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Für mich war es nicht überraschend, als verkündet wurde, dass der ehemalige Luftwaffengeneral Ahmed Schafik und Mohamed Morsi, Mitglied der Muslimbruderschaft, zu den Stichwahlen um die ägyptische Präsidentschaft am 16. und 17. Juni 2012 antreten werden. Ich konnte nur müde lächeln und habe mit den Schultern gezuckt. Ich hatte nichts anderes erwartet als das schlimmste Szenario.
Die Revolution in Ägypten wirkt zäh, fast schon so zäh wie ein altes Kaugummi, das bereits seit Monaten auf dem Asphalt klebt. Viele Ereignisse waren vorauszusehen. Kurz vor der Präsidentschaftswahl wurde ich von Freunden ausgelacht, als ich meine Befürchtung geäußert habe, dass das alte Regime einen Joker aus dem Ärmel schütteln wird.
Für viele Ägypter war es klar, dass der ehemalige Außenminister Amr Moussa der nächste Präsident vom Land am Nil würde. Ich hatte meine Zweifel, ob es so einfach werden würde. Es war abzusehen, dass Ahmed Schafik als Sahnehäubchen des alten Regimes und als böse Überraschung für die revolutionären Kräfte auf der politischen Bühne auftauchen würde. In Kombination mit Mohamed Morsi, einem Mitglied der konservativen "Freiheits- und Gerechtigkeitspartei" der Muslimbrüder.
Gewaltige Welle politischer Depression
Ich hatte damit gerechnet, dass nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl wieder einmal eine gewaltige Welle an politischer Depression durch das Land jagen würde. Schafik und Morsi - ihre Nominierung ist für viele Revolutionäre ein Anlass, um in eine mentale Schockstarre zu fallen.
Ich beobachte die Aufstände in Ägypten seit ihrem Beginn im Januar 2011. Ich habe auch schon davor in Kairo gelebt, nur einige Hundert Meter vom Tahrir-Platz entfernt. Ich spüre es, wenn die Stimmung kippt. Ich fühle, wenn der politische Aufbruch gegen eine Wand fährt. Ich sehe, wenn die Revolutionäre vor Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit weinen. Wenn sie sich vor Wut die Haare raufen, wenn sie das Gefühl plagt, nichts an den herrschenden Strukturen ändern zu können. Das alte Regime hat seinen Job mehr als meisterhaft erledigt.
Die Kandidaten enttäuschen die Revolutionäre
Ich unterstelle der politischen Elite, dass sie die politische Unerfahrenheit der Revolutionäre sofort erkannt hat und mit ihr gespielt hat. Dass dieses Spiel so perfekt gehandhabt wurde, dass die Ägypter bei der Stichwahl lediglich zwischen einem Luftwaffengeneral - einem Schergen von Hosni Mubarak - und dem konservativen Mohamed Morsi wählen können. Beide Kandidaten spiegeln weder die revolutionären Erwartungen wider, noch würden sie diejenigen repräsentieren, die am 25. Januar 2011 auf die Straße gegangen sind. Es wundert mich deshalb auch nicht, dass viele Ägypter, die von einem politischen Aufbruch in ihrem Land träumen, die kommende Stichwahl boykottieren wollen.
Eine Revolution lässt sich nicht innerhalb von wenigen Monaten gewinnen, eine Revolution braucht Zeit, sie hinterlässt Wunden und zahlreiche Tränen. Aber sie ist aufgrund der Tatsache, dass Schafik und Morsi in die Stichwahlen gekommen sind, noch lange nicht vorüber. Es geht jetzt um Durchhaltevermögen, es geht um Standhaftigkeit, es geht darum, dass viele Ägypter derzeit die bittere Erfahrung machen müssen, dass sich nichts ändern wird, wenn sie nicht selbst die Ärmel hochkrempeln und aktiv am politischen Geschehen teilnehmen.
Jeder noch so kleine Blutstropfen auf dem Tahrir-Platz sollte Grund genug sein, um sich für die Revolution, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Auch wenn es mit Hindernissen verbunden ist, die fast nicht zu durchbrechen sind. Die Hoffnung stirbt zuletzt. (Kristin Jankowski, derStandard.at, 16.6.2012)
Autorin
Kristin Jankowski, The European, lebt als Journalistin seit 2009 in Kairo.
doch sowieso nur komplett weltfremde Optimisten gedacht haben, dass bei diesem "arabischen Frühling" etwas herauskommen wird, dass wir im Westen als freiheitlich demokratisch organisierte Gesellschaften wiedererkennen würden.
Viel wahrscheinlicher ist doch, dass sich einfach andere Kleptokratien oder religiös-fundamentalistische Regime etablieren. Genau das spricht doch auch für ein aktives Eingreifen in Syrien. Wieso sollten wir Geld und Zeit investieren um einen Diktator mit dem wir uns arrangieren können für eine ungewisse Alternative zu entmachten ?
genau, was sie sagen ...
was da fuer viele aegypter klar war ...
noch mal: ich bin ungefaehr 1-2 wochen im jahr im arabischen raum unterwegs und ich war nie auch nur im geringsten zweifel, das genau das passiert. wie bloed muss man also sein, um das nicht zu erwarten?
und weil ich nicht glaube, dass ich der einzige mensch mit ueberresten von hirn auf dieser welt bin muss die berichterstattung ueber den arabischen fruehling nicht aus dummheit sondern bewusst, aus luege, genau dieser schmarrn gewesen sein.
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