Grüne Kritik an grüner Ignoranz

Kommentar der anderen | Tobias Schweiger, 28. Mai 2012, 18:23

Die Grünen arbeiten seit Jahren für eine transparente Parteikasse. Sie ignorieren dabei aber ein anderes Problem der Parteienfinanzierung

Die Grünen arbeiten als einzige Partei, die nicht im Korruptionssumpf verstrickt ist, seit Jahren für eine transparente Parteikasse, als Schritt weg von der Korruption. Sie ignorieren dabei aber ganz gekonnt ein anderes Problem der Parteienfinanzierung: die Vermischung von Partei-, Fraktions- und Bildungsarbeit und der dafür gedachten Gelder.

Generell gilt: Die Parteienfinanzierung ist in ihrer jetzigen Form abzuschaffen, sie dient nur der Überbürokratisierung und verfestigt die Krise der österreichischen Parteien. Zentrale Punkte einer Neuregelung wären:

1) Eine neue Parteienförderung muss zur Demokratisierung der Parteien beitragen und auch drastisch geringer dotiert sein. Zudem wäre dafür eine bundeseinheitliche Gesetzgebung sinnvoll, da das Übergewicht der VP Niederösterreich oder der SPÖ in Wien inklusive ihrer Häuptlinge, durch horrende Parteienfinanzierung nochmals verstärkt wird.

2) Die staatliche Parteienfinanzierung sollte zumindest an einen Prozentsatz gekoppelt werden, den die Parteien durch Mitgliedsbeiträge aufbringen müssen. Parteien, in denen Mitgliedsbeiträge keine Rolle spielen, können ihre Apparate noch leichter von den Mitgliedern entkoppeln und brauchen diese nicht wirklich ernst zu nehmen.

3) Die Parlamentsarbeit ist in Österreich zu wenig getrennt von der Parteiarbeit, so können Mittel des Klubs recht einfach für Parteizwecke eingesetzt werden, sei es mittels Geld für Öffentlichkeitsarbeit oder Mitarbeiter/-innen, die Arbeiten für die Partei in "Kooperationsprojekten" übernehmen. Diese in Österreich gängige Praxis ist in Deutschland unvorstellbar und wäre illegal. Die Klubförderung sollte nur für parlamentarische Arbeit vewendet werden und damit das freie Mandat stärken.

4) Die politischen Akademien sollten eigentlich unabhängige Orte der politischen Bildung sein, die Möglichkeiten für "Kooperationen" mit der Mutterpartei sind aber auch hier (viel zu) weitreichend.

5) Die "Säule" der Parteienfinanzierung, bei der Abgeordnete vom Bezirksrat bis zum Nationalrat massive Beiträge an die Parteien bezahlen, sollte verboten, das Gehaltsniveau für Politiker entsprechend gesenkt werden. Dass die Mandatarsbeiträge von der Steuer abgesetzt werden können, ist nur ein Detail am Rande, das zeigt, wie unverfroren Österreichs politische Klasse agiert.

6) Eine vernünftige Parteienfinanzierung sollte jene unterstützen, die Politik in ihrer ganzen Bandbreite machen, wie Bildungsarbeit, fundierte Arbeit in den Parlamenten und für partizipative Parteistrukturen.

7) Die Parteienfinanzierung sollte österreichweit geregelt werden, sodass die Länderparteien nicht auch noch in diesem Bereich die Bundesparteien in finanzieller Geiselhaft halten können.

Eine solche wirkliche Reform mit dem Ziel der Erneuerung und Demokratisierung der Parteien würde der SPÖ und ÖVP langfristig nicht schaden, da ihre Basis noch immer breit ist. Probleme würde ein sinnvolles Parteienfinanzierungsgesetz allenfalls der FPÖ bescheren, die den Großteil ihrer Gelder ins Politmarketing steckt. Die Grünen müssten sich ihrerseits von der Vorstellung, verabschieden, dass Basisdemokratie ohne breite - und zahlende! - Mitgliederbasis auskommt und sich öffnen.(Tobias Schweiger, DER STANDARD, 29.5.2012)

Autor

Tobias Schweiger ist Bundessprecher der Jungen Grünen.

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Sehr gut geschrieben. Es sind einige sehr gute Ideen dabei...

... und eigentlich keine einzige, die ich "gar nicht gut" finde.

Bitte dranbleiben und weitermachen, Herr Schweiger!

gute ideen!

Die Jungbobos,

oder auch Negierer des historischen Materialismus versumpfen anscheinend in ihren eigenen Denkmuster - aus dämlichen Pfaffengeschwätz und geschulter Vulgärrhetorik komment kaum ein brauchbarer Ansatz - Laßt euch nicht umarmen!

Das Koppeln an Mitglieder ist eine interessante Idee, aber es dürfte keinesfalls an die Höhe von Mitgliedsbeiträgen gekoppelt werden. Aber man könnte an die Anzahl zahlender (= aktiv interessierter) Mitglieder koppeln.

Natürlich ignorieren die Grünen genau diese Verstrickung - weil sie davon excellent gut leben!

Es ist ja nicht so, dass sie es nicht wüssten, woher sie das Geld für den üppigen Apparat nehmen, oder dass sie nicht wüssten, wie man ein Programm der Bildungswerkstatt so gestaltet, dass es natürlich nicht - behüte - eine Wahlkampfveranstaltung wäre, sondern rein zufällig die Themen des Wahlkampfes abdeckt, und rein zufällig KandidatInnen eines laufenden Wahlkampfes am Podium sitzen... Im Spendenoffenlegen sind sie natürlich super, zufällig, ganz zufällig gibts bei den Grünen halt net viele Spenden. Reiner Zufall.

Die Grünen ignorieren nochwas ganz anderes.

Die Grünen finden im Grunde nicht statt. Daran hat sich in den letzten Jahren herzlich wenig geändert.

Aus meiner Sicht wird keine konkrete Politik gemacht, sondern viel zu sehr im Theoretischen verblieben.

Damit kann man sich zwar prima mit sich selbst beschäftigen, jedoch nicht mit denen, für die das wichtig wäre: den Bürgern.

Für viele Grüne ist es keine Politik, sondern ein Lebensstil.

Muss ich als vegetarischer Politiker ständig Politik für Vegetarismus machen?

Wie schaut denn die Politik der ÖVP aus? Beim Dorffest an mehreren Stellen das Raiffeisenlogo zu plazieren - gegen Sponsorung mit Speise und Trank?

Bildungsarbeit

Die Forderung nach Steuergeld für Propaganda und Indoktrination - Gratulation!
Es dauert hoffentlich nicht mehr lange dass jemand kommt der diesen Unsinn beendet.

Meine Stimme hat er er!

klingt nach:

...ich hätte gerne mehr Demokratie in der Partei oder vielleicht sogar: ich hätte gerne das manche Dinge in der Partei anders laufen.

Kann das aber nicht umsetzen oder mehrheitsfähig machen.

Deshalb wünsche ich mir, das mehr Demokratie in der Partei von oben verordnet bzw. irgendwie erzwungen wird.

Ich finde da wird das Pferd von der falschen Seite her aufgesattelt.

Na ja, wenn er versucht, das einfach so bei einem Parteivorstand der Grünen zu referieren, kann er lang warten, aber wenn es in einer Zeitung steht, hat er Chancen, dass auch die Obrigkeit seiner Partei es zur Kenntnis nimmt.

Wer glaubt, demokratiemüde zu sein, soll erst

einmal an einer grünen Listenversammlung teilnehmen.

Habe mich einmal von 9 bis ca. 19 Uhr fleissig versammelt, abgestimmt ohne Ende, am Abend (als wir zwischen den Wahlgängen schon die Tische weggeräumt haben) hatten wir bei zwei Wahlgängen hintereinander Stimmengleichstand. Kurz danach hatten wirs aber geschafft und in diesem Marathon ganze 4 Listenplätze entschieden.

Bitte, das ist fast mehr Demokratie als irgendein normaler Mensch aushalten kann. Von mir aus haben die Grünen vielleicht einige Probleme aber zu WENIG Demokratie gehört definitiv nicht dazu ;-)

DEMOkratie? nein VERDOkratie

ersteres kommt vom griechischen Wort für Volk/Gemeinde.

Das was Sie hier beschreiben ist die Art, wie die Grünen (VERDES) sich Demokratie vorstellen - also ihre inneren Streiterein mit einem geachteten Ausdruck adeln wollen.

Wäre es nicht weit einfacher, die Parteienfinanzierung an die Zustimmung der WählerInnen zu koppeln?

Was durchaus dazu führen könnte, dass sich nicht- oder ungültig Wählen auszahlen und so auch zu einer politischen Kategorie auswachsen könnte?
Keine Stimme = keine Gage?

der mitgliedsbeitrag der PPÖ is derzeit bei € 2,- / monat. es gibt mitglieder, die mehr zahlen können, und es gibt welche, die das net können. einerseits haben wir laufende kosten, andererseits wollen wir den bürgern die teilnahme bei uns so einfach wie möglich machen. schwieriger spagat.

das koppeln an mitgliedsbeiträge wäre kontraproduktiv. Österreichweit einheitlich an wählerstimmen koppeln, alles andere is unnötig.

CU TOM

Ein schlechter Titel

Für gute Vorschläge.

Das ist keine Kritik an den Grünen,
Sondern am System.
Die Grünen könnten's
In ihr Programm nehmen
Aber so lange der Rest nicht mitmacht
Wird leider nichts draus.

Und leider
Wählen wir Österreicher
Immer noch nach Tradition
Statt nach Verstand
- denn sonst wären die drei Partei-Platzhirsche
Schon längst erschossen.

Günther, bist Du's?

"Die Grünen arbeiten seit Jahren für .."

witz des tages :)

richtig wäre..

an ihrer demontage.

die einzigen die mit verve an ihrer demontage arbeiten

ist die F-BZÖ_FPK_FPÖ- Bewegung deren aktive kameraden wie auch exkameraden sich in diversen gerichtsanhängigen verfahren treffen ....

die grünen

sind eigentlich die einzigen die etwas an dem korrupten system in ö verändern wollen.

punkte wie "Die politischen Akademien sollten eigentlich unabhängige Orte der politischen Bildung sein" - das ist doch nur lächerlich.

auch die kinderbetreuung und volksschulen organisation ist reine övp struktur. kirche und heimat über alles und im dienste der "selektion" fürs gymnasium; nur keine ausländer und nur brave willige helfer.

die grünen sind um nichts weniger teil des systems.

mag sein aber

sie in einen topf mit der fpk - ö zu werfen ist halt auch ein wenig kurzsichtig ....

wie denken dir Grünen an Vereine, die politisch

im mansatsbereich agieren.
Oder löscht da die Koalition das Denken aus.

...

Hmm. Einige vermutlich interessante Punkte. Leider leidet diese Kritik extrem darunter, dass ein großer Teil der Forderungen und Feststellungen ohne jede Begründung in der Luft stehen. Das erste "Warum?" drängt sich bereits im zweiten Absatz auf, und dem folgen noch einige weitere.

Besonders wichtig wäre eine Antwort, warum eine Finanzierung durch Abgeordnetengehälter problematisch ist und wie die Forderung nach deren Abschaffung mit der Forderung der Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge vereinbar ist.

Auch eine Erläuterung, wie die etwas naiv wirkende Idee der unabhängigen Parteiakademien verwirklichbar wäre, wäre angeraten. Das ist gut gemeint, ignoriert aber menschliche Schwächen.

Leider nicht so überzeugend wie es sein könnte.

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