Forschungsreform-Pläne machen Zeilinger Angst

24. August 2002, 14:28
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Physiker fordert österreichisches Flaggschiff für Spitzenforschung

Alpbach - Die Pläne von Infrastrukturminister Mathias Reichhold (F) zur Neuorganisation der Forschungsförderungslandschaft in seinem Ressortbereich machen dem österreichischen Spitzenphysiker Anton Zeilinger Angst. "Wenn ich höre, dass alles zusammengefasst werden soll, bekomme ich Angst", sagte der Vorstand des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wien Freitag Abend bei den Alpbacher Technologiegesprächen.

Speziell in Sorge ist Zeilinger um den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), für den es ein Segen sei, dass derzeit niemand von Außen Einfluss nehmen könne. Der Fonds fördert primär die Grundlagenforschung an den Universitäten und soll nach den bisher bekannt gewordenen Plänen - gemeinsam anderen Forschungsförderungseinrichtungen - in einer "Gesellschaft des Bundes für Innovation" zusammengefasst werden. Ein entsprechender Gesetzesentwurf, von Reichhold als "mutiger Vorschlag" bezeichnet, ist derzeit in Vorbereitung und soll noch in diesem Jahr beschlossen werden.

Zeilinger fordert Flaggschifforganisation

Zeilinger forderte bei der Diskussionsveranstaltung zum Thema "Zukunft der Technologie - Zukunft der Gesellschaft" für Österreich eine "Flaggschifforganisation, eine Spitzenforschungeinrichtung". Diese könne als Graduiertenuniversität oder als Institute for Advanced Studies organisiert sein und sollte für alle Richtungen offen sein, nicht nur für die Naturwissenschaften.

Weil man die Zukunft nicht vorhersagen könne, habe man nur die Chance, offen für sie zu sein und die jungen Leute bestmöglich auszubilden. Seitens der Politik würde immer wieder die Forderung gestellt, Österreich solle doch wieder einen Nobelpreisträger hervorbringen. Was fehle, seien aber die politischen Konsequenzen aus dieser Forderung. Wichtig bei der von ihm vorgeschlagenen Spitzenforschungseinrichtung sei, dass sie nicht zielorientiert sein dürfe, "aber knallhart leistungsorientiert". Auch die Inhalte dürften von niemanden vorgegeben werden, außer durch die Wissenschaft selbst.

Mit einer solchen Einrichtung würde auch das Bild der Wissenschaft in der Öffentlichkeit verbessert. Und es würde positive Leitbilder vor allem für junge Menschen geben - eine Möglichkeit für den Physiker, die drohende Forscher-Lücke zu füllen. Geld genug gebe es dafür, das ansprechbar wäre, ist Zeilinger überzeugt. "Warum soll man so immer nur Fußballstadien oder Fußballmannschaften finanzieren."(APA)

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