Österreich nähert sich dem Eurocorps an

4. September 2002, 19:53
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Straßburger Einheit bald Nato-kompatibel

Das Eurocorps entwickelt sich immer mehr zum harten Kern einer künftigen europäischen Kriseninterventionstruppe. Auch Österreich steht kurz vor der formellen Entsendung von Verbindungsoffizieren in den Stab der Einheit nach Straßburg. Zugleich bereitet die Brüsseler Nato-Zentrale in diesem Monat die Zertifizierung des Eurocorps als "schnelle Krisenreaktionseinheit" nach den Standards des Bündnisses vor.

Nach Angaben aus dem Wiener Verteidigungsministeriums laufen derzeit Verhandlungen, an deren Ende die offizielle Entsendung von zwei Offizieren in den Straßburger Kommandostab stehen soll. Mit einem Abschluss wird für die nächsten Monate gerechnet. Bereits seit einigen Monaten vertritt Oberstleutnant Gerhard Schweiger Österreich beim Eurocorps. Bisher kann er als Verbindungsoffizier dort allerdings nur Informationen austauschen. Dies reicht aber nach Aussagen eines Eurocorps-Sprechers gegenüber dem STANDARD schon recht weit: "Wir verfolgen das Prinzip des Hauses der offenen Tür."

Mit einem offiziellen Vertreter wäre Österreich dann künftig direkt in die Arbeit der Eurocorpszentrale eingebunden - z. B. bei Einsatzplanung, Logistik oder Personalverwaltung. Entsprechende Abkommen wurden am Dienstag mit den Nato-Staaten Griechenland, Polen und Türkei bereits unterzeichnet.

Die Mannschaften des 1992 gegründeten Eurocorps - das nicht mit der in Aufbau befindlichen schnellen EU-Eingreiftruppe zu verwechseln ist - stellen die fünf Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und Spanien. Seit 1999 steht aber der Straßburger Stab allen anderen EU- und Nato-Staaten offen. Dies soll ermöglichen, dass sich im Einsatzfall auch deren Truppen mit dem Eurocorps abstimmen können. Außer den fünf Vollmitgliedern sind mittlerweile acht Länder im Straßburger Hauptquartier repräsentiert.

Noch in diesem Monat erwartet das Eurocorps-Hauptquartier die Anerkennung durch die Nato als "schnelle Krisenreaktionseinheit". Derzeit läuft ein computersimuliertes Testmanöver an, bei dem Nato-Beobachter die Kompatibilität des Eurocorps mit den Anforderungen des Bündnisses überprüfen. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.9.2002)

Jörg Wojahn aus Brüssel
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