Motivationstraining à la Jörg Haider

13. August 2003, 20:41
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Schmollen, drohen und das loyale Publikum beschimpfen: Das machte die FPÖ groß

"Wenn notwendig", werde es von seiner Seite auch in Zukunft "unmissverständliche Klarstellungen" geben, "wohin die FPÖ zu gehen hat": Mit dieser Aussage hat Jörg Haider am Donnerstag gezeigt, dass sich seine Position in 20 Jahren nicht geändert hat.

Schon unter der Obmannschaft Norbert Stegers hatte sich Haider immer wieder eingemischt - und zwar immer unter Berufung auf den Wählerwillen. 1983 führte er sogar seinen persönlichen Wahlkampf mit dem Hinweis: "Der traut sich was!" Beim Innsbrucker Parteitag 1986 hatte Haider genügend Anhänger, um die Obmannschaft zu verlangen. Wenige Wochen davor, als Haider das Bärental übernommen hatte, gab es einen taktischen Rückzieher. Erst dann war er voll da.

Der Rückzug - oder die Drohung damit - war stets ein Instrument, mit dem Haider seine Getreuen zur Räson bringen konnte. Die Taktik bekamen oft seine getreuesten Gefolgsleute zu spüren - etwa Norbert Gugerbauer: Der Spitzenkandidat 1990 wurde wiederholt (Stichwort: "Neue Stallorder") zurückgepfiffen.

1991 manövrierte sich Haider mit dem "Ordentliche Beschäftigungspolitik"-Sager ins Aus - mit der Drohung, nie wieder Wahlkampflokomotive zu spielen, erzwang er sich seinen Platz an der bundespolitischen Sonne. Gugerbauer wurde als Klubchef zurückgedrängt und musste schließlich im Frühjahr (während des Präsidentschaftswahlkampfes) von einem Tag auf den anderen den Hut nehmen.

Öffentlich machte Haider seine Drohungen durch Beschimpfungen loyaler - aber nach seiner Einschätzung zu kompromissbereiter - Funktionäre bei Parteitagen und beim Neujahrstreffen 1998 nach dem gescheiterten Schilling-Volksbegehren. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.8.2002)

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