Der lange Weg aufs Klo am Gang

Ansichtssache | David Rennert, 23. Mai 2012, 15:24

Klo und fließendes Wasser innerhalb der eigenen vier Wände: Was für die meisten Wienerinnen und Wiener so selbstverständlich ist wie das Riesenrad im Prater oder das Dosenbier vom Würstelstand, fehlt immerhin in knapp 39.000 Hauptwohnsitz-Wohnungen der Bundeshauptstadt.

Bild 1 von 8»
foto: derstandard.at/dare

Viele alte Mietshäuser in Wien zeugen noch von Zeiten, als man sich die Toilette am Gang mit den Nachbarn teilte und die Bassena vor der Wohnungstür die einzige Wasserquelle (und oft auch das Zentrum nachbarschaftlicher Beziehungen) war. Zumeist sind die alten Becken nur mehr als Ziergegenstände in den Häusern verblieben. Doch ganz selbstverständlich ist Klo und Wasser in den eigenen vier Wänden in Wien noch immer nicht.

Nach einer auf Stichproben basierenden Auswertung der Statistik Austria ist die Zahl der Substandard-Wohnungen in Österreich zwar seit Jahren rückläufig; 2011 lag sie nur noch bei etwa 1,5 Prozent (2001: 3,2 Prozent). In Wien waren es aber immerhin noch 4,6 Prozent aller Hauptwohnsitze.

weiter ›

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
1 2 3 4 5 6

bild 4 zeigt zweifelsfrei eine "erst kuerzlich renovierte/sanierte, gemuetliche wohnung mit einger. kuechenzeile"...

bild 5: wer hat schon diesen komfort? haendewaschen und fussabstreifen vor eintritt in die wohnung! ausserdem ist das gewiss nur die wasserentnahmestelle fuer die hausreinigungsfirma - sieht man doch schon an den schicken, neuen kunststofffenstern!

bild 6 zeigt allerdings einen stilbruch: die schoene, alte bassena, die viel geld kostet auf dem flohmarkt, mit so einem 60er-jahre wasserhahn auszustatten! na, das haetten die eigentuemer aber besser machen koennen.

bild 7: die weisskalkung der rohen ziegelwaende hat schon was, nicht wahr?

und nimmt man's genau, dann wurde hier exakt 1 haus dokumentiert... sowas, aber auch.

ja das ist eine gute investition

ich habe vor kurzem in eine 40m2 wohnung substandard D eine heizung, ein klo und ein bad eingebaut. die investition hat EUR 14.800 gekostet. die miete kann ich jetzt von 80 EUR mtl. auf 200 EUR mtl. erhoehen. das heist ich nehme im monat um EUR 120.- mehr ein. In ca. zehn Jahren habe ich dann das bad fuer meinen mieter ausbezahlt. ich bin mir aber nicht so sicher, ob ich das fuer die naechsten wohnungen auch machen sollte. leider habe ich eigentlich nicht unbeschraenkt geld.

die 120 EUR müssen aber noch versteuert werden. d.h. ca. 45% davon fallen ja noch weg.
Eventuell muss dann noch der Kredit für die Investition getilgt werden, wo auch noch Zinsen+Kapital zu zahlen sind. Also in Summe dauert es wohl mehr als 10 Jahre, vielleicht sogar 20 Jahre bis die Investition herinnen ist.

das liebe Geld ist für Vermieter auch ein Problem

was viele Mieter eben nicht verstehen.

Das INDISCHE Klo ... jenseits des GANGES ....

Trotzdem ist es gut, dass es die Wohnungen der Kat. D noch gibt, da sich viele Leute nichts anderes leisten können. Wenn die Miete statt € 1,67 halt € 3,00 beträgt, ist es immer noch für beide Seiten ein gutes Geschäft.

Die Vorstellung

mein Häusel am Gang zu haben würde mich nicht sooo maßlos schrecken, wie der Gedanke, es mit jemandem teilen zu müssen - DAS wäre echt der blanke Horror. Da fällt mir meine frühe Jugend ein, als wir Studenten alle noch nicht so viel Geld hatten, uns bessere Hotels leisten zu können und man in billigen Pensionen urlaubte, in denen sich am Gang eine "Gemeinschaftsdusche" befand, die ich nie barfuß betreten hatte vor lauter Ekel. Abgesehen vom Mangel an Komfort, waren schon die hygienischen Verhältnisse Grund genug für mich, nie zu campen, oder früher (junges Erwachsenenalter) im Club Med ein Hüttendorf zu buchen.

gehen Sie manchmal in einem Bad schwimmen?

ui wie ekelig, denken Sie sicher, gell!

Wie wahr,

wenn ich an die hineinpinkelnden Menschen denke!!
Daher für mich nur "wilde" Gewässer. ;o)

Meine erste Wohnung in Wien Gangklo, 45 m2 um ca. 800 ATS. Ich war sehr froh darüber. Nach der Eingangstür gab es Vorzimmer, Küche, Dusche und Waschküche ;-). Dann noch ein Kabinett und ein großes Zimmer. Habe bis '94 darin gewohnt und war nicht unglücklich darüber. Das Klo teilte ich anfanges mit e. älteren Dame, dann hatten wir es alleine. Das einzige Problem im Winter ohne Heizung - während sehr kalter Perioden mussten wir es in Decken einwickeln, damit es nicht einfriert. Die Nachbarn, die weiter unten geschütztere hatten waren so nett dann ihres zu "leihen". Es war e. tolle Möglichkeit zu starten und zwar ohne sich gleich über beide Ohren zu verschulden. Auch wenn ich froh bin, weder Öl heimschleppen zu müssen. Gibt schlimmeres.

Ich hab ca. 10 Jahre (ca. '88-'99) in sowas gewohnt, tw. zu zweieinhalbt ("Patchwork"-Familie halt).
Klo am Gang, mit dem grindigen Nachbarn geteilt, die Küche mit Duschkabine als Vorzimmer, ein "grosses" (18m²) Zimmer, durch das man in ein Kabinett gekommen ist. Und das war's auch schon wieder.

Aber knapp 300,-- Schilling Netto-Miete (+1.200,-- BK, +3-500,-- §18, +St.Euern) war halt unschlagbar, und hat mir die Bildung von wenigstens ein bissl Startkapital ermöglicht. Und man lernt zwangsweise das Z'sammräumen und sich-organisieren ;)

Ich nehme an,

daß Sie froh sind, nie wieder Öl heimschleppen müssen. ;o)
Sicher , es gibt immer Schlimmeres.

Klar bin ich das ;-). Da ich die Zeiten erlebt habe und so zu leben, gehen mir die grünen Träumer ziemlich auf den Geist, die wieser in so Zeiten zurück wollen.

OMG

Den Ölofen hab ich ganz vergessen (verdrängt). 2-3x/Woche zur Tankstelle 3 Gassen weiter pilgern mit 2 20lt-Kanistern. Das ging ja noch.

Wie sie dann (ca. '96) aber das Heizöl bei der Tankstelle eingestellt hatten, hab ich ein ernsthaftes Problem gehabt, weil die nächste Heizöl-führende war ca. 30min Fussmarsch entfernt. Und Diesel verheizen verbietet sich der St.Euern wegen ja doch von selbst.

Und was das gekostet hat, da Gas einzuleiten, einen Konvektor zu kaufen und den Rauchfang herrichten zu lassen! Fast 50.000,-- Schilling! Die Ersparnisse von 2 Jahren!

JA - vor allem durften die nur Heizöl verkaufen, wenn auch andere Brennstoffhändler offen hatten - Wettbewerbsschutz. Ich bin mal fast a.d. Knien gelegen nach 18h und habe den Tankwart gebeten mir zu sagen was es mit e. Ölheizung zB f.e. Wettbewerb mit e. Kohlehändler geben könnte. Na ja - glücklicherweise vorbei.

Ich kann ja nur

hoffen, daß Sie noch dort wohnen, wenn Sie schon so viel investiert haben!

Es ist traurig, dass mitten in Europa im 21. Jahrhundert...

... Menschen schlechter als Tiere wohnen.
Man darf sich aber nicht wundern - die Miete ist so niedrig wie in einem Entwicklungsland und die Leistungen dementsprechend auch.

Wie Tiere??? Komm komm a bissl übertreibst Du schon. Ich hab in den 90ern selbst ein paar Jahre mit Klo am Gang gelebt. So schlimm ist es nicht, die Wohnung selbst war sehr gemütlich und ich war froh, einen supergünstigen Zins für 60m2 zu haben - 2.000,- Schilling oder sowas warn's damals, pünktlich am ersten IN BAR an die Besitzerin zu zahlen .. :-)

Haben Tiere ein Klo?

Und eine Wohnung?

die meisten krone-tierschützer hätten bedenken, ein haustier

in so löcher zu stecken, in denen viele menschen in wien hausen... aber ist ja nicht so schlimm, sind ja nur menschen und zum arbeiten für den mindestlohn gehn sie ja eh raus.

Es ist halt auch etwas Eigeninitiative gefragt... Ich habe 1973 in Simmering in so einer Wohnung ca. 40m2/500 ÖS auch begonnen. Gleich im Mietvertrag habe ich mir ausbedungen, dass ich Wasser und WC installieren darf.

Ich habe in der Küche mit einer Holzkonstruktion einen WC Raum gebaut, das 100er PVC Rohr des Abflusses quer durch den Boden zur Stiegenhauswand und durch die Decken bis in den Keller, die Wohnung lag im ersten Stock, das Rohr vom Stiegenhaus her in die Wand eingestemmt.
In diesen dicken Ziegelmauern ists ja leicht so ein Rohr unterzubringen, auch der Deckendurchbruch, da kein Beton, kein Problem.

Im Keller habe ich dieses dann offen an der Kellerdecke ca. 10m zum Kanal geführt.

Auch das Wasser einzuleiten mit einem 15er Kupferröhrl keine Hexerei.
Ich habe auch alle Stromleitungen erneuert, da gabs noch Gewebeumantelte Leitungen.

Später wurde sogar die Nachbarwohnung an meine WC Leitung angeschlossen, so hat die dann gar nix gekostet...

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle Menschen in Wien in einer tollen 100m² Wohnung mit super Einrichtung wohnen und sich entfalten könnten - geht leider nicht.

Deshalb haben auch substandard Wohnungen ihre Berechtigung.

habe mal eine solche wohnung angeschaut in Ottakring:
klo am gang, am anderen ende - schlüssel wenigstens alleine. licht funktionierte auch meistens wurde versprochen.
"wohnung" war 1 Raum, Duschkabine in der Mitte, Leitungen für Strom und Wasser nebeneinander recht neu ins Zimmer an der Decke geleitet.
400 Euro pro Monat. Im Keller.

das eigentliche problem am gang war immer nur: wer putzt?

Immer der, dem's schneller gegraust hat..

Also 2*/Jahr ich, und 1*/Jahr die Mama vom grindigen Nachbarn ;-)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.