Barbaro auf drei Etagen

4. September 2006, 14:13
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Drei Restaurants hatte Luigi Barbaro bisher schon. Jetzt eröffnete er gleich vier neue auf einen Sitz unter einem Dach. Und zwar dort, wo sich mehrstöckige Lokal-Konzepte in letzter Zeit ein bisschen häufen

Ganz früher, als es rund um den Donnerbrunnen gastronomisch gerade mal die "Reiss", das Stadthaus der Kurkonditorei Oberlaa, das "Café Europe" und das "Al Caminetto" gab, war da einmal ein italienischer Mode-Supermarkt drin. Dann versuchte die amerikanische Steak- und Bar-Kette "T.G.I.Friday's" hier ihr Glück, fand es aber nicht, und seit Montag zieht der quirlige Neapolitaner Luigi Barbaro sein bisher größtes Gastronomie-Projekt durch: Ein Keller mit einer coolen Weinbar in Hellholz, ein farbenfrohes Bistro mit eigenwilligem Querschnitt-Design (Architekt Manfred Wehdorn) im Erdgeschoß, im ersten Stock schließlich eine weitläufige "Italian Bar" samt DJ-Pult und angeschlossenem Extra-Zimmer, wo etwa dreißig Leute am Rande des Bar-Geschehens das Spezial-Menü verzehren können.

Nicht gerade klein dimensioniert also, und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass vor einem Monat schräg gegenüber das "Culinarium Österreich Haus" ja auch mit einer Vinothek, einem Delikatessenladen, einer Bar und einem großräumig angelegten Restaurant aufmachte; nicht zu vergessen das Ambassador von Toni Mörwald, das da seit eineinhalb Jahren eine prachtvolle Bar sowie ein Restaurant, das von Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wurde, bietet. Man kann somit von einer einigermaßen großen Restaurant-Dichte am Neuen Markt sprechen.

Was Luigi Barbaro in seiner Zuversicht aber keineswegs zu irritieren scheint, er mache italienische Küche, sagt er, und die sei bei den Leuten nun mal sehr beliebt. Wobei so einfach italienisch ist das natürlich auch nicht, denn in der Schau-Küche steht immerhin Harald Riedl, und von dem weiß man seit seinen (jedes Mal eher kurzen) Auftritten im "Guess Club" und "Schwarzen Kameel", dass er ja nicht gerade zu den wenig Ehrgeizigen gehört.

Also den Spagat, beziehungsweise drei Speisekarten: In der Cantina Bruschette mit feinem Belag, marinierter Pulpo und edel umwickelte Grissini, im Bistro die eher subtilere Pasta in der zehn Euro-Kategorie, Tagesgerichte und elf Pizzen (EURO 7,20 - 11,50). Fein aufgekocht wird dann aber in dem Extrazimmer, eine hervorragend gefüllte Sepia mit Tomaten-Melanzani-Creme kommt da zum Beispiel als Gruß aus der Küche, die Tarte vom Bacalao mit Muscheln und Lauchvinaigrette war zumindest interessant (EURO 16,50), der Salat von den jungen Artischocken mit Kaninchenrücken hervorragend (EURO 15,60). Sehr fein und intensiv auch die Agnolotti mit Pilz-Fülle, Eierschwammerln und Gruyère-Schaum (EURO 12), erfreulich auch das kross gebratene Zander-Filet mit Fenchel und Tomatenravioli (EURO 18). Beim Milchkalbsrücken störte eigentlich nur die nicht gerade gebräuchliche Bezeichnung "Aiguilettes", wobei das Rätselraten überhaupt Konzept der Speisekarte zu sein scheint. Bei den Preisen kommt man freilich ein wenig in Atemnot - sie entsprechen dem Fabio-Novelli-Level -, aber vielleicht gewöhnen wir uns ja irgendwann daran. (derStandard/rondo/Florian Holzer/30/08/02)

Barbaro
Neuer Markt 8
1010 Wien
Tel: 01/955 25 25,

tägl. 11.30-14
18-24 Uhr
Cantina und Bistro durchgehend

barbaro.at
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