Rufe aus Tuvalu: Niemand hört uns zu

2. September 2002, 19:56
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Vizeminister greift USA als Groß-Emittent von Treibhausgasen an - mit Grafik

Johannesburg - Der wegen des steigenden Meeresspiegels vom Untergang bedrohte Inselstaat Tuvalu hat dem Weltgipfel in Johannesburg vorgeworfen, seine Hilferufe zu ignorieren. "Niemand hört uns zu", beklagte der Delegationssprecher und Vizeumweltminister der Pazifikinsel, Paani Laupepa. "Das macht uns wütend und hilflos." Für die Bewohner Tuvalus sei der Klimawandel schon jetzt deutlich spürbar. Der höchste Punkt der Insel liege nur noch zwischen vier und fünf Meter über dem Meeresspiegel.

Im schlimmsten Falle müssten alle 11.000 Bewohner Tuvalus umgesiedelt werden, sagte Laupepa. "Allerdings ist die große Frage, wohin wir dann gehen sollen." Neben dem steigenden Meeresspiegel würden zunehmende Wetterextreme wie Stürme immer mehr zur Bedrohung. Schon jetzt werde Ackerland überflutet und die Ernte vom Salzwasser zerstört. "Deshalb wollten wir hier vor der Welt darüber sprechen."

USA als Groß-Emittent von Treibhausgasen angeprangert

Den Industriestaaten sei der eigene Luxus aber wichtiger als die Probleme bedrohter Menschen, kritisierte der Delegationssprecher. Er hoffe, dass durch die Flutkatastrophen in Europa und Asien das Thema Klimaschutz dort mehr Beachtung finde - "und vielleicht auch die Probleme Tuvalus", sagte Laupepa. "Das Traurige ist, dass diejenigen, die in erster Linie unter dem Klimawandel leiden, ihn in keiner Weise verursacht haben."

Besonders scharf griff der Vizeminister die USA als größten Emittenten von Treibhausgasen an. "Wir haben das Gefühl, sie halten sich die Ohren zu." Die US-Regierung messe den Worten der Öl-Lobby mehr Bedeutung bei als denen der vom Klimawandel bedrohter Länder. Seine Regierung erwäge ernsthaft, vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag alle Staaten zu verklagen, die das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz nicht ratifizierten, sagte Laupepa.

Dazu zählen derzeit unter anderem die USA und Australien. Der 26 Quadratkilometer große Inselstaat hatte weltweit Schlagzeilen durch die Vermarktung des von ihm als Länderkürzel gehaltenen Internet-Namens TV gemacht. Das so eingenommene Geld ermöglichte Tuvalu vor zwei Jahren die Zahlung der Beiträge für die Aufnahme in die Vereinten Nationen. (APA)

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