Schlicht und ergreifend: "Wozu Wissenschaft?"

28. April 2012, 16:26

Jubiläumsausgabe der Dialog-Reihe stellt eine fundamentale Frage

Wien - Seit 25 Jahren bietet die Stadt Wien mit den "Wiener Vorlesungen" ein Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Das Jubiläum wird - wie könnte es anders sein - mit "Wiener Vorlesungen" gefeiert. Unter dem Generalthema "Wozu Wissenschaft? - Fragen, Erkenntnisse, Herausforderungen", gibt es am 2., 3. und 4. Mai die ersten Jubiläums-Vorlesungen, weitere folgen im Juni und November.

Altbundespräsident Rudolf Kirchschläger hielt am 6. Mai 1987 die erste "Wiener Vorlesung". Seither fanden mehr als 1.200 derartige Veranstaltungen mit rund 5.000 renommierten Referenten aus allen Kontinenten statt, die das Interesse von rund 700.000 Besuchern fanden. Dokumentiert wurde das in 250 Bücher in neun Buchreihen.

Für den Koordinator und Planer der Veranstaltungen, Hubert Christian Ehalt "betreffen die Erkenntnisse der Wissenschaft die BürgerInnen, die - via Politik - für deren Förderung und Anwendung verantwortlich sind". Die "Wiener Vorlesungen" würden die notwendige Vermittlungsarbeit leisten, "weil Wissenschaft und Demokratie einander wechselseitig bedingen".

Programm mit prominenten Namen

Den Auftakt der Jubiläums-Vorlesungen machen am 2. Mai die Innsbrucker Astrophysikerin Sabine Schindler und der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger, die über das Thema "Mikrokosmos - Makrokosmos: von der Quantenphysik zur klassischen Welt" diskutieren. Am 3. Mai folgt eine Diskussion über "Kunst, Analyse, Lust und retour - über Wechselwirkungen" u.a. mit der Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien, Eva Blimlinger, am 4. Mai eine Diskussion zum Thema "Umwelt - Ökologie - Systeme: Funktionieren und Crash" u.a. mit der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb und der Archäologin Sabine Ladstätter.

Am 20. Juni spricht der Philosoph Konrad Paul Liessmann über "Intellektuelle: Eine unzeitgemäße Spezies?". Den Schlusspunkt setzt am 12. November der Molekularbiologie Josef Penninger mit dem Thema "Die neue Biologie des Lebens". (APA/red, derStandard.at, 28.4.2012)

Konrad Paul Liessmann sollte sich die Frage "Wozu Wissenschaft" öfter stellen. Wissenschaftlich hat er bislang wnig geleistet. Dafür tritt er derart häufig bei Banken und Industirekongressen auf, dass er für ernsthafte wissenschaftliche Forschung überhaupt keine Zeit haben kann. Seine Auftritte bei Banken haben durchaus Werbecharakter. So bezeichnet ihn die BKS-Bank in einem Geschäftsbericht gar als Kundenmagneten. Hier gibt es ein Foto, welches Herrn Liessmann posierend mit dem Vorstand der BKS-Bank zeigt:
http://www.univie.ac.at/philosoph... 0&start=20

Mikrokosmos - Makrokosmos

ist m.E. nicht die entscheidende Dimension. Relevanter wäre Menschennahe - Menschenfern, weil die Wissenschaft sich nicht vom Großen zum Kleinen oder umgekehrt vorarbeitet, sondern von dem was leicht erkennbar ist zu dem was nur mittelbar und aufbauend auf vorherigen Erkenntnissen einsichtig wird. Und somit sind uns bzw. unserem natürlichen Auffassungsvermögen die Quanten ähnlich fern wie die Galaxien.

Stimmt schon, wenn hier der Prozess der Erkenntnis als solcher gemeint ist. Wir fangen normalerweise als Kinder an mit den Dingen, die uns in der Alltagswelt umgeben, bzw. mit uns selbst. Und arbeiten uns von dort aus in verschiedenen Richtungen in immer weitere Dimensionen vor.
Irgendwann wird es in jeder Disziplin dann sehr abstrakt. Da macht es Sinn, dort anzufangen, wo es noch jeder verstehen kann.

Immerhin konnte Edmund Husserl mit seinem Programm "zurück zu den Dingen" recht bekannt werden. Dies aber auch nur, weil die Wissenschaft, nicht nur die Philosophie, die Lebenswelt weitgehend vergessen hat. Daran hat sich bis heute wenig geändert: "Das ist ja nur subjektiv" oder "kannst du das objektiv beweisen?" sind längst allgemeine Redensarten. Es gibt ein Primat des Abstrakten und Objektiven vor dem Subjektiven. Dieses hätte aber die gleiche Anerkennung verdient, denn das Subkektive ist die lebenslange Wirklichkiet jedes Menschen.

Wissenschaft und Demokratie bedingen einander wechselseitig

Eine eher interpretationsbedürftige Aussage.

Wissenschaft und Demokratie

Wissenschaft hat ueberhaupt nichts mit politischen Systemen zu tun. Egal ob 'Demokratie' (die sowieso nicht existiert - eher gewaehlte Oligogarchien heutzutage), oder Dikatatur: Wissenschaft ist erfolgreich wo entweder ein klares Ziel gesetzt wird und/oder Wissenschaftlern der Bewegungsraum fuer Forschung gewaehrleistet ist.

Na ja, ich würde schon meinen, dass wissenschaftliche Rationalität politische Implikationen hat. Gute Wissenschaft kann nur in einem politischen bzw. sozialen System funktionieren, in dem es ein hohes Maß an Meinungsfreiheit, Bereitschaft zu kritischer Diskussion, Pluralismus und Wahrheitsethos gibt. Aber das hat natürlich nichts mit einem simplen Mehrheitsprinzip zu tun.

und ein profitorientiertes gesamtsystem schließt beides aus - sowohl demokratie als auch freie wissenschaften.

und leider haben wir nur ein solches.

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