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Wien - Die Vienna Insurance Group (VIG) hat im Vorjahr die 10-prozentige Steigerung des Vorsteuerergebnisses auf 559 Mio. Euro trotz Abwertungen (Impairments) von insgesamt rund 250 Mio. Euro erreicht. Etwa 200 Mio. der Abschreibungen erfolgten bei Wertpapieren - überwiegend in Aktien (130 Mio.), der Rest bei Anleihen, sagte CFO Martin Simhandl am Donnerstag im Bilanzpressegespräch. Im Ausmaß von 40 Mio. Euro gab es außertourliche Impairments in Rumänien, vor allem wegen Problemen im Kfz-(Leasing-)Geschäft. Für Georgien und die Ukraine wurden laut VIG-Chef Günter Geyer vorzeitige Abschreibungen im Versicherungsbestand vorgenommen, wodurch das Segment "Übrige Märkte" 4 Mio. Euro EGT-Verlust statt 34 Mio. Gewinn schrieb.
Staatsanleihen aus den "PIIGS"-Staaten hatte die VIG Ende 2011 nur noch im Ausmaß von 83 Mio. Euro in ihrem Portefeuille - 0,3 Prozent der gesamten Investments. Davon entfielen 52 Mio. Euro auf irische Government Bonds, 14 Mio. auf italienische, 9 Mio. auf griechische und 8 Mio. auf spanische. Die Summen für Irland und Griechenland enthalten Impairments von rund 45 Mio. für diese beiden Länder, heißt es in einer Fußnote in Präsentationsunterlagen zur heutigen Telefonkonferenz. Portugal-Staatsbonds hält die VIG gar keine.
Kapitalanlagen
VIG-Chef Geyer betonte im Pressegespräch, dass von den gesamten Kapitalanlagen von 28,65 Mrd. Euro Ende 2011 zwar 60 Prozent auf Anleihen entfallen sind, aber nur 8,86 Mrd. Euro davon auf Staatsanleihen und staatsgarantierte Bonds. 27 Prozent der 8,86 Mrd. Euro steckten in tschechischen Papiere, 20 Prozent in österreichischen, 12 Prozent in polnischen, 9 Prozent in slowakischen, 6 Prozent in deutschen, das restliche Fünftel entfällt u.a. auf Kanada, England, Australien.
Einen Gewinn-Ausblick für 2012 gibt die VIG nicht. Der Ende Mai aus dem operativen Geschäft an der Konzernspitze scheidende Generaldirektor Geyer meinte zwar, sein Nachfolger Peter Hagen werde nächstes Jahr für heuer ein weiteres Rekordergebnis präsentieren. Angesichts der Finanzmarkt-Situation und der generellen Unsicherheit hielte man eine konkrete Bezifferung der Ziele für 2012 aber für "unseriös", so Hagen.
Die Wertberichtigung auf Prämienforderungen in Rumänien im Ausmaß von 40 Mio. Euro, die 2011 im dortigen Geschäft zusammen mit rückläufigem Kfz-Leasing-Geschäft und der Auto-Schadenentwicklung 12,8 Mio. Euro Verlust bescherte, habe man als "Vorsichtsmaßnahme" vorgenommen, sagte Geyer. Dem stünden allerdings bisher in Rumänien erzielte Erträge von über 100 Mio. Euro und aktuell über 500 Mio. Euro Jahresprämie gegenüber. Heute lasse sich noch nicht beantworten, ob in Rumänien weitere Maßnahmen nötig werden könnten.
Das 10-prozentige EGT-Plus 2011 bezeichnete Geyer als "hervorragend" und die 3,4-prozentige Einnahmensteigerung auf 8,9 Mrd. Euro im Konzern als "schön". Gedämpft entwickelte sich freilich die Lebensversicherung mit lediglich 1,0 Prozent Zuwachs auf 3,944 Mrd. Euro: An laufenden Prämien nahm man zwar mit 2,290 Mrd. Euro um 3,3 Prozent mehr ein, die Einmalerläge sanken konzernweit aber um 1,9 Prozent auf 1,642 Mrd. Euro. Am stärksten fiel das Minus in Leben in Österreich aus mit -9,6 Prozent auf 1,941 Mrd. Euro - wegen der Verlängerung der "Liegezeit" von 10 auf 15 Jahre -, während die Sparte im CEE-Raum kräftig um 18,3 Prozent auf 1,863 Mrd. Euro wuchs; dort war vor allem die s Versicherung Gruppe der Wachstumstreiber.
Dämpfer in Leben
Der Dämpfer in Leben schlug sich auch im Gewinn vor Steuern nieder: In der Sparte ging das konzernweite EGT im Vorjahr um 3,5 Prozent auf 240 Mio. Euro zurück, während es in Schaden/Unfall um 21,9 Prozent auf 271 Mio. Euro wuchs und in der Krankensparte sogar um 30,3 Prozent auf 48 Mio. Euro zulegte. Ein Drittel des Konzern-EGT stammte 2011 mit 190 Mio. Euro aus Tschechien, wo mit 1,849 Mrd. Euro ein Fünftel der Konzernprämie eingenommen wurde.
Geyer verwies einmal mehr auf die CEE-Erfolgsstory der VIG: Seit 2009 sei man dort mit 8,4 Prozent deutlich stärker gewachsen als im Konzern insgesamt (5,3 Prozent), im Vorjahr waren es im Osten 7,7 Prozent, in der Gesamtgruppe 3,4 Prozent, in Österreich Null. Zudem wachse man im CEE-Raum schneller als der Gesamtmarkt, in Tschechien etwa um 5,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent der Branche, in der Slowakei 4,7 gegenüber 2,1 Prozent, in Polen 31,7 gegenüber 5,5 Prozent. Und in Rumänien sei die VIG 2011 trotz Prämienanpassungen um 3,2 Prozent expandiert, während der Gesamtmarkt bis September um 3 Prozent geschrumpft sei.
Den Vorsteuergewinn steigerte die CEE-Region im Vorjahr kumuliert um 14,8 Prozent auf 281 Mio. Euro gegenüber 10,1 Prozent Zuwachs auf 559,0 Mio. Euro im VIG-Gesamtkonzern.
Mit einer Eigenkapitalquote von 12,7 Prozent der Bilanzsumme könne sich die VIG sehen lassen, so Geyer, bei der deutschen Talanx und der deutschen Allianz seien es nur rund 7,5 Prozent, bei anderen noch weniger. Absolut erhöhte sich das Eigenkapital von 5,03 auf 5,05 Mrd. Euro.
"Stille Reserven"
Insgesamt verfüge die VIG über "stille Reserven" von 1,2 Mrd. Euro, sagte Geyer. Allein an stillen Schadenreserven habe man nach Steuern um eine halbe Milliarde mehr als man haben müsse. "Wir sind nicht nur gut, sondern sehr gut aufgestellt", so der VIG-Chef.
Bei der Entwicklung des Embedded Value - dem Wert des Bestandes an Versicherungsverträgen vor allem in Leben und Kranken - liege die VIG in ihrem strategisch definierten Korridor, betonte Vorstandsdirektor Franz Fuchs. Tatsächlich wurde er 2011 um 6,3 Prozent oder um 311 Mio. auf 5,28 Mrd. Euro gesteigert, dabei um 8,7 Prozent in CEE (Korridor 7 bis 9 Prozent) und um über 2 Prozent in Österreich/Deutschland (Korridor 2 bis 3 Prozent).
Dass die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) Dienstagabend das ausgezeichnete Rating der VIG mit "A+" mit stabilem Ausblick bestätigt habe, unterstreiche die starken Fundamente sowie die Kapitalstärke der VIG, so Geyer: "Wir sind die einzige vergleichbare Gesellschaft, die auch in schwierigsten Zeiten ihr Rating bestätigt bekommen hat mit stabil - und überhaupt das bestgeratete Unternehmen im ATX." Auch S&P anerkenne jetzt, dass die Strategie der VIG im Vergleich zu anderen Playern "eine hervorragend positive" sei.
Die VIG-Aktie blieb am Donnerstag an der Wiener Börse zurück: Knapp nach 12.30 Uhr lag sie mit 32,955 Euro um 1,29 Prozent tiefer, während der ATX bis dahin lediglich 0,67 Prozent im Minus lag. (APA, 29.3.2012)
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