Was war zuerst - Dummheit oder Mobiltelefone?

4. September 2002, 18:42
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Der Mensch scheint nicht dazu geboren mehrere Dinge gleichzeitig zu tun - aber Telefonieren ist keine Einzelaktivität mehr

Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit; aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher, so Albert Einstein. Wie gefährlich ist aber nun die Kombination von menschlicher Dummheit gepaart mit Mobiltelefonen? Dieser Frage gehen derzeit weltweit einige Experten nach und suchen nach Antworten auf die Fragen unserer Zeit.

Die Umwelt wird vergessen

An jedem Ort und an jeder Ecke sind sie zu finden - die Mobiltelefonierer. Gerade in Österreich hat diese Gattung einen enormen Populationszuwachs erlebt. Wer kann in der heutigen Zeit, denn schon ohne sein mobiles Telefon außer Haus gehen ohne sich nicht wertlos oder alleine zu fühlen. Soweit so gut - doch problematisch wird die Sache erst wenn Leute beginnen mehrere Dinge mit dem Telefonieren zu verbinden. So bergen etwa die einfachsten Dinge wie etwa "gehen" enorme Gefahren wenn nebenbei telefoniert wird. In den meisten Fällen nicht nur für den Handy-Benutzer selbst, sondern auch für seine Umwelt. Laternen, offene Türen und Fenster, angeblich auch offene Kanlschächte, Hundehäufchen, Bäume und Mauern werden zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für Unaufmerksame. Noch viel schlimmer wird es allerdings wenn man die Geh-Geschwindigkeit überschreitet und noch immer telefoniert.

Fahrradfahren und Handy

In den Strassen von Wien führte dieser Sommer zu einer seltsamen und gefährlichen Erscheinung (ich rede nicht von Gelsen) die Kombination Radfahrer und Mobil-Telefonierer. Mit zügiger Geschwindigkeit, das Handy zwischen Schulter und Kopf eingezwickt, und ohne Rücksicht auf das eigene Leben düsen die Handy-Radler über dichtbefahrene Strassen. Dahinter fahren jene Autobesitzer, die zwar das Wort "Freisprech-Einrichtung" schon kennen, allerdings nur vom Auto eines Bekannten. Der einzige Vorteil wenn diese beiden Mobiltelefonierer im wahrsten Sinne des Wortes zusammen treffen würde, wäre wohl der Umstand, dass gleich ein Mobiltelefon bereit läge mit dem der Notarzt angerufen werden könnte.

Das Om-Zeichen

Während die Handy-Hersteller über teilweise massive Absatzrückgängen klagen, boomt ein anderer "Wirtschaftszweig" dank der Strahlungsdiskussion: der "Om-Zeichen"-Handel. Dieses altbekannte Tantra-Zeichen soll auf Handy-Akkus befestigt, positiv energetisieren und so den Anwender vor schädlicher Strahlung schützen. Die Diskussion um derartige Hilfsmittel im Kampf gegen Krebs und generelles Unwohlsein blüht und immer mehr Menschen greifen auf Traditionelles zurück um gegen Neuzeitliches und die damit verbundenen Gefahren gewappnet zu sein.

Der ernste Hintergrund

Doch auch Kommunikationswissenschaftler und Sozialforscher widmwn sich verstärkt dem Thema "Mobiltelefonie". Nach Ansicht vieler Wissenschaftler ändert sich die zwischenmenschliche Kommunikation und das menschliche Zusammenleben durch den Einsatz der mobilen Geräte drastisch. Gespräche verkommen zu kurzen zusammenhanglosen Wortansammlungen, ein rascher Themenwechsel ohne Tiefgang beherrscht die mobile Kommunikation so die Forscher. Immer mehr Menschen fühlen sich ohne ihr Handy alleine und isoliert und telefonieren an den unmöglichsten Plätzen, zu noch unmöglicheren Zeiten über wesentlich unmöglichere Themen. Die Zusammenhänge zwischen "Dummheit" und "Handy" haben japanische Forscher nun in einer Untersuchung bei Kinder feststellen können. So fand eine Studie heraus, dass Kinder die einen hohen Gebrauch von ihren Handys machten und diese auch während eines Tests trugen, in Tests wesentlich schlechter abschnitten als Kinder ohne Handy.

Ein generelles Verbot

Zwar wird es generelles Verbot von Mobiltelefonen wohl in nächster Zeit nicht geben - es würde sich wohl auch niemand finden der dies ernsthaft wünschen und durchsetzen würde, doch raten Experten zu einem vernünftigen Umgang. Ein mobilfunkfreier Tag pro Woche könnte dazu führen, das Wohlbefinden zu steigern und die gute alte zwischenmenschliche Kommunikation zu fördern. Aber vielleicht müsste man gar nicht soweit gehen, wenn die menschliche Dummheit geschlagen und nur noch dann telefoniert werden würde, wenn es wirklich notwendig ist und niemand durch mangelnde Aufmerksamkeit von Seiten des Telefonieres gefährdet wäre.(grex)

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