Was die Kinder der Haubenköche essen

  • Auch für Haubenköche ist es nicht immer einfach, die Kids zu gesunder Ernährung zu bewegen.
    foto: jennifer kolling/pixelio.de

    Auch für Haubenköche ist es nicht immer einfach, die Kids zu gesunder Ernährung zu bewegen.

Kinder essen bekanntlich nicht nur, was ihnen gut tut - wir hörten uns bei Köchen um, ob das bei deren Kids auch so ist - und wie sie gegensteuern

Toni Mörwald macht zwar aus Überzeugung Werbung für McDonald's, seine Töchter aber essen doch lieber beim Pariser Dreisternekoch Pierre Gagnaire: "Wir haben in Paris an einem Abend in dessen legendärem Restaurant gespeist", sagt der Multigastronom aus Feuersbrunn und Vater zweier Töchter. "Als wir tags darauf in einer klassischen Pariser Brasserie eingekehrt sind, war meine Theresia fast ein bisserl enttäuscht und hat gefragt, warum wir nicht jeden Tag 'zum Pierre' essen gehen können".

Mörwald: "Worum es geht, ist Abwechslung"

Beim Dreisterner, so Mörwald, habe es seiner Neunjährigen eben deutlich besser gefallen. Das mag auf den ersten Blick nach einem Luxusproblem klingen, in Wahrheit aber geht es dem Kochmulti in der Familie auch nicht viel anders als anderen Eltern auch: Was die Kinder essen und was nicht, stimmt nicht immer mit dem überein, was ihnen guttut.

In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich zwar keineswegs von Erwachsenen, aber, so zumindest die fromme Hoffnung der Eltern, vielleicht lassen sich ja in jungen Jahren ein paar Muster im Kopf fixieren, die die kulinarische Horizonterweiterung auch jenseits von Schnitzi, Pizza und Pommes befördern.

Mörwald ist überzeugt, dass Fastfood an sich nichts Schlechtes sei und den Kids durchaus vorgesetzt werden dürfe - dass es aber entscheidend sei, daneben auch andere, nicht zuletzt auch geschmacklich überlegene Alternativen aufzuzeigen: "Worum es geht, ist Abwechslung."

Petz: Das gemeinsame, mit Hingabe zubereitete Mahl

"Zu einem wesentlichen Teil liegt die Verantwortung tatsächlich bei den Eltern", sagt Christian Petz, Vater dreier (zum Teil bereits erwachsener) Söhne. "Wer daheim nur selten wirklich kocht, wer im Restaurant automatisch das Kinderschnitzel mit Pommes ordert, um auf der sicheren Seite zu sein - der darf sich nicht wundern, wenn die Kinder dann nicht wissen, was sie mit echtem Essen anfangen sollen."

Petz, der nach Jahren an der Spitze heimischer Küchenkunst (Palais Coburg) am Badeschiff beweist, dass richtig gutes, richtig spannendes Essen ganz und gar nicht teuer sein muss, war es stets wichtig, dass auch zu Hause " immer frisch gekocht wurde".

Das gemeinsame, mit Hingabe zubereitete Mahl, zu dem auch möglichst jeder einen Teil beitragen sollte, ist in seiner "heiligen Regelmäßigkeit" ein kaum zu überschätzender Faktor, damit die Kids mitbekommen, wie wichtig, wie schön und erfüllend jene Zeit ist, die man gemeinsam beim Essen verbringt. 

Den Kindern ruhig etwas mehr zumuten

Die Freude am Ausprobieren, am Experimentieren komme dann fast von selbst: "Wenn ich meine Burschen frage, was sie am Abend essen wollen, dann kommt gar nicht selten die Antwort, dass es doch auch etwas ohne Fleisch sein dürfte." Und das von Burschen im Alter von 19, 17 und zwölf Jahren.

Klar, dass solche Freude an variantenreichem Essen nicht ganz zufällig entsteht: "Man muss den Kindern ruhig etwas mehr zumuten", ist Petz überzeugt. "Nur mittels Würstel und Ketchup oder ähnlichen Kinderjausen-Klassikern wird man die Kids kaum zu mündigen Essern erziehen."

Obauer: Gemeinsames Backen

In dieselbe Kerbe schlägt auch Rudi Obauer vom gleichnamigen Restaurant in Werfen. Obauer, der mittlerweile wohl der längst dienende Küchenchef an der absoluten Spitze der österreichischen Restaurantlandschaft ist, hat zwei erwachsene Söhne, die selbst schon in der Spitzengastronomie tätig sind; der dritte beginnt demnächst mit der Hotelfachschule. "Wir haben sehr schnell begonnen, den Buben auch exotisch gewürzte Speisen vorzusetzen - schließlich werden Geschmacksmuster schon in früher Kindheit festgelegt."

Das Erlebnis, wie unterschiedlich gutes Essen schmecken kann, sei eine wichtige Erfahrung, um sich auch als Erwachsener einen wachen, für Neues offenen Gaumen zu bewahren. Zumindest ebenso wichtig ist für Kinder das Erlebnis, dass zu Hause gekocht wird. "Klar geht es sich nicht immer aus, dass alles selbstgemacht ist. Aber gemeinsames Backen, das Erlebnis, wie aus Mehl, Butter, Eiern und Zucker ein köstlicher Kuchen erschaffen wird - das muss man den Kindern mitgeben auf den Weg." 

Nur so, erklärt der Vierhaubenkoch, könnten sie schließlich begreifen, dass Kochen ein kreativer Prozess ist, für den man auf einzigartige Weise belohnt wird - nämlich mit unmittelbarem Genuss einerseits und dem Selbstbewusstsein andererseits, dass man diese Köstlichkeit ganz allein gebacken habe. (Severin Corti, DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2012)

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