Die "Feuerrede" des FP-Volksanwalts

    10. Juli 2002, 16:40
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    Sonnwendfeier Seebarn, 21. Juni 2002

    "Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Gäste, liebe Freunde!

    Es fällt schwer, nach diesem bewegenden Lied (Anm.: Zuvor sangen die Teilnehmer das Lied "Ich hatt einen Kameraden"), mit dem der toten Kameraden der beiden Weltkriege, aber darüber hinaus, der Opfer der beiden Kriege gedacht wird, den Übergang zur Feuerrede zu finden.

    Das Feuer, das Kelten und Germanen zur sommerlichen Sonnenwende entzündet haben, galt zunächst der Fruchtbarkeit, und dem Dank für reiche Ernte.

    Reiche Ernte hat auch der Tod im vergangenen Jahrhundert unter unserem Volk gehalten.

    Und es war nicht immer eine Befreiung, wie es uns die gnadenlosen Gutmenschen und Tugendterroristen, die heute Wehrmachtsveranstaltungen und Wehrmachtsausstellungen gestalten, einreden wollen, die unser Volk im vergangenen Jahrhundert erfahren hat.

    1918 sind wir angeblich von der Tyrannei der Monarchie befreit worden

    1934 wurden wir angeblich vom Chaos der Demokratie befreit

    1938 wurden wir angeblich vom Kleriko-Faschismus befreit.

    und 1945 - und das ist zur Staatsideologie geworden - sind wir angeblich vom Faschismus und von der Tyrannei befreit worden, und in die nächste Tyrannei geraten, insbesondere hier auf diesem Boden, auf dem wir uns heute befinden.

    Und letztlich 1994 sind wir von der Selbstständigkeit befreit worden, als unser Land entschieden hat in die Europäische Union mit 1.1.1995 einzutreten.

    Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Gäste dieser Sonnwendfeier, der Paradigmenwechsel den Österreich während der vergangenen hundert Jahre durchgemacht hat, den wollen wir unseren Kindern und Enkeln ersparen.

    Wir Freiheitlichen arbeiten daran, dass dieses Europa nicht ein Europa ist, dass sich unter die Fehler der Vergangenheit reiht, dass aber nicht vergisst, dass es im vergangenen Jahrhundert nicht nur Verbrechen auf der einen Seite, sondern auch Verbrechen auf anderer Seite gegeben hat

    Wenn ich das sage, dann meine ich konkret unsere nördlichen Nachbarn. Ich hoffe das unser heutiges Feuer in Seebarn weit nach Böhmen hineinleuchtet, und jenen die am vergangenen Sonntag - vergangene Woche - die Wahlen gewonnen haben in Erinnerung ruft, dass auch sie ihre Geschichte aufzuarbeiten haben, und sie ihrer Geschichte, den Morden der letzten und der- sogar - der Tage nach Kriegsende zu stellen haben., wie sie im Jahre 1945 240.000 Menschen das Leben gekostet haben und mehr als 3 Millionen unserer Landsleute vertrieben wurden.

    Tschechien kann nicht in die Europäische Union beitreten, solange es nicht auch, so wie wir es tun mussten, sich der eigenen Geschichte stellt und Genugtuung für die Fehler der Geschichte leistet. Tschechien kann sich nicht einbilden, in eine Wertegemeinschaft einzutreten, ohne Wiedergutmachung und ohne Entschuldigung an den Opfern der Vertreibung des Jahres 1945 unserer Landsleute zu leisten.

    Das, liebe Kameradinnen und Kameraden, haben wir der EU und das haben wir den Tschechen klar und deutlich zu sagen. Und hätten wir es nicht klar und deutlich in den vergangenen Jahren gesagt, man wäre nobel darüber hinweg gestiegen. Der Paradigmenwechsel, der in den letzten Jahrzehnten sich ereignet hat, hat auch dazu geführt, dass man die Werte, die unseren Vorvätern, unseren Großvätern und allen vergangenen Generationen davor noch gut, heilig und teuer waren, heute mit Füßen tritt.

    Es muss an uns liegen wieder die Werte, die unserem Volk das Überleben und die kulturellen Höchstleistungen über tausend Jahre gesichert haben, auch für die Zukunft zu sichern.

    Ich war daher stolz, als mich die Barbara (Anm.: Barbara Rosenkranz, Niederösterreichische FP-Abgeordnete und Frau des Ex-NDP-Aktivisten Horst Jakob Rosenkranz) gefragt hat, für euch heute die Feuerrede halten zu dürfen.

    Ich tue das auch in einer familiären Solidarität, weil ich es zwar nur auf fünf Kinder gebracht habe, weil unser fünftes in vier Wochen von uns erwartet wird, und nicht auf zehn Kinder wie die Familie Rosenkranz.

    Ich tue das aber im Wissen, wie notwendig es ist, dass wir unseren Volkserhalt durch gesunde, starke und kinderreiche Familien selbst organisieren und nicht durch Zuwanderungsexperimente, es anderen Völkern überlassen, unser Volk zu erhalten, dass wird nicht funktionieren, liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Festgäste.

    Niemand wird sich in wenigen Jahrzehnten dafür bedanken, dass sie uns die geriatrischen Kliniken erhalten dürfen und uns die Pensionen finanzieren. Wir müssen dafür sorgen, dass die kulturellen Traditionen und die Werte unserer Vorväter auch in die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte erhalten werden.

    Ich sage das auch vor dem Hintergrund, der Weltpolizei der Amerikaner, die glaubt, nach dem 11. September des vergangenen Jahres, nach den schrecklichen Ereignissen von New York und von Washington, als ein Teil des Pentagons und zwei große Bürotürme in New York zusammenkrachten, nach einem Terroranschlag, dass sie jetzt einen Freibrief hätten, auf der Welt einteilen zu können, wer gut und wer böse ist. Wer zurückgebombt wird ins Mittelalter und wer es verdient hat, zu Verbündeten der Amerikaner zu gehören. Ich fröhne dabei nicht einem leichtfertigen Antiamerikanismus, aber es fällt schwer zur Zeit, Freund der Amerikaner zu sein. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass ein Präsident einer republikanischen Partei in Amerika festlegt, wer auf dieser Welt auf die Liste jener Länder und Völker gerät, die rücksichtslos niedergebombt werden dürfen.

    Wir Österreicher sollten uns daran nicht beteiligen. Ich habe das meinem Freund Herbert Scheibner, dem Verteidigungsminister gesagt, und hoffe das unsere Soldaten bald aus Afghanistan wohlbehalten zurückkehren.

    Wir Österreicher haben eine gute Tradition, nicht nur in der Neutralität, sondern auch in der Differenzierung zu sehen, wer tatsächlich Böses zu verantworten hat, und wer die Ursache von bösen Taten und bösen politischen Entwicklungen ist. Und die Nahost-Politik ist nicht so einfach zu regeln, dass man glaubt, dass jene, die sich mit Terroranschlägen wehren, die Bösen und die Anderen die Guten sind, die derzeit eine neue Mauer errichten.

    Israel und die Amerikaner müssen sich im Klaren sein, dass sie mehr tun müssen für den Weltfrieden, als eine Mauer zu bauen und Europa in die Zahlungsziehung nehmen. Amerika muss mehr tun als Europa in diesen Konflikt hineinzuzwingen, liebe Freunde und liebe Kameradinnen und Kameraden.

    Wir Österreicher sollten daher unsere eigenständige Rolle spielen, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten schon gespielt haben. Wir sollten zurückkehren zu einer patriotischen Haltung, die zunächst einmal unsere eigenen Interessen goutiert und uns wappnet, kulturell gefeit zu sein, eine Herausforderung auch anzunehmen. und dazu ist dieser überbordende Liberalismus, den man uns in den letzten Jahrzehnten verordert hat, nicht geeignet.

    Wir haben alles niedergetrampelt an Werten, was unseren Vorvätern heilig war. Unser Volk, unsere Familien ja selbst unsere Religion wurde in den vergangenen Jahrzehnten niedergetrampelt und es wurde alles was gut und wert und teuer war, wertlos gemacht.

    Dieser Weg, dieser Weg kann nur in eine Sackgasse münden. Wir müssen zurückfinden zu einer Politik, dass wir unseren Kindern und unseren Enkeln wieder Werte vermitteln und klarlegen, weshalb der Mensch auf der Welt ist, und das er nur Teil einer großen Kette, einer Gliederkette von mehreren Generationen ist. Dass wir nicht das Recht haben, in einer Generation, alles aufzuhausen, alle Ressourcen aufzubrauchen und dann unseren Nachkommen einen Scherbenhaufen zu hinterlassen.

    Daran mahnt uns das Sonnwendfeuer der Kelten und der Germanen. Sie wussten, das sie nur Teil einer großen Gliederkette von Generationen, von Vorfahren und Nachkommen sind, dass sie nur Gast auf Erden sind, und dass sie diese Erde und diese Welt weiteren Generationen wohlbehalten hinterlassen müssen.

    Und in diesem Sinne appelliere ich an uns alle, uns klar zu sein, dass auch Österreich und unser Vaterland und unser Volk eine Gesamtverantwortung hat, die nur darin begründet sein kann, dass wir an die nachkommenden Generationen denken, und daran denken, dass die Werte unserer Vorväter erhalten bleiben mögen.

    Daher ist es keine simple Traditionspflege, wenn wir zur Sommersonnenwende Feuer abbrennen, es ist auch keine billige Form der Unterhaltung, die hätten wir im Musikantenstadel oder in den seichten Programmen des ORF viel günstiger zu erhalten.

    Nein, es ist eine Manifestation klarzulegen, dass wir gewillt sind, für diese Werte einzutreten, für einen Wert der Wehrbereitschaft, für einen Wert des Familienerhalts, für einen Wert des Kulturerhalts und letztlich auch für die Werte des Volkserhaltes.

    Daran wollen wir denken, wenn wir heute in die Flammen blicken und zuschauen wie diese Flammen die letzten Reste des Holzes im Sonnwendfeuer verbrennen." (Originalrede Ewald Stadler, Seebarn, 21. Juni 2002)

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