotz intensiver Reparaturarbeiten sind die meisten Schulen in Afghanistan nach wie vor in einem katastrophalen Zustand. Viele Gebäude sind teilweise zerstört oder verfallen und haben weder Tische noch Stühle. In der Hälfte der Schulen gibt es kein Wasser; drei Viertel haben keine Toiletten. UNICEF unterstützt zur Zeit die Reparatur und den Wiederaufbau von 68 Schulen für 160.000 Kinder. Weitere 180 Grundschulen sollen demnächst wieder hergerichtet werden.

Etwa die Hälfte der Neuanmeldungen entfällt auf die Grundschulen. Unter den Schülern sind viele Jugendliche und sogar junge Erwachsene, die nun das erste Mal überhaupt Unterricht erhalten. Für den Schulstart stellte UNICEF Lern- und Arbeitsmaterialien wie Hefte, Stifte und Tafeln für 2,3 Millionen Kinder und 30.000 LehrerInnen zur Verfügung. 40.000 Lehrerinnen und Lehrer, die vielfach jahrelang nicht mehr unterrichtet hatten, haben an Vorbereitungskursen teilgenommen. Noch in diesem Jahr fehlen UNICEF zehn Millionen Euro für Schulmaterial, um weiteren 750.000 SchülerInnen die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. UNICEF Österreich hat für die Not- und Wiederaufbauhilfe für Kinder in Afghanistan bisher Spendengelder in der Höhe von 385.427,06 Euro bereitgestellt. (APA)

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