"Klar. Mit Lindows fordere ich Microsoft heraus"

5. September 2002, 10:37
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Lindows-Gründer Michael Robertson spricht über seine Zukunftspläne, Konkurrenten Windows und Open Source

Der MP3.com und Lindows-Gründer Michael Robertson gab dem Spiegel Online

ein Interview in dem er über seine Zukunftspläne, Konkurrenten Microsoft und Open Source sprach.

Der Rebell

Michael Robertson gilt schon seit längerer Zeit als Rebell der IT-Branche. So hatte er 1997 die Musik-Industrie gegen sich als er mit seinem Projekt MP3.com startete. Vor gut einem Jahr verkaufte Robertson MP3.com an Vivendi Universal für nicht weniger als 370 Millionen US-Dollar und plante bereits seinen nächsten Angriff - diesmal auf Microsoft.

Lindows mit fünf Millionen gestartet

Wie Robertson im Interview preisgibt, wurde Lindows.com mit fünf Millionen US-Dollar gestartet. Wenn es nach seinen Plänen läuft, soll die Linux-Variante Microsoft am Desktop so viele Marktanteile wie nur möglich abnehmen.

Das Konzept

Michael Robertson sieht die Erfolgsaussichten von Lindows in seinem simplen aber effektiven Konzept: "Wir offerieren eine benutzerfreundliche Linux-Version für Desktop-Computer und wollen damit Konsumenten eine vernünftige und vor allem günstige Alternative zu Windows anbieten", so Robertson gegenüber dem Spiegel.

Zu Microsoft

Auf die Frage warum er sich gerade Microsoft als nächsten Gegner ausgesucht habe antwortet Robertson: "Klar. Mit Lindows fordere ich Microsoft heraus. Die haben mit ihrer Software bereits mehr Geld verdient als alle amerikanischen Technologiefirmen zusammen, und sie haben praktisch keine Konkurrenz." Robertson will auch nicht als Altruist gesehen werden, sondern als Geschäftsmann der gezielte Interessen verfolgt. Robertson will auch nicht als neuer Held der Open Source-Gemeinde gesehen werden, deren Ideale und Prinzipien er verteidigen müsste.

Lindows versus Windows

Auch über den laufenden Rechtsstreit zwischen Lindows und Windows äußert sich Robertson im Interview. Der Redmonder Softwarekonzern hatte vor Gericht wegen der möglichen Verwechslungsgefahr geklagt. Robertson bezeichnet die Klage als "absurd" und sieht dem weiteren Verlauf gelassen entgegen. Schon in erster Instanz hatte Robertson Recht bekommen und glaubt nun an ein schnelles Prozess-Ende.

Lindows versus Linux

Die Unterschiede zwischen Linux und Lindows liegen im unterschiedlichen Konzept der beiden Betriebssystemen: Lindows soll ein günstiges Betriebssystem sein, dass auch Anwendungsprogramme und Windows-Applikationen ausführen können soll. Da Microsoft-Applikationen viel Geld kosten, konzentriert sich Robertson auf kostenlose Linux-Anwendungen und bietet für rund 100 Dollar Zugang zu einem Softwarearchiv, in dem neben HTML-Editoren, Spielen und einem Office-Paket rund 700 weitere Programme angeboten werden.

Die Preise

Laut Robertson sollen Lindows-Komplettrechner in diesem Jahr bei Discountern wie etwa Walmart zwischen 200 und 400 Dollar angeboten werden. In Europa werden erste Rechner erst Mitte des nächsten Jahres auf den Markt kommen.(red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Archivbild aus dem Jahr 2000 zeigt den damaligen MP3.com-Chef Michael Robertson bei seiner Aussage vor dem Senate Judiciary Committee am Capital Hill. Robertson sprach damals über die Zukunft der digitalen Musik.

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