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Brisbane - Die Moreton Bay nahe Brisbane im Osten Australiens war in der Vergangenheit Ort eines ungewöhnlichen Phänomens. Dort lebten in den späten 90er Jahren zwei Delfinschulen - und zwar "Schulen" im doppelten Sinn: Nicht nur als Bezeichnung für eine Gruppe von Walen, sondern auch im Sinne einer unterschiedlichen Kultur.
Die Bucht ist die Heimat einer Population von Indopazifischen Großen Tümmlern (Tursiops aduncus) - die zerfiel jedoch, wie Forscher 1997 feststellten, in zwei klar voneinander abgegrenzte Gruppen mit jeweils unterschiedlichen Traditionen. Die eine Gruppe hatte sich auf den Beifang von Fischerbooten als Nahrungsquelle spezialisiert, die andere Gruppe pflegte ein vom Menschen unabhängiges Jagdverhalten. Und obwohl beide Gruppen denselben Lebensraum teilten, fanden zwischen ihnen so gut wie gar keine Kontakte statt.
Das hat sich mittlerweile radikal geändert, wie eine Untersuchung aus dem Zeitraum 2008 - 2010 ergab. In der Zwischenzeit wurden nämlich einige Fischfangverbote in bestimmten Regionen erlassen - mit dem Ergebnis, dass die Fangquote deutlich zurückgegangen ist. Und der Beifang sich soweit reduziert hat, dass dem Lebensstil von Gruppe A die Grundlage entzogen wurde.
Und das hatte Auswirkungen auf die ehemalige Kultur-Kluft: Wie die Forscher anhand der individuellen Rückenflossen der Tiere feststellen konnten, gibt es nun wieder eine große Zahl von Interaktionen zwischen den Mitgliedern beider Gruppen. Studienerstautorin Ina Ansmann von der Universität Queensland wies gegenüber der BBC auf Informationsaustausch und delfintypisches kooperatives Jagdverhalten hin. Sie sieht das veränderte Verhalten in der Moreton Bay als Beispiel dafür, wie die soziale Struktur der intelligenten Tiere flexibel auf Störungen bzw. Veränderungen reagieren und sich anpassen kann.
Ähnliche Ergebnisse brachten Untersuchungen auf der anderen Seite des Kontinents, in der Shark's Bay. Bei der Langzeitbeoabchtung von Großen Tümmlern stellte ein Forscherteam der Georgetown University in Washington fest, dass einige Tiere ihre Nasen beim Jagen mit übergestülpten Seeschwämmen vor scharfen Riffen schützen. Aber nur eine kleine, "besonders eifrige" Minderheit - etwa fünf Prozent der rund 3.000 beobachteten Delfine und vor allem Weibchen - nutzt diese Technik, sagte die Erstautorin der Studie, Janet Mann.
Schon bald bildeten diese Tiere jedoch eigene Gruppen. Wie Menschen bevorzugen Delfine offenbar den Kontakt mit solchen Artgenossen, die das gleiche Verhalten an den Tag legen wie sie, schließt Mann aus ihren Beobachtungen. Wie beim Menschen könne das Sozialverhalten - in diesem Fall Werkzeuggebrauch - ausschlaggebend für die Bildung von Gruppen sein. (red, derStandard.at, 5.8. 2012)
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