Raus da: Die Vorteile eines griechischen Euro-Austritts

Gastkommentar | Wilhelm Hankel, 11. Juni 2012, 10:22

Nach 13 Jahren Gemeinschaftswährung steht die Politik vor den Trümmern des Projekts Euro. Dass für Griechenland jedoch eine Rettung aus eigener Kraft möglich ist, zeigt ein anderes Land

Ein freiwilliger Austritt aus dem Euro ist der richtige Schritt für Griechenland. Momentan werden unglaubwürdige Panikszenarien für diesen Fall entwickelt, er wäre jedoch in doppelter Hinsicht sinnvoll - sowohl für das Land als auch für den Euro.

Mit einer Rückkehr zur eigenen Währung würde Griechenland das gleiche Schicksal ereilen wie Hunderte Länder zuvor, die im Fall von Zahlungsschwierigkeiten die eigene Währung abgewertet haben. Vorgemacht hat es das Land nicht zuletzt selbst: Bereits in der Nachkriegszeit brachte Griechenland eine Abwertung der eigenen Währung hinter sich und inszenierte gleichzeitig ein Wirtschaftswunder - welches es nun leider mit dem Euro verwirtschaftet hat.

Rettung vor ausländischen Spardiktaten

Dennoch gibt es nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln, dass eine eigene Währung mit eigenem Wechselkurs weiterhin der sicherste Schutz für ein Land gegen Überschuldung ist und zudem die Rettung vor unsinnigen ausländischen Spardiktaten bedeutet.

Das Festhalten an Griechenland als Mitglied der Euro-Zone demonstriert, dass Politiker nur wenig von Ökonomie verstehen bzw. sich von den Vorteilen des Nichtaustrittes bestechen lassen. Mit dem Verbleib des Landes in der Gemeinschaftswährung würden die Schulden des Staates und der Banken sozialisiert - bzw. europäisiert. Damit würde sich Deutschland am Rechtsbruch beteiligen, denn nach aktuellem europäischen Recht ist eine solche Haftung noch immer ausgeschlossen.

Die fast unbezahlbaren Schulden würde dabei der deutsche Steuerzahler übernehmen - und dafür spricht nichts: Denn das Geld, welches zur Zahlung von griechischen Schulden aufgewendet werden müsste (als Ersatz für griechische Steuerzahlungen), würde hierzulande fehlen: bei Kita, Arbeitsplätzen, Ausbildungsplätzen, Infrastruktur und Kultur. Es wäre der Ruin der eigenen deutschen Finanz- und Stabilisierungspolitik, auch eine Schuldengrenze wäre damit unlogisch.

Der gesunde Menschenverstand sagt, dass man Spanien den gleichen Rat geben sollten: Ein Austritt aus der Euro-Zone bedeutet auch für dieses Land die Wiedererlangung eines wichtigen Mechanismus, um die eigenen Schulden in den Griff zu bekommen.

Der durch die Jahrhunderte immer wieder als verlässlich erwiesene Schutz vor Zahlungskrisen ist der Wechselkurs der Währung. Dieser zeigt klar an, wie es um die Exportfähigkeit eines Landes bestellt ist, und um die Leistungskraft. Noch kein Land ist an Aufwertungen zugrunde gegangen (Deutschland, Nachkriegszeit), ebenso wenig an Abwertungen. Die Korrektur des Wechselkurses ist der Schutz vor den Problemen, die wir heute haben.

Ruhe vor den Problemen

Ohne die Rückkehr zu den nationalen Währungen wird die EU nicht wieder aus ihrer Dauerkrise herauskommen. Je eher das die Politiker begreifen, desto eher haben sie Ruhe vor den heutigen Problemen.

Griechenland sollte freiwillig aus dem Euro austreten und den Wechselkurs zur neu einzuführenden Drachme im Inland auf 1:1 ansetzen - damit große Probleme und Schadensersatzprozesse ausbleiben. Die neue Drachme müsste anschließend um ihre bisherige Entwertungsrate, die laut OECD-Berichten bei 30 bis 40 Prozent liegt, abgewertet werden, damit auf dieser Basis Abkommen über Schuldenreduzierung mit den Auslandsgläubigern geführt werden können. Genau dieser Fall hat sich übrigens unbemerkt am Nordrand Europas ereignet: Die soeben skizzierten Schritte wurden von Island umgesetzt, ein Land, welches nun Wachstumsraten von zwei bis drei Prozent genießt. (Wilhelm Hankel, derStandard.at, 11.6.2012)

Autor

Wilhelm Hankel, The European, Euro-Kritiker, klagte bereits 1997 gemeinsam mit anderen Professoren erfolglos gegen den Vertrag von Amsterdam, der die Einführung des Euros beschloss.

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Lieber ein schreckliches Ende, als ein Schrecken ohne Ende

Dqnn lasst uns alle hoffen, dass die Griechen die linksradikalen wählen, nicht sparen wollen und endlich von der EU endgültig fallen gelassen werden!

Unfundiert

Der Kommentar deckt nur wenige Aspekte des Gesamtproblems ab.

Zweifellos richtig ist der Befund, dass sich Europas Politiker in der Wirtschaft, vor allem in der Psychologie der Wirtschaft, kaum auskennen.

Unberücksichtigt bleiben für den Fall eines EURO Austrittes Griechenlands folgende Fragen:

* Wer finanziert das Land dann?
* Wer zahlt die Energieimporte und die anderen Importe lebenswichtiger Güter?
* Wer finanziert den Import jener Teile, die in Exportgütern eingebaut sind?
--> Da es keinen Kredit geben wird, ist ein völliger Zusammenbruch der Wirtschaft zu erwarten, eine echte Verelendung mit Revolutionsgefahr.

Im Falle des Euro Austrittes sehe ich GR 2014 als Militärdiktatur.

Vieleicht brauchens die eh, um irgendwann draufzukommen, dass sie ihre Steuern zahlen hätten sollen

wenn die eigene Währung inkl. abwertungsmöglichkeit so supi ist - warum stehen GB und Ungarn dann nicht als prosperierender Leuchtturm inmitten der Euro-Wüste?

und wieviel vom Erfolg der "starken" (Ö-Staatsschulden gleich Spanien-Staatsschulden) Euroländer kommt von der "Schwäche" der anderen?
(Auch über Umwege: wieviele deutsche Maschinen hätte China gekauft, wenn Portugals Schneidereien durch Abwertungen konkurrenzfähiger geblieben wären ...)

Die momentanen Verhältnisse - im Guten wie im Schlechten - sind jedenfalls Resultat von 10(13)Jahren Euro

Mit der Logik, dem Mut und der Ausdauer gäbe es bis heute keine Vereinigten Staaten von Amerika!

(dabei denke ich zur Abwechlung einmal an ein Amerika mit Menschenrechtsbewegung, Abschaffung der Sklaverei, Bob Dylan, Jazz, Blues und Rock'n Roll, einer ungleich höheren Zivilcourage und Freundlichkeit im Alltag als in Ö und nicht zu vergessen die genialen Hosen)

Möglicherweise noch nicht zu Ende gedacht

Griechenland soll also gehen, gut.
Und Spanien gleich mit - wobei die bis vor 5 Jahren lediglich die halben Staatsschulden von Ö hatten und höhere Wachstumsraten. - Gut.

Was aber, wenn jetzt zB D in 7 Jahren wieder so dasteht, wie vor 7 Jahren? - Sollen die dann auch gehen?

Hätte man vor 4 Jahren die Steiermark oder Kärnten hinauskomplimentieren sollen, weil deren Bruttoregionalprodukt eingebrochen und die Schulden explodiert sind? - Oder Brandenburg, oder Berlin-Kreuzberg?

Mit dem ST-Euro hätte doch Graz auch abwerten können und Wettbewerbsfähigkeit gewonnen?

Dass eine gemeinsame Währung immer gemeinsame Wirtschafts-/Arbeitsmarkt-/Sozialpolitik voraussetzt und vor allem eine TRANSFERUNION, ist ihm wohl noch nicht aufgefallen.

Kann man Betrug empfehlen?

Wenn Griechenland zur Drachme zurückkehrt, damit die EURO-Schulden nicht mehr bezahlt werden müssen, ist das klassischer Betrug. Kann man das empfehlen?
Wäre es da nicht besser zu empfehlen, dass der Behördenaufbau effektiver umgebaut und so etwas wie Steuermoral eingeführt wird?
Abwertung kann auf Dauer nicht sanieren, weil der kurzfristige Exportvorteil langfristig durch wesentlich teurere Importnachteile aufgewogen wird. Die Produktionswirtschaft kann sich langfristig nur durch Rationalisierungs- und Qualitätsverbesserungen wettbewerbsfähig halten. Es wäre wohl besser, den Griechen solche Empfehlungen zu senden.

Es ist kein Betrug sondern eine Insolvenz

Und Insolvenzen kommen im Wirtschaftleben vor und sind durchaus nciht immer schuldhaft.

Es ist nämlich genauso aufgabe des Geldgebers darauf zu achten ob der Nehmer wohl kreditwürdig ist wie umgekehrt.

Noch kein Land?

Schon mal was von Argentinien gehört, Herr Hankel? Ich hab heute noch einen gerahmten Geldschein in Höhe von 1,000.000 Pesos an der Wand hängen. Wert damals: 25 Schillinge. Und dann kam der Austral, der auch bachab gegangen ist. Jeder VWL-Student lernt im ersten Semester, dass Sparen auf der einen und Investitionen auf der anderen Seite stehen. Wird nicht mehr gespart, respektive Dollars unter dem Kopfkissen gehortet, gibt's kein Geld mehr für Investitionen und wo das hinführt muss ich Ihnen wirklich nicht erklären.

Im 2. Semester lernt man dann hoffentlich was ein Kredit ist.
Oder dass man nur einnehmen kann, was ein anderer ausgibt.

Sparen ist etwas für Privatpersonen. Und "Geld unter dem Kopfkissen horten" ist volkswirtschaftlich gesehen wohl das schlimmste, was man mit Geld machen kann.

Bis zum 3. Semester haben sie es dann wahrscheinlich nicht mehr geschafft.

Weil sparen ist volkswirtschaftlich gesehen gut.

Wer spart statt konsumiert akkumuliert Kapital, Kaptialakkumalition ist die Grundlage der Investition und die Investition der Produktivitätssteigerung sprich dass man mit gleicher Arbeit mehr leisten kann.

Das wiederum ist der Ursprung des Wohlstands.

Wer spart konsumiert weniger

wird weniger konsumiert, wird weniger hergestellt.
Wird weniger hergestellt, werden weniger Arbeitskräfte benötigt.
Werden weniger Arbeitskräfte benötigt steigt die Arbeitslosigkeit.
Arbeitslose fallen aus Konsumenten aus, wodurch noch weniger konsumiert wird...

Ihre Investitionen in Produktionsmittel sind nutzlos wenn keine Konsumenten da sind die die Produkte daraus kaufen.
Da das Kapital trotzdem nach Gewinn lechzt wird es anfangen Blasen zu generieren...

Jede Medaille hat zwei Seiten.
So einfach wie sie sich das vorstellen ist es nicht.

Kapital und Geld (das der Konsumenten) müssen eben immer in einem vernünftigen Verhältnis stehen, damit das aufgeht.
Investitionen können auch über Kredite getätigt werden.

Vieleicht, aber nur vieleicht wär so ein Mittelweg am bestan, oder?

Ein Teil spart um soäter Investitionen zu tätigen und ein Teil wird verkonsumiert!

Dazu brauch ich nicht amal VWL studiern, von dem Fach halt ich sowieso nicht viel, weil diese ganzen Theorien auf Modellen basieren, die völlig fürn Arsch sind!

Mah bitte aber dass Nachfrage aus Konsum + Investition besteht

das lernt man schon im ersten Semester.

Also nix wer spart macht weniger Nachfrage im Gegenteil wer spart macht a) Nachfrage und b) Grundlagen für Zukünftige Produkton und Nachfrage.

Das stimmt sicher nicht immer:
Angenommen die Zentralbank (oder andere Institutionen) schaffen ständig neues Geld, dann ist es sicher kein Problem, wenn manche einen Teil wieder aus dem Verkehr ziehen, um es unter dem Kopfkissen zu verstecken. Ist nur ein Beispiel.

Ihre Aussage kommt mir etwas pauschal vor.

Sie müssen aber schon die Grundlage beachten, mit der neues Geld geschöpft wird

Das geschieht auf Grundlagen von Krediten (heißt bei der Zentralbank zwar Tender, ist aber praktisch das selbe).
Es gibt dadurch immer jemanden, der für dieses Geld Zinsen bezahlt und es wieder bekommen muss um seinen Kredit tilgen zu können.
Wenn Sie aber das Geld der Wirtschafts entziehen, dann kann er das nicht.

Und wenn Sie jetzt davon ausgehen, dass das Geld einfach so Gedruckt wird: Da müssten Sie das Geld schon verbrennen um dadurch Inflation zu bekämpfen.
Dadurch, dass sie es horten betreiben sie maximal Inflationsverschleppung.

vorab sollte man eoines lernen: dass der begriff 'sparen' im deutschen 2 bedeutungen hat, die gerne und häufig in wirtschafts-polemischen abhandlungen bewusst verwechselt werden.

Ohne die Rückkehr zu den nationalen Währungen wird die EU nicht wieder aus ihrer Dauerkrise herauskommen

sehe ich auch so!

Reiner Populismus

Irgendwann konnte man es ja lesen. Das Problem wäre nicht so sehr Griechenland, wenn die Banken dort, die ja ohnehin jeweiligen Europäischen Großbanken gehören, gesetzlich nicht daran gehindert werden würden, die Bilanzen in den jeweiligen Staaten zu legen.

So wird dieser Ausgleich via der Europäischen Zentralbank verschoben.

Ja natürlich, Geiz ist geil, udn ich kann mir vorstellen, dass sich diese internationalen BankAGs eine Verbesserung des Shareholdervalues versprechen, wenn sie auch noch an Wechselkursen verdienen könnten - oder noch viel besser mit den Schwankungen der Wechselkurse erst so richtig abzuzocken und den Bankvorständen als Belohnung wieder fette Prämien ausgezahlt werden können.

Mistgeschreibsel

Der Herr Hankel bestich in seinem Artikel nicht gerade mit wirtschaftlicher Brillanz:

1) Ein griechischer Austritt aus der Eurozone hat keine Parallele in der Geschichte, weil dies Griechenland a) in einer enormen Problemsituation im b) im Umfeld globaler Finanzmaerkte c) eine weiterhin bestehenbleibende Waehrung abschaffen und eine neue, nationale Waehrung begeben muesste.

2) Die Griechischen Schulden werden so oder so sozialisiert/europaesiert, jetzt durch EU-Transfers, bei Austritt und Staatspleite muss auch irgendjemand die Abschreibung auf griechische Schuldpapiere schlucken, vermutlich griechische und europaeische Banken bzw. eventuell Steuerzahler.

3) Vor der Krise gabs nen Boom in Griechenland, von dem auch gerade die deutsche..

... Fortsetzung

...Wirtschaft profitierte. Also jetzt draufzukommen, dass bei griechischer Euro-Mitgliedschaft in Deutschland Geld fuer dieses und jenes fehlte, stimmt, aber genau diese griechische Mitgliedschaft half vorher mit, dass das Geld da war, das Argument zeigt gerade einmal 50% der Wahrheit.

4) Das ewiggestrige Rezept der schwachen Waehrung bzw. Waehrungsabwertung ist auch nicht mehr so toll wie frueher, weil erstens Preise nicht der einzige Faktor in einer modernen Wirtschaft sind (wenn dem so waere, wuerde Deutschland wahrscheinlich nicht ein extrem starkes Exportland sein), es zweitens einen gut ausgebildeten Exportsektor geben muss (denn hat Griechenland nicht) und drittens Kapitalfluesse auch noch ganz nett mit Waehrungen spielen koennen...

Diese Wechselkurse zwischen den einzelnen Währungen, wieviel haben denn die 10 Jahre vor der Einführung des Euro ausgemacht. Weiss das jemand?
Die Summe kann ja so klein nicht gewesen sein. Und das erspart man sich jetzt. Und die Schulden der Griechen würden ja in Euro bleiben, sagen die Experten.

Na super...Island plus 2-3%

nachdem sie ein Jahr davor minus 7% gemacht haben - unseriöses gequatsche!!!Kann man den alten Herren nicht in Ruhe seine Pension geniessen lassen?Mit 83 jahren hat man sich das verdient.

...klagte mit anderen Professoren....

Herr Hankel war nie Professor und ist auch bis heute keiner.

Prof. Hankel sei es gedankt...

...daß es zu einer Kritik des EURO gekommen ist. Eigentlich wollte ich nichts posten. Doch die Dummschwätzerei, die glaubt, Volkswirtschaft sei Blödsinn oder glaubt, es sei alles doch so simpel, nur der Herr Prof. kapierts nicht, möchte ich eines sagen:
Nach Hankels Artikel sollte gar kein Posting da stehen: Zum Ersten aus Höflichkeit und zum Zweiten, weil VWL um mindestens zwei Größenordnungen komplizierter ist als die Spez. RelTheorie plus Quantentheorie zusammen genommen. Da wollen Heißlüftler glauben, man könne in einem Achtzeiler die Lösung bringen und zugleich Hankel abwerten.
Wer nicht ERGOKRATIE zu studieren gewillt ist, hat keinen Anspruch, ernst genommen zu werden. Dies soll jedoch nicht heißen, Herr Prof. Hankel sei Ergokrat.

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