Medien-Nachhilfe für den Song Contest

Michael Simoner, 7. Mai 2012, 18:15
  • Medien-Lehrgang für den Song Contest in Baku: Aserbaidschans Vize-Innenminister Oruj Zalov (4. v. li.) und (re. daneben) Alexander Marakovits, Manfred Reinthaler, Hans Golob und Daniela Tunst.
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    Medien-Lehrgang für den Song Contest in Baku: Aserbaidschans Vize-Innenminister Oruj Zalov (4. v. li.) und (re. daneben) Alexander Marakovits, Manfred Reinthaler, Hans Golob und Daniela Tunst.

Aserbaidschan hat den Song Contest und wenig Ahnung vom Umgang mit westlichen Medien. Deshalb ließ sich die Polizei in Baku von Kollegen aus Wien in die Geheimnisse der Öffentlichkeitsarbeit einweihen

Wien/Baku - Die Einladung kam unerwartet, aber nicht überraschend. Seit der EURO 2008 in Österreich und in der Schweiz gilt die Öffentlichkeitsarbeit der heimischen Polizei als internationaler Maßstab im Umgang mit Medien bei Großveranstaltungen. Also wandte sich vor kurzem auch Aserbaidschan mit der Bitte um Know-how ans Innenministerium. Denn die Polizei in der Republik zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus hat erstens von 22. bis 26. Mai den Song Contest zu bewältigen und zweitens wenig Ahnung von westlicher Öffentlichkeitsarbeit.

Abordnung

Also entsandte Wien eine vierköpfige Abordnung nach Baku, die im dortigen Innenministerium den stellvertretenden Hausherren, Oruj Zaloc, und hochdekorierte Generäle vier Tage lang schulten. "Medienarbeit ist dort noch Neuland, viele Beamte stecken in alten Strukturen", umreißt Alexander Marakovits, Abteilungsleiter der Pressestelle im Innenministerium, das Problem.

Deutlicher wird die Organisation Reporter ohne Grenzen. Auf deren Rangliste der Pressefreiheit befindet sich Aserbaidschan auf Platz 162 von 179 gelisteten Staaten. Die Presse in dem vorderasiatischen Binnenland ist alles andere als frei, rund 80 Prozent aller Zeitungen sind staatsnahe. Unabhängige Journalisten leben gefährlich, erst Ende April wurde ein unabhängiger Reporter krankenhausreif geschlagen, weil er Zwangsumsiedlungen in und in der Nähe von Baku dokumentiert hatte. Auch Blogger, die den autoritären Präsidenten Ilcham Alijew kritisieren, haben regelmäßig mit Repressionen zu kämpfen oder landen sogar im Gefängnis.

"Baku verpasst sich positives Image"

Beim Song Contest soll davon freilich nichts zu spüren sein, Aserbaidschan will sich als modernes, aufstrebendes Land präsentieren. Was zumindest dem äußeren Anschein nach gelingen dürfte: "Baku verpasst sich ein positives Image, die ganze Stadt liegt im Song-Contest-Fieber", sagt Marakovits im Gespräch mit dem STANDARD. Und nach seinen Worten bereitet sich die Polizei ernsthaft auf die Welle westlicher Medien vor, die natürlich auch kritische Fragen zum Zustand des Landes mit sich bringen wird.

Gerade über Krisenkommunikation haben Marakovits sowie Manfred Reinthaler und Hans Golob von der Pressestelle der Wiener Polizei und Daniela Tunst vom Landespolizeikommando Wien in Baku viel erzählt. "Wenn die Informationspolitik so schnell wächst wie die Neubauten in Baku, sind die Sicherheitsbehörden in Aserbaidschan auf dem richtigen Weg", meint Marakovits.

Monitoring durch Europarat

Für Aserbaidschan geht es um viel, der Song Contest soll den Tourismus kräftig ankurbeln. Doch das seit 1991 unabhängige Land - etwa genauso groß wie Österreich - befindet sich auch immer noch in einem bewaffneten Konflikt mit Armenien in der Region Berg-Karabach. Seit elf Jahren ist die frühere Sowjetrepublik Mitglied im Europarat und unterliegt einem Monitoring. Der Europarat hat auch den deutschen Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer zum Sonderberichterstatter für politische Gefangene in Aserbaidschan ernannt. Der SPD-Politiker durfte aber bisher noch nicht nach Aserbaidschan einreisen. (Michael Simoner, DER STANDARD, 8.5.2012)

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Na da hams die Richtigen gefragt.

wieder eine gelegenheit für die aufgeklärte posterschar..

den anti-österreich beissreflex ungehindert rauszulassen. go! da ist noch mehr drin, und der cafe latte schmeckt dann gleich nochmal so gut.

Plötzlich nimmt der Gebrauch des Doppel-Reflexivums im Aserbaidschanischen schlagartig überhand. "Weisen Sie sich Ihnen aus."

So wie damals am Rathausplatz groß auf der Leinwand, als während des Spiels der Sturm aufzog: "Bitte entfernen Sie sich Ihnen." Wien eben... :)

"Weisen Sie Erna aus" - "Was hat Erna getan?"

mir scheint der ganzen Angelegenheit

liegt das gleiche Missverständnis zu Grunde,
wie es häufig bei Entwicklungshilfe zu finden ist:

"Mach es wie wir, dann machst du es richtig!"

Dieser Ansatz berücksichtigt weder wie die "zu Beratenden" in diese Situation gekommen sind,
noch welchen Teil ihrer Kultur sie als "unveränderlich" betrachten wollen.

Eine Situation aus unserem Blickwinkel zu bewerten und aus diesem Blickwinkel heraus Empfehlungen zu erteilen hat sich leider nicht als erfolgreiches Konzept durchgesetzt!

lektion 1

demonstranten nicht zu tode prügeln, wenn kameras oder journalisten dabei sind.

lektion 2

wenn man es schon machen muss, dann gleich die journalisten mit...

Erfahrung wie man gravierende Menschenrechtsverletzungen vertuscht hat die Wiener Polizei ja genug.

ich finds süß

sowohl, dass aserbaidschan bei uns hilfe einholt, als auch das foto, als auch, dass die wohlkonditionierte posterschaft im lagerkoller das "unsere polizei ist böse" stöckchen brav apportiert

:)

gut gemacht jungs und mädchen und jetzt auch noch brav glauben, dass das eure eigene meinung ist...

feiiiiiiin....

Ei, wenn ich das lese geht mir der kalte Schauer über den Rücken.

Mediennachhilfe?

Alf Poier fragen, der hat seinen sechsten Platz auch nur dem Eigen-Marketing im Vorfeld des Bewerbes zu verdanken. Diesbezüglich kann man von ihm einiges lernen!

Hilfe als Drohung

Aserbaidschan bled ,
muß man helfen ....

(Die PR Maschinerie ,
die heute unsere Veröffentlichte Meinung bestimmt ,
ebnet den Weg zu Desinformation und Lüge
als akzeptierte (geile) Wirklichkeit (Spassgesellschaft) )

also, da hätt ja ein anruf von der deppatn mitzi a greicht, oder?
"shooting kids and beating immigrants without von delay - ok, check politicians on alcohol and/or nazi-connections - not ok, because kiebara is diffrent as finance"

als nächstes laden sie sicher faymann und rudas ein - zwecks gründung einer facebook-gruppe :-)

und

wie waers im artikel/interview mit ein paar angaben der tipps? was haben die denen beigebracht? zbsp.?

Pyonyang hat auch schon eingeladen...

Augenauswischerei. Für eine Trashveranstaltung.

aber trash bringt cash

Gemessen an dieser Dienstleistung der Republik

für ein korruptes und brutales Regime ist "Woki mit deim Popo" auf einmal der noblere Beitrag Österreichs zu Baku 2012.

Tierschützer werden zum Singen gebracht. Das ist der Song Contest unserer Polizei.

Österreichische Hilfe könnten sich die Aseri-Schläger von den blauen Humps und Dumps holen, die hatten doch vor kurzem Nachhilfeunterricht in Demokratie bei Onkel Kadyrow.

FOTO ... mit worten ...

Das Foto sieht ja sehr 'entspannt' aus. Bitte noch 5000 Jahre weiterüben. Vielleicht gelingt's irgendwann. ;-)

Soweit ich gelesen habe sind die Polizisten in Aserbaidschan eh recht gut im Prügeln und dem niederschießen von Flüchtenden oder Minderjährigen, ich wüsste also nicht was ihnen die Wiener noch beibringen könnten.

die medienarbeit zum songcontest macht die polizei? na prost mahlzeit!

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