Kärntner Bombenbastler wird psychiatriert

2. September 2002, 13:53
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Polizei schließt "politischen Hintergrund" vorläufig aus - Laut "Kleiner Zeitung" der Sohn des Kärntner Landesschulratspräsidenten

Klagenfurt - Die Ermittlungen gegen jenen 22-jährigen Kärntner, der am Wochenende von der Klagenfurter Polizei als Bombenbauer festgenommen wurde, laufen in drei Richtungen. "Wir wollen herausfinden, woher die Teile stammen und ob der Verdächtige allfällige Kontakte zur Suchtgift- und zur Neonaziszene hatte", sagte der Pressesprecher des Landesgerichtes Klagenfurt, Manfred Herrnhofer, am Montag.

Untersuchungsrichter Christian Karl hat inzwischen ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Zum Sachverständigen wurde der Vorarlberger Primarius Reinhard Haller bestellt, der mit dem steirischen Bombenbauer Franz Fuchs bereits "einschlägige Erfahrung" hat. Der junge Kärntner, der aus guten Haus stammt, gilt als "wohlstandsverwahrlost".

Ein politischer Hintergrund wird nach derzeitigem Stand der Ermittlungen ausgeschlossen. Aber die 15 Zentimeter lange, mit Nägeln gefüllt Rohrbombe könne "recht große Splitterwirkung" erzielen, sagen die Experten des Innenministeriums. Derzeit wisse man allerdings nicht genau über die chemische Zusammensetzung und die Herkunft einzelner Teile Bescheid.

Aus prominenter Politikerfamilie stammend

Bei jenem jungen Mann, der am Wochenende in Klagenfurt als mutmaßlicher Bombenbastler verhaftet worden ist, handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Sohn des Amtsführenden Präsidenten des Landesschulrates für Kärnten, Heiner Zechmann. "Nach meinem Wissenstand zu Folge ist es ein Sohn aus meiner ersten Ehe", wird Zechmann in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Die Ehe sei geschieden worden, als der Sohn vier Jahre alt war.

In den vergangenen Jahren habe es kaum noch Kontakt gegeben. "Aber er war immer ein Problemkind", sagte Zechmann über seinen Sohn. Politische Hintergründe halte er für ausgeschlossen. Mit den Bomben wollte sich dieser "wahrscheinlich nur wichtig machen und vor seinen Freunden prahlen". Der Präsident kündigte an, seinem Sohn auf jeden Fall Unterstützung zukommen zu lassen.

Einen Grund für einen Rücktritt sieht Zechmann nicht. "Ich sehe keinen Grund, wegen etwas zurückzutreten, für das ich nicht verantwortlich bin. Aber es wird sich weisen, ob die Leute versuchen, Kapital daraus zu schlagen; das muss ich abwarten", wird er in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Zechmann ist seit 21. März 2001 Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Kärnten. Zuvor hatte er am Perau-Gymnasium in Villach Chemie, Physik und Darstellende Geometrie unterrichtet. Er ist laut eigenen Angaben ein Enkel des FPÖ-Mitbegründers Heinrich Zechmann und hat "ein Nahverhältnis zu den Freiheitlichen". (APA)

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