Deutscher Staatstrojaner: Sex, Bugs und Ahnungslosigkeit

  • Der Bericht des deutschen Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar übt starke Kritik am Einsatz des Staatstrojaners.
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    Der Bericht des deutschen Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar übt starke Kritik am Einsatz des Staatstrojaners.

Per Skype geführte Sexgespräche durften aus "technischen Gründen" nicht gelöscht werden - Interner Bericht zieht vernichtende Bilanz

Als der Chaos-Computer-Club vor einigen Monaten eine Kopie des von deutschen Behörden eingesetzten Staatstrojaners aufgetan und diesen einer - in Teilen geradezu vernichtenden - technischen Analyse unterzogen hat, löste dies gehörige Wellen in der öffentlichen Diskussion zu dem Thema auf. Nun folgt ein weiterer "Leak" - und auch der hat es wieder in sich, gibt er doch auch Einblick in den den konkreten Einsatz des Trojaners.

Leak

So ist auf der linken Infoplattform Indymedia die Rohfassung eines Berichts des  Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar gepostet worden, in der sich dieser mit der "Quellen-Telekommunikationsüberwachung" auseinandersetzt. Auf den bisher 68 Seiten wird dabei allerlei sowohl aus technischer als auch aus Privacy-Perspektive Problematisches aufgedeckt, allen voran ein Fall bei dem private Sexgespräche eines Überwachten aufgezeichnet wurden.

"Fehlende" Funktionen

Dieser hatte sich in intimer Weise mit seiner Freundin per Skype ausgetauscht, all dies wurde nicht nur mitgeschnitten sondern auch bis heute nicht gelöscht. Eine Teillöschung sei technisch nicht möglich, argumentiert die Staatsanwaltschaft knapp. Auch an anderen Fällen zeigt sich, dass man offenbar schlicht auf die Möglichkeit, private, für die Ermittlungen unerhebliche, Informationen zu löschen, "vergessen" hat.

Abschaltung

Ähnliche technische Defizite, die in einer Überschreitung des per Gesetz geregelten Überwachungsauftrags resultierten, gab es auch an anderer Stelle. So verweist Schaar auf einen Fall, bei dem die Überwachung gut fünf Wochen länger als eigentlich genehmigt vorgenommen wurde. Die simple Ursache: Bei der Entwicklung des Staatstrojaners hatte man offenbar nicht daran gedacht einen Mechanismus zur Selbstdeaktivierung  einzubauen, von außen schaffte man es aber in dem Zeitraum angeblich nicht den Trojaner abzuschalten.

Defizite

Darüber hinaus bestätigt der Datenschutzbeauftragte zentrale technische Defizite bei der Implementation des Trojaners, die schon der CCC kritisiert hatte. So sei etwa die AES-Implementierung alles andere als zureichend, da man hier einen fest einprogrammierten Schlüssel verwende, wie sich leicht mit einem Hex-Editor feststellen lasse. Für eine wirklich eingängige Analyse wäre allerdings der Quellcode notwendig, das Fehlen desselben führe dazu, dass die Behörden selbst gar "nicht in der Lage (wären), die Funktionalität der von ihnen eingesetzten Programme zu beurteilen", so der Bericht. Die Dokumentation zum Staatstrojaner sei zudem ebenso mangelhaft wie das Wissen der einsetzenden Behörden über dessen Funktionen.

Fazit

Besonders interessant aber wohl auch eine andere Erkenntnis von Schaar, die die Sinnhaftigkeit eines Staatstrojaner-Einsatzes weiter in Frage stellt: In keinem einzigen der untersuchten Fälle trugen die ermittelten Daten zur Verurteilung eines Beschuldigten bei, in einigen Fällen wurden sie gleich gar nicht herangezogen. (red, derStandard.at, 20.02.12)

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Als Ergebnis eines Urteils nach dem FOIA mußte das "…'omeland of Sekkirity" eine Reizwortliste veröffentlichen, auf deren Basis E-Mails von dem sauteuren Mainframe-Klumpert, irgendwo tief unter Tage automatisch gescannt werden…

…Dümmer gehts wohl nicht mehr, wiewohl dieses Dokument ein weiterer Beweis dafür ist, daß der Begriff "Intelligence" im Zusammenhang mit irgendwelchen Agenturen einen Widerspruch in sich darstellt:
http://www.huffingtonpost.com/2012/02/2... 99908.html

Telefonzelle

Na da wird die gute alte Telefonzelle aber wieder vermehrt -naja eher halbseidene- Kundschaften anlocken. Da wollte die Telekom die zum Strassenbild gehörigen Häuschen schon komplett entfernen, aber da kommt die Bundesregierung und verhilft diesem Teil des Strassenbildes zu ungeahnten Höhenflügen. Naja vielleicht braucht man aber irgendwann die Bürgercard um ein öff. Telefon zu nutzen. Herrliche Aussichten. Alles für den Kampf gegen Terrorismus?

Man hat nichts vergessen!

Totalüberwachung ist Totalüberwachung!

Viel Spass noch im NWO Zeitalter!

Vodasp:

Das witzige an der Sache wird sein, dass Profil, News, Falter, dann zufällig Mitschnitte von privaten intimen Gesprächen der PolitBeamten veröffentlichen wird, wenn im Fall Kampusch oder Grasser gerade nichts weiter geht.

Beinahe wäre ACTA auch von solchen Ahnungslosen durchgewinkt worden !

kommt noch, jetzt wartet man bis der wirbel sich legt - dann winkt man durch

Immerhin werden die "Piraten" für dauernde Aktualität sorgen !

Ich habe vor etwa zehn Jahren eine für Informatik zuständige Politikerin einer Regierungspartei gesprochen - so was von ahnungslos !

der wichtigste satz:

"In keinem einzigen der untersuchten Fälle trugen die ermittelten Daten zur Verurteilung eines Beschuldigten bei, in einigen Fällen wurden sie gleich gar nicht herangezogen."

Logisch, weil nichts intim Geiles dabei war.

Nicht vergessen: Vorratsdatenspeicherung

Ab April werden von allen Bürgern die Bewegungsprofile, Anrufe bei Sex-Hotlines und SMS gespeichert.

Weil die korrupte Politik die Bürger fürchtet, wird die Privatsphäre der Bürger kurzerhand abgeschafft. Der Schwanz wedelt mit dem Hund (Wag the Dog)...

Dann rufens lieber nie eine Gay-Hotline an oder surfen eine Gay-Site an, denn das könnte Ihnen einen Vermerk bei der Polizei einbringen!

siehe http://www.peterpilz.at/8/peter-p... -texte.htm @Rosa Winkel

würd mich schon interessieren wer wirklich solche Hotlines anruft... Ich meine, die "Reizschwelle" bei diesen Herrschaften scheint ja am unteren Rand zu liegen. ;-')

völlig Egal wer dort anruft!

solange das Angebot (Sexhotline) nicht strafbar ist hat es niemanden zu interessieren was dort gesprochen wird oder hängen im Bordell Microphone, sitzen dort Verfassungsschützer und Sicherheitsbeamte?
Viel interssanter wären da manche Telefongespräche von Regierungsmitgliedern, Ministern, ect.
Aber wer will schon einen Überwachungsstaat? Ich nicht!

Ja, im oder um Bordellen und Sauna-Clubs ...

..wurden Vertreter dieser Spezies bzw. einer ihrer verwandten Arten gesichtet ;)

Wehrt euch dagegen

http://zeichnemit.at/

na hoffentlich wirds dadurch auch einfacher

diese korrpute band zu f***en... und wenn schon nicht das, dann wenigstens öffentlich bloßstellen.

KORRPUT?? wasndas?

Und welche Musikgruppe wollen´s denn kopulieren?

nicht nur bei sexhotlines - _alle_ verkehrsdaten
(uhu, doppelter wortwitz)

Jaja die Verkehrsdaten im doppelten Sinn: die Anrufe im Puff zur Damenwahl ergeben ebenso "Verkehrsdatenprofile" ;-)

Ist der tolle Trojaner -wie schon lange versprochen-

nun auch auf Linux lauffähig oder muss ich -sollte gegen mich ermittelt werden- eine eigene Linuxversion davon downloaden und installieren?!?!?!?

Um die Funktion zu gewährleisten, sollten Sie Google Chrome oder Mozilla Firefox verwenden. Bestätigen Sie bitte alle empfohlenen Plugins.
Falls Sie Epiphany oder Konqueror als Browser verwenden sollten, ist die Funktion des Trojaners derzeit nicht garantiert.

Sie werden hiermit

freundlichst gebeten, sich den Staatstrojaner selbst zu coden, zu kompilieren und auf ihren Systemen auszufuehren.
Sollte er klaglos funktionieren - wir werden Sie informieren - duerfen Sie uns den source Code und die kompilierte Version kostenlos zur Verfuegung stellen.

P.S.: bitte auch fuer andere ..ix versionen kompilieren, danke.

Ihr Bundesnachrichtendienst

In welchem Computerheftl

gibts den auch zum abtippen? wär so richtig retro und funkt das auch auf meinem C64? ich mein ich müssts nur einmal abtippen und kanns dann auf meiner Datasette speichern, bin ja modern... ;-)

...

"In keinem einzigen der untersuchten Fälle trugen die ermittelten Daten zur Verurteilung eines Beschuldigten bei, in einigen Fällen wurden sie gleich gar nicht herangezogen."

<3

wir sollten gesetzlich dazu verpflichtet werden ein online tagebuch zu führen wo alles was wir gemacht haben drinnen steht - dann können sie sich den staatstrojaner auch sparen. wär das nicht schön? :)

wir sollten gesetzlich dazu verpflichtet werden ...

nennt sich facebook ;)

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