"Kann meine Geschichte nicht verändern"

Marko Arnautovic sprach über seine neue Vaterrolle und anderes. Zum Beispiel die erste in Wien erlernte Fremdsprache: Türkisch

Wien - Marko Arnautovic fährt Porsche. Seitdem der 23-jährige ÖFB-Legionär bei einer Polizeikontrolle im Juni zu einem Polizisten gesagt haben soll "Ich kann dein Leben kaufen", weiß das die ganze Welt. Über den Fußballer Arnautovic erfährt man in den Medien oft weniger, als über das angebliche Sorgenkind. So ganz versteht er selbst noch nicht, wie er vom hochgelobten Wunderknaben zum berüchtigten Enfant terrible werden konnte. "Haben die nichts anderes, über das sie sich unterhalten können?", fragt Arnautovic im Interview mit dem österreichischen Monatsmagazin "Datum". Und: "Muss man immer über den Menschen reden?"

Auch das Magazin sprach mit dem Werder-Spieler über den Menschen Arnautovic. Zum Beispiel darüber, wie der Sohn einer Österreicherin und eines Serben in Floridsdorf aufwuchs, dort als Jugendlicher mit seinen Freunden um die Häuser zog. "Es waren 30 bis 40 Mann, die sich regelmäßig getroffen haben", sagt er. Oder: "In unserem Bezirk haben wir regiert." Vergessen hat er die Zeit nicht, doch "das Leben von damals ist irgendwie vorbei. Aber in mir steckt es auch noch irgendwo drin. Es ist ein Teil von mir", sagt er.

Erste Fremdsprache Türkisch

In den "Käfigen" der Haupstadt war Arnautovic als Kind zuhause. Er misst sich mit Türken, Serben, Arabern, kaum mit Österreichern. Als erste Fremdsprache lernt er in Wien also Türkisch: "Wenn man Türkisch konnte, wusste man, worüber geredet wird. Ich war jeden Tag mit Türken zusammen. Ich habe es gelernt, bevor ich in der Schule Englisch gelernt habe". Arnautovic das Sprachentalent - so kennt ihn kaum jemand. "Sprachen liegen mir. Ich lerne schnell, wenn ich sie brauche. Heute spreche ich Serbisch, Deutsch, Türkisch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch und Holländisch."

Dass er oftmals als arrogant bezeichnet wird, missfällt ihm. "Ich bin Profifussballer bei Werder Bremen. Ich kenne keinen, der in einer Zweizimmerwohnung auf 40 Quadratmetern wohnt". Arnautovic will nicht protzen, aber verstecken will er seinen Erfolg auch nicht. Dass in den Zeitungen steht, er sei abgehoben, hat er mittlerweile akzeptiert: "Irgendwann habe ich beschlossen: Ich bin, was ich bin. Ich kann meine Geschichte nicht verändern."

Heute steht Arnautovic wieder in den Schlagzeilen, und es ist wieder nicht der Fussballer sondern der Mensch - und wieder ist es eine neue Rolle: Arnautovic, der Vater. Emilia, heißt seine Tochter. "Eigentlich bin ich ein totaler Familienmensch", sagt er noch vor der Geburt. "Ich weiß, dass ich ein guter Vater sein werde. Ich will normal sein. Und mein Kind so aufziehen, wie ich auch aufgezogen wurde: schlicht." (red, derStandard.at, 17.7.2012)

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