Der Spitzenkandidat

14. Oktober 2002, 17:35
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Rudolf Fußi, Initiator des erfolgreichen Volksbegehrens gegen die Eurofighter als Kopf des Tages

Eine fast kindliche "Mama, ich bin im Fernsehen"-Freude erfasst den 24 Jahre alten Immobilienmakler, wenn er - umringt von Kameras und Mikrofonen - wortreich von seinem Kampf gegen das Unrecht dieser Welt schwärmt.

Hört man Rudolf Fußi, dem erfolgreichen Initiatior des Anti-Abfangjäger-Volksbegehrens, aufmerksam zu, so hat es den Anschein, das Böse sei immer und überall. In der ÖVP mit dem "Möchtegernkanzler" sowieso, in der SPÖ mit ihrem "schlechtesten aller Parteivorsitzenden" auch, bei den Freiheitlichen detto. Und mit den Grünen verbinde ihn gesellschaftspolitisch so ziemlich überhaupt nichts.

Und alle haben sich, so vermittelt er den Eindruck, irgendwie gegen ihn verschworen. Aber er nehme den Kampf mutig auf. Wenn es sein müsse, alleine. So wie jetzt beim Volksbegehren, wo er als einsamer Kämpfer 625.000 Unterschriften aufgetrieben habe.

Rudolf Fußi ist schwer zu fassen. Er irrlichtert irgendwie durch die Parteienlandschaft. Für sein kurzes Leben in der Politik ist er, wie ÖVP-Klubchef Andreas Khol bemerkt, "schon viel herumgekommen". Seinen ersten politischen Schub erfuhr der Steirer im Elternhaus bei Zeltweg, wo die Draken übers Dach donnerten. Seinen Vater, ein Versicherungsvertreter, erlebte Rudolf fürderhin als Drakenbekämpfer. Fußi Junior engagierte sich später bei der ÖVP, zuerst bei der Schülerunion, als Mitglied des MKV und später bei der Jungen ÖVP. Er blieb nicht lange. "Wegen Schüssel", sagt er. Mit Wolfgang Schüssel sei ihm die Volkspartei zu konservativ geworden. "Wir Liberalen wurden rausgedrängt." Fußi wechselte - nach einem Gastspiel beim Bundesheer, das mit einem dubiosen Schießunfall endete - zur weithin unbekannten Minipartei "Die Demokraten", die sich 1999 für die Nationalratswahlen mit Baumeister Richard Lugners Liste verbandelte. Aber auch diese Verbindung hielt nicht lange. Wie jene zur Universität. Sein Wirtschaftsstudium hat er nicht beendet. Fußi: "Ich bin ja nicht titelgeil."

Auch wenn der junge Steirer mit seinem mausgrauen Anzug ungestüm in der politischen Szene herumstolpert, wird ihm ein gewisses politisches Talent - mit Spezialgebiet Populismus, FPÖ-ähnliche Rhetorik und Selbstdarstellung - nicht abgesprochen.

Aber er sei auch "sensibel", wendet der noch ledige Fußi ein. Seine musische Neigung lebe er im Karaoke-Singen aus. Ansonsten sei in der Freizeit nur "Füße hochlagern" angesagt.

Und dann träumt der Sinatra-Fan von der großen Karriere im Nationalrat. Dass er dort hineinkommen will, sei "politische Notwendigkeit". Die Zeit sei reif für eine "liberale Protestpartei". Was diese denn anbiete? Da kommt Fußi ins Stocken: "Die Inhalte kommen noch - später." (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2002)

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