Verzetnitsch lehnt Aufhebung des Berufsschutzes für Arbeitslose ab

3. September 2002, 09:20
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"Spirale dreht sich nach unten"

Wien - ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch hat sich in der aus Deutschland nach Österreich übergeschwappten Diskussion über die Reform des Arbeitsmarktes kategorisch gegen eine Aufhebung des Berufsschutzes ausgesprochen. Verzetnitsch reagierte damit im "Ö1-Morgenjournal" am Dienstag auf die Aussage des Vorstandsdirektors des Arbeitsmarkt Service Österreich (AMS) Herbert Buchinger, der mit Hinweis auf das "Schweizer Modell" die Ersetzung des Berufsschutzes durch einen Einkommensschutz in Höhe von 80 Prozent des Letztbezugs angedacht hatte. Als "überlegenswert" bezeichnete Verzetnitsch hingegen den Vorschlag, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe bei den Arbeitsämtern zusammen zu legen.

"Wenn ich jetzt den Berufsschutz wegnehme und den Einkommensschutz dafür einsetze, ist das Ergebnis meiner Meinung nach ein schlechteres als heute, weil es dann nicht mehr um die Qualifizierung geht, sondern nur noch um die Sicherung des Einkommens", sagte Verzetnitsch. Er gab weiters zu bedenken, dass bei neuerlicher Arbeitslosigkeit wieder nur 80 Prozent vom letzten Bezug gezahlt würden: "Und die Spirale dreht sich nach unten." Schaffe man den Berufsschutz ab, nehme man den Arbeitslosen auch den Anreiz zur Weiterbildung. Einkommensschutz könne es somit nur als Ergänzung zum Berufsschutz geben. Buchinger hatte dagegen argumentiert, dass sich Arbeitslose ohnehin nur dann auf den Berufsschutz berufen, wenn sie Einkommensverluste zu befürchten haben.

Zur Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sagte Verzetnitsch, dies sei "sicher sinnvoll", wenn es auch effizient für den Betroffenen sei und er sich rasche Hilfe holen könne. Allerdings gehe es nicht nur darum, etwas von einer Stelle auf die andere zu verlegen. (APA)

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