Hotline-Rechnungen für einen ganzen Ort

2. September 2002, 20:26
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Auch Witwen wurden Sextelefonate verrechnet

Salzburg - Ein ganzer Ortsteil war drauf, auf der "heißen Leitung". Telefonierte mit einer Sex-Hotline bis Ende nie - 30 Haushalte in der Pinzgauer Gemeinde Unken; allein stehende ältere Frauen inklusive. Zumindest laut Telefonrechnungen, die jeweils mehr als 100 Euro ausmachten, wie der ORF Salzburg im Mittagsjournal vom Montag berichtete. Jetzt wurde die Kriminalabteilung der Gendarmerie eingeschaltet.

Die verrechneten Telefonate zu einer Sex-Hotline mit der Vorwahl 0930 scheinen als "Verbindungen in der Freizeit" auf der Rechnung auf. Franz Kolb ist einer der Betroffenen - er soll 113 Euro für 31 Minuten bezahlen. Er kann sich nicht vorstellen, dass auf einmal so viele Haushalte im Ortsteil Reith Rechnungen von mehr als 100 Euro für eine Sex-Hotline bekommen. Immerhin seien auch ältere Witwen darunter. In dem Teil Unkens sind fast alle 37 Haushalte mit Festnetzanschlüssen betroffen. Nur Kunden, die über einen ISDN-Anschluss verfügen, wurden verschont.

Nichts Genaues

Wolfgang Holzer, Sprecher der Telekom, sagte, dass Sachverständige derzeit überprüfen, wie die Rechnungen entstanden seien. Im Augenblick könne man aber noch nichts Genaues sagen. Die Telekom sei selbst erst von der Kriminalabteilung der Gendarmerie informiert worden.

Franz Kolb hat alle Einsprüche gesammelt und nach Wien weitergeleitet. Er geht davon aus, dass der Fehler nicht bei der Telekom liegt. Vielleicht habe sich ein Sex-Hotlinebetreiber in ein Wählamt eingeschlichen, oder gar ein Mitarbeiter der Verrechnungsstelle gemeinsame Sache mit einem Hotline-Betreiber gemacht, vermutet er. Die meisten Betroffenen haben die Vorschreibungen nicht bezahlt. Laut ORF sollen angeblich ähnliche Rechnungen auch in Hinterthal (Gemeinde St. Martin bei Lofer) und Maria Alm aufgetaucht sein. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2002)

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