Papst: Scheuklappen-Erlass für afrikanische Bischöfe

Wolfgang Bergmann, 12. Dezember 2011, 10:49
  • Archivbild: Der Papst bei einem Besuch in Kamerun im Jahr 2009.
    foto: epa/ciro fusco

    Archivbild: Der Papst bei einem Besuch in Kamerun im Jahr 2009.

Den Satz würde man in seiner undiplomatischen Direktheit in einem vatikanischen Dokument nicht erwarten. Im seinem apostolischen Schreiben, das der Papst höchstpersönlich im November in Afrika ablieferte, heißt es in der Passage über die Bischöfe genau an der Stelle, wo er an die Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri appelliert, wörtlich: „Vergeudet eure menschlichen und pastoralen Kräfte nicht in der unnützen Suche nach Antworten auf Fragen, die nicht in eure direkte Zuständigkeit fallen..." (vgl Africae Munus 102). Im gleichen Atemzug werden die Bischöfe vor Nationalismus und „der Verabsolutierung der afrikanischen Kultur" gewarnt. In diesem Absatz formuliert Benedikt ein bisschen kraut- und rübenartig. Betreffend seine Auffassung von Leitung ist er jedoch ungeschminkt eindeutig. Unnütze Vergeudung! - Kann man die Ablehnung des Engagements seiner Mitarbeiter noch uneleganter ausdrücken? 

Nur vordergründig sieht dieses Dokument nach einer unaufgeregten Neuauflage des Afrika-Schreibens von Johannes Paul II. aus, das dieser 1995 veröffentlicht hat (Ecclesia in Africa). Zunächst liest es sich als großer Appell für die Menschenrechte (inklusive der Frauenrechte!), für den Frieden, für gerechte politische und wirtschaftliche Verhältnisse und für den Respekt vor der afrikanischen Kultur. Alles wunderbar.

Bei genauem Hinsehen setzt Benedikt die Unterschiede aber schon beim Absender des Briefes. Firmierte sein Vorgänger schlicht als Papst, sendet Benedikt unter „seine Heiligkeit". (Merke: wenn jemand etwas, worauf sein Vorgänger verzichtet hat, wieder einführt, will er damit etwas Besonderes ausdrücken!)

Baute Johannes Paul die Kirchenkonzeption von unten auf - beginnend bei den „lebendigen Kirchengemeinden" mit den Laien, entwickelt Benedikt „die Glieder der Kirche" von oben herunter. (Merke: Eine vorgegebene Gliederung wird nie zufällig geändert). Für die Hirten schreibt der amtierende Papst vier Mal mehr Text als Johannes Paul und verpasst ihnen dabei die oben beschriebenen Scheuklappen. Kurzformel: Mitdenken unerwünscht! In etwas missglückter poetischer Sprache formuliert er: „Ein Bischof muss ein in Christus Verliebter sein." Um dann ganz unpoetisch von der „Ausübung der Jurisdiktionsgewalt" zu sprechen. Johannes Paul war ohne dieses Wortungetüm ausgekommen. 

Benedikt XVI. setzt aber nicht nur bei Interna andere Akzente als der polnische Papst. Zur besonderen Enttäuschung wird der Abschnitt über „die traditionellen afrikanischen Religionen". Ist das Schreiben zunächst - Johannes Paul folgend - von großem Respekt für die afrikanische Kultur geprägt, ortet Benedikt aber „einen gewissen Aufschwung" in Sachen „Hexerei", die er wörtlich auch als „Plage" bezeichnet - eine hetzerische Terminologie, die sich nach der historischen Schuld der Kirche zu diesem Thema verbietet. Statt eine gediegene Analyse zu liefern, wo er in diesen Religionen Förderliches findet und wo er für Menschen abträgliches ortet, empfiehlt er lediglich, die Kirche könnte (er bleibt tatsächlich im Konjunktiv) „gewisse Elemente der traditionellen afrikanischen Kulturen, die mit der Lehre Christi übereinstimmen, in einer theologischen Studie untersuchen." Das hat freilich schon Johannes Paul verlangt. Damals wurde der klare Wunsch ausgesprochen, „die Bischofskonferenzen mögen, was die Fragen Ehe, Ahnenverehrung und Geisterwelt betrifft, in Zusammenarbeit mit den Universitäten und den katholischen Instituten Studienkommissionen ins Leben rufen, um alle kulturellen Aspekte der Probleme gründlich zu untersuchen, die sich unter theologischem, sakramentalem, rituellem und kirchenrechtlichem Gesichtspunkt stellen." Das hat noch nach einer möglichen Versöhnung der Religionen geklungen. Da fragt man sich: Was ist eigentlich in den letzten 16 Jahren verplempert worden? Liegt es an den Bremsern im Vatikan - oder haben die afrikanischen Bischöfe ihre pastoralen Kräfte in der unnützen Suche nach Antworten auf andere Fragen vergeudet, die gar nicht in ihre direkte Zuständigkeit fallen?

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig. (derStandard.at, 12.12.2011)

Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling: "Die kleinere Sünde" (Czernin-Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche

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Sagen Sie, Herr Bergmann, wissen Sie, wie dieses

Dokument zustande gekommen ist? Es war eine Bischofssynode in Afrika, die diese Themen in eben dieser Richtung angesprochen hat. Rom hat quasi das "Sitzungsprotokoll" geliefert.
Es waren afrikanische Bischöfe, die gewisse Fragestellungen als Vergeudung gesehen haben und es waren Afrikanische Bischöfe, die vor der Gefahr der sich wieder ausbreitenden Hexenlehren warnen.
Lesen Sie auch UN Dokumente dazu.
Nur einer von vielen Links:
http://www.iheu.org/un-publis... aft-africa
Ein mir bekannter Bischof in Afrika, der bei dieser Synode war und sich sehr auf das Dokument gefreut hatte, hatte als einzige Sorge gehabt, dass das Dokument, aus diplomatischen Gründen zu sehr entschärft werden würde.

Fortsetzung

weist nicht in Richtung Moderne.

Benedikt glaubt zu wissen, was die Menschen zu denken haben. Kadavergehorsam fordert er von Bischöfen und Priestern.

Seid wachsam: die Kirche war nicht immer so - die Päpste hatten nicht immer so viel Macht -

KatholikInnen - lasst euch das nicht gefallen!!!!

Heiligkeit, Stellvertreter...was für Titel --nur Gott allein ist heilig. Es ist eine Anmaßung eines Menschen, sich Stellvertreter christi zu nennen, eine Frechheit.

Muss man das eigentlich noch kommentieren

Dieser Papst und sein Vorgänge haben das System Kirche genau dorthin geführt, wo sie sich im vorkonziliaren Raum bewegte. Vollgas zurück.
Nur vordergündig wenden sie sich in einem moderenen Marketing an die Menschen. Wer genauer hinsieht, sieht eine Kirche, die vom Papst doktrinär regiert wird.
Über die vielen Jahrhunderte versuchten konziliare Ideen, die Machtfülle der Päpste einzuschränken.
Seit Pius IX (19.Jahrundert) und seinem Unfehlbarkeitsdogma, versuchen die Päpste sich als unumschränkte Herrscher in der Kirche.
Johannes XXIII versuchte eine Öffnung. Johannes Paul II (Papa polacco) und Benedikt XVI haben ein Papstbild des Absolutismus. Das Auftreten von Benedikt in mittelalterlichen Gewändern und Paramenten weist nicht in Richtung

Hexerei ist ein Plage

Was soll daran zu rütteln sein?
Die Kirche trägt hier sicher eine geschichtliche
Schuld, weil sie zuerst zugeschaut und dann auch
mitgemacht hat. Aber anders als etwa
Prozesse gegen Ketzer ist das etwas,
das nicht von der Kirche gekommen ist,
sondern um einen vor- und außerchristlichen
Aberglauben. Im Mittelalter hat die Kirche noch
dagegen gekämpft (Hexenprozesse waren verboten
oder unerwünscht), erst in der Neuzeit kam es
in Europa zu dieser Massenhysterie (der sich auch
Luther nicht entziehen konnte)

hexerei ist keine plage
weil hexen zumeist kräuterkundige waren und auch gelehrte, nicht nr rfrauen auch männer wurden verbrannt
hexen hatten auch wissen der "vorchristlcihen" zeit inne, und es wurde auch weiter gegeben......
im prozess der romanisierung sowie der christinaisierung (römsich katholisch nonaned).. kam es zur inquisition, hexenverbrennung massenmord, kreuzzüge (auch in europe)..etc dieser prozess dauerte lange an bis die machtstrukturen der kriche zugunsten der monarchien und staaten weicher/aufgelockert wurden..ect

Hexerei ist keine Plage sondern Kircherei..

das ist die wahrheit die viele nicht hoeren wollen

stattdessen verteidigen viele menschen organisationen wie die katholische kirche (es gibt auch gutes was die kirche macht), die mafia (hat die wasserversorgung in sizilien geregelt und schafft arbeitsplaetze) und/oder den nationalsozialismus (anstaendige landreform und beschaeftigungspolitik) ohne die gesamtsysteme mit ihren imanenten verbrecherischen strukturen und mechanismen zu sehen!!!

finden Sie es wirklich logisch

dass der Prozess der Romanisierung an den Hexenverbrennungen schuld sein soll - obwohl die ein halbes Jahrtausend später abliefen?

finden Sie es wirklich logisch, dass Hexen vor allem in den hintersten Tälern verbrannt wurden weil die die Mediziner und Gelehrten in den mehreren Tagesreisen entfernten Städten ihre Konkurrenz gefürchtet haben sollen?

Q"weil hexen zumeist kräuterkundige waren und auch gelehrte"

Märchen.

Ich habe da vielleicht etwas ungenau
Hexerei mit Hexenverfolgung synonom
verwendet. Das lässt sich aber schwer
trennen. Es hat vielleicht wirklich die eine
oder andere Frau oder Mann mit
Heilwissen gegeben. Gegen die hat
auch niemand etwas und um die geht es
in Wirklichkeit gar nicht.

Es geht darum dass man sich einbildet,
das jemand einen irgendwie verzaubert
hat, Korn hats verhagelt, Kuh keine Milch etc.
Jetzt wird ein Sündenbock gesucht und
immer(!) gefunden. Jemand muss ja
schließlich schuld sein an der Misere und
derjenige muss dann büßen.

Der kleine Mann redet sich das heutzutage schön,
dass das die Kirche war. Stimmt nicht, es war
mehr oder weniger Lynchjustiz und Massenhysterie des Volkes.

Luther war ein Kind seiner Zeit & glaubte, wie (das Gros) seine Zeitgenossen, genauso an bösartige Geister, Hexerei, 2000Teufelsformen etc.
Hexerei, Schadenszauber... Ließ schon Karl dGr böse ahnden (fast Verratsstrafsatz), den Glauben daran konnte das leider auch nicht ausmerzen.
Wenn man sich die Anklagen va gg Hexen (weibl) durchliest, muß man sich schon fragen, ob die Verfasser insg, & va aber sexuell, nicht viell komplett verkorkst waren.

Je dunkler der Dorfwald, desto dunkler die darin imaginierten Welten, kommt mir oft vor.

Back to Topic:

Ein weiterer Pflasterstein am Weg der Kirche in die Bedeutungslosigkeit. Weitermachen Ratzinger!

Es ist eben genau andersrum.
Karl der Grosse ließ Hexenverfolgungen VERBIETEN!

Er extra dafür ein Gesetz erlassen
das einen Beschluss des Konzils von Paderborn
(785 a.D.) bestätigte.

Der Grund war, weil die gerade christianisierten
Sachsen sonst fröhlich mit dem Verbrennen
von "Schadenszauberern" weiter gemacht hätten.

Selbiges gemeint, nur falschrum... Danke für die Richtigstellung!

Ad "Neuzeit"

Es gilt unter Historikern sogar die Faustregel: "Je weiter von Rom entfernt, desto mehr Hexenverfolgung".

das kann ncihts ein weil am meisten war in mitteleurope... iralnd GB usw war nciht so wie in österreich zum beipiel

Und am wenigsten gab es im Zuständigkeitsbereich der römischen und der spanischen Inquisition.

Das reichte bis weit nach Nordeuropa. Es ist natürlich keine strenge Proportionalität, aber im großen und ganzen stimmt die Faustregel schon. Wenn man möglichst gut geschützt sein wollte vor den irrational-hysterischen Auswüchsen der Hexenverfolgung, dann gab es keinen sichereren Platz in Europa als Rom!

Meine Wissenstand diesbezgl umgreift nur Festlandeuropa (+ Brit Inseln & etw Neue Welt), trifft das auf Skandinavien auch zu?
Lit? Würde diese Lücke gerne schließen. Vielen Dank!

In Skandinavien erreichte die Hexenhysterie ihren Höhepunkt im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts.

Interessanterweise konnte selbst im erzprotestantischen Schweden die katholische Amtskirche einen mäßigenden Einfluss ausüben. Die schwedische Königin Christina hatte in Rom den "Sonderbeauftragten" des Papstes gegen die Auswüchse der Hexenhysterie, Kardinal Albizzi, kennengelernt und war tief beeindruckt von seinen Erläuterungen über die Absurdität der Prozesslogik in Hexenprozessen. Da sie (die sich diesbezüglich in ihren eigenen Gedanken bestätigt fühlte) aber zu diesem Zeitpunkt keine Regierungsgewalt mehr hatte, war ihr Einfluss beschränkt.

Lit. z.B. Muchembled: "Magie et Sorcellerie en Europe" (Paris 1994)

Danke schön!

Zu den Kommentaren:

Es wär schon viel gewonnen und würde sehr zur Klärung beitragen, schwiegen die linken IdeologInnen endlich!

Die Kirche bietet die beste Orientierungshilfe in ...

... Ab- und Demontage-Fragen.
Kalkül-Politik so weit das Auge reicht - die Kirchenmänner hätten beste Voraussetzungen für politische Ämter!

Kardinal Schönborn verkündete 2010 in einer ORF Pressestunde, dass Papst Benedikt XVI in seiner Zeit als Kurienkardinal im Vatikan so sehr für Aufklärung im Fall Groer eingetreten ist,

aber ein anderer mächtiger Mann habe das im Vatikan verhindert. Und wenn Benedikt der XVI von Groers Schuld überzeugt ist, warum schickt er dann erst im Jahr 2008 den Nuntius – also seinen persönlichen Botschafter - zu einer Gedenkmesse für Groer, wo dieser ihn als Unschuldslamm hochjubelte? Im folgenden Bild sieht man Exzellenz Dr. Fahrhat, der persönlichen Worte von Papst Benedikt XVI für Groer überbrachte. Ein Hohn für die Opfer.....

http://2.bp.blogspot.com/-uZlUU0N8... 1600/1.jpg

MfG
Michael Tfirst

Mehr Fotos dazu und Details:

http://klostertreiben.blogspot.com/

verehrter herr tfirst, ich staune!
wenn ihre berichte stimmen, warum geschieht nichts? was ist los? ist die suppe zu dünne? kann eigentlich nicht sein!
es sei denn, ihre berichte sind erfunden, dann frage ich mich, warum legt man ihnen nicht das handwerk?

es muss dann wohl doch so sein, dass sie herr tfirst recht haben, dass ihre berichte den tatsachen entsprechen, obwohl es mir schwer fällt das zu glauben denn das alles ist einfach zu ungeheuerlich!

Der nächste monolithische Block...

nach dem Ostblock.

klingt witzig

aber in wirklichkeit war der RGW genausowenig ein monolithischer Block wie das heute die Kirche ist.

Das ist alles nur Fassade.

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