Deutsche Bank steckt tief im Liborsumpf

Mindestens ein Händler der Bank war tief in die Zinsmanipulationen bei den internationalen Großbanken verwickelt

London - Mindestens ein Händler der Deutschen Bank war einem Pressebericht zufolge tief in die Zinsmanipulationen bei den Großbanken verwickelt. Er soll zu einem Zirkel von Mitarbeitern verschiedener Institute gehört haben, die sich bereits vor der Finanzkrise absprachen, um den europäischen Referenzzins Euribor in ihrem Sinne zu beeinflussen, berichtet die "Financial Times" (Donnerstag). Das Netzwerk sei von einem Händler der britischen Großbank Barclays geknüpft worden. Neben dem Mitarbeiter der Deutschen Bank gehörten der Zeitung zufolge auch Banker der französischen Institute Credit Agricole und Societe Generale sowie der britischen HSBC dazu.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte auf Anfrage, dass der Händler bereits im vergangenen Jahr ebenso wie ein weiterer Kollege suspendiert worden sei und das Institut inzwischen verlassen habe. Die Deutsche Bank kooperiere mit den Behörden. Die verdächtigten Händler sollen sich laut "FT" in den Jahren 2006 bis 2007 in mindestens 58 Fällen bei Euribor-Zinssätzen abgesprochen haben, um dadurch von eigenen Termingeschäften zu profitieren. Die Schilderungen in der Zeitung deuten dabei eher auf individuelles Fehlverhalten der Mitarbeiter hin.

Weltweite Ermittlungen

Dagegen wurde die seit Juni laufende Diskussion über die Manipulationen des in London ermittelten Zinssatzes Libor dadurch befeuert, dass Barclays während der Finanzkrise offenbar von höchster Stelle anordnete, geschönte Angaben bei der Libor-Stelle zu machen. Dies soll mögliche eigene Probleme bei der Refinanzierung kaschiert haben. Ende Juni hatte die Bank deshalb eine Strafe von 290 Mio. Pfund (370 Mio. Euro) akzeptiert. In der Folge trat Vorstandschef Bob Diamond zurück.

Weltweit laufen seit rund zwei Jahren Ermittlungen gegen die Großbanken wegen Manipulationsversuchen bei den Zinssätzen. Angesichts der bekanntgewordenen Fälle fordert der britische Notenbank-Chef Mervyn King, Reformen bei der Ermittlung der Referenzzinssätze. Er lud dazu laut "Financial Times" und "Wall Street Journal" Zentralbanker aus aller Welt für den 9. September zu Beratungen in der Schweiz ein. Bisher werden Libor und Euribor dadurch ermittelt, dass die Großbanken die Zinssätze für Verleihgeschäfte untereinander in einer vertraulichen Umfrage melden. Daraus wird dann ein Durchschnittskurs gebildet, an dem sich alle möglichen Zinsen in der Realwirtschaft orientieren. (APA, 19.7.2012)

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