Das Glück liegt gleich hinter Gußwerk

Harald Fidler, 30. August 2011, 15:07
  • Hinter diesem Gußwerk gibt's viel Glück: Der hintere Zylinder der Ducati Streetfighter. Aber hallo!
    foto: harald fidler

    Hinter diesem Gußwerk gibt's viel Glück: Der hintere Zylinder der Ducati Streetfighter. Aber hallo!

  • Auf dieser Seite von Gußwerk gibt es die wilde Kraft des Hirschen und die sanfte der Wirtsleut: Fallenstein
 
Gasthof zum FallensteinZwei Gänge, Apfelsaft, Kaffee: 25,60 EuroMit Übernachtungsmöglichkeit
 
    foto: harald fidler

    Auf dieser Seite von Gußwerk gibt es die wilde Kraft des Hirschen und die sanfte der Wirtsleut: Fallenstein

     

    Gasthof zum Fallenstein
    Zwei Gänge, Apfelsaft, Kaffee: 25,60 Euro
    Mit Übernachtungsmöglichkeit

     

  • Knödel 1 im Kraftprogramm: Auf Beuschel von Wild und Kalb. Bisschen brutale Hitze, aber sonst sehr fein.
    foto: harald fidler

    Knödel 1 im Kraftprogramm: Auf Beuschel von Wild und Kalb. Bisschen brutale Hitze, aber sonst sehr fein.

  • Knödel 2 im Kraftprogramm, mit Erdäpfeln und ordentlich Hirschschnitzel: feine Sache.
    foto: harald fidler

    Knödel 2 im Kraftprogramm, mit Erdäpfeln und ordentlich Hirschschnitzel: feine Sache.

  • Hinter Gußwerk, Richtung Gesäuse: Franzbauer, auch ein Glücksspender
Gasthof FranzbauerSalzatal 15Gußwerk/St03885 209Zwei Gänge, Apfelsaft, Kaffee: 19 Euro
Übernachtungsmöglichkeit
    foto: harald fidler

    Hinter Gußwerk, Richtung Gesäuse: Franzbauer, auch ein Glücksspender

    Gasthof Franzbauer
    Salzatal 15
    Gußwerk/St
    03885 209
    Zwei Gänge, Apfelsaft, Kaffee: 19 Euro

    Übernachtungsmöglichkeit

  • Kräutersuppe, kräftigt auch
    foto: harald fidler

    Kräutersuppe, kräftigt auch

  • Knödel 3 mit einem der feinsten Wildragouts der Welt, soweit der Fidler sie gekostet hat. Und der hatte kurz davor ein wunderbares, wenn auch sehr gepfeffertes Rehragout in Flohs Donaugart'l.
    foto: harald fidler

    Knödel 3 mit einem der feinsten Wildragouts der Welt, soweit der Fidler sie gekostet hat. Und der hatte kurz davor ein wunderbares, wenn auch sehr gepfeffertes Rehragout in Flohs Donaugart'l.

Wo Dam und Alpen wild werden: Gesäuse und Hochlecken, die Cati und Du

Tun sich zwei Maßlose zusammen, kann das ganz schön ins Auge gehen. Da trifft sich gut, dass diese Ducati jedenfalls nicht durch übermäßigen Durst auffällt auf den gut 750 Kilometern, die wir an einem wunderbaren Wochenende gemeinsam hinter uns gebracht haben. Maßlos ist Ducatis Streetfighter aber in - Motorräder sind weiblich, finde ich, - ihrer ungestümen Kraft.

Herr Gluschitsch schreibt da von Brutalität. Dieser Kapazunder bleibt auch alleinig Zuständiger für die einspurige Fortbewegung, keine Sorge: Schmeck's mutiert nicht von der Fleisch- zur Benzinfresserkolumne. Aber wenn der glu schon einmal die Streetfighter aus der Hand lässt, wird man doch noch ein bisschen unzuständig schwärmen dürfen. 

150 Pferde mit nur 169 Kilo

Ich sage nur: 109 kW, das entspricht grob 150 Pferden, die leibhaftig zumindest ebenso schwer unter einem Arsch zu halten wären, und das bei trocken 169 Kilogramm. Auf das Gewicht bringt man 150 Huftiere selbst sehr dry aged nur durch sehr, sehr langes Kauen. Mein Auto hat knapp ein Drittel weniger Pferde und wiegt beinahe das Zehnfache. Gut, beim Drehmoment hat die Karre ihren Vorsprung, bringt diesen aber weitaus gesitteter auf die Straße.

Der Kraft der Ducati kann ich nur mit der Maßlosigkeit meiner Nahrungsaufnahme begegnen, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Um die zu derreiten, muss ich schon ordentlich Knödel essen. Gut also, dass Gusswerk praktisch immer am Weg liegt. Weil ein paar Ave Maria im passenden -zell nie schaden, wenn man mit einem Moped wie diesem unterwegs ist.

Gleich hinter Mariazell liegt Gußwerk, und gleich hinter Gußwerk kommt Fallenstein samt gleichnamigem Gasthaus. Auch da hilft die Kraft der Duc, wenn man sie gezielt einzusetzen imstande ist: Um zwei ist nämlich im Gasthaus zum Fallenstein erst einmal Küchenschluss, dann gibts nur noch ein paar Kleinigkeiten wie Schnitzel (nicht so meins), Nudeln mit "steirischem" (die Anführungszeichen standen so dort) Wild-Pesto (schon besser) und Beuschel von Wild und Kalb - nehm ich eh. Nicht nur wegen des beigepackten Knödels, der mir die Kraft zum Reiten verleihen möge.

Dam-Schnitt

Wie sehr mir diese Kraft fehlt, erkannte der junge Herr Ober auch ohne auf seinen eigenen Ärmel zu schauen. Der Arm schien zu zeigen: Wild macht sehr, sehr, sehr stark. Wild haben die Fallensteiner im eigenen Damhirschgehege, oder sie schießen's doch einmal in der Umgebung, womöglich zerreißts der Herr Kellner auch einfach im Vorübergehen als Workout in genießbare Stücke, wer weiß. Nein, der ist viel zu nett, bestimmt wird auch hier das Tier einfach geschnitten.

Wobei: So einfach geht der Schnitt offenbar nicht von der Hand. Ich kam, obwohl mich die Cati gut vor zwei Uhr angeliefert hatte, für den rosa Damhirschrücken ungelegen - das noch vorhandene Stück vom Rück sei zu klein, erklärte mir der große, starke Mann. Ich möge doch das sehr zarte, sehr feine Wildschnitzel in Burgundersauce nehmen. Ich widerspreche dem wirklich netten jungen Mann ungern, ich auch in der Hoffnung, dass ich danach selbst ein bisschen stärker aussehe wie er - oder gar bin.

In der Hitze des Beuschelgeflechts

Das Schnitzel war tatsächlich großzügig portioniert und fein, soweit meine von der doch etwas brutalen Hitze des Beuschels leicht beleidigte Zunge das beurteilen konnte. Gut, es war nicht mehr lang bis zwei, das Schnitzel sollte auch noch rechtzeitig in den Gast, also könnte da beim ersten Gang schon eine Mikrowelle ins Spiel gekommen sein, nach der Hitze zu schließen. Soll mir nichts Gröberes passieren.

Dabei fühlte die Küche ansonsten offenkundig mit mir: Damit das Zniachtl mit der jungen Wilden ohne gröbere Blessuren über die Runden kommt, packte sie mir zum wilden Schnitzel neben Pfirsich und Preiselbeeren noch einen Semmelknödel, und falls der auch nicht genug Kraft mit auf den Weg gibt, noch ein paar Erdapferln. Danke!

Noch ein Knödel, noch ein Hirsch

Wenn man schon im Fallenstein ist und es von Mariazell kommend nicht schon in Rasing oder Bohrwerk gefunden hat, kann man das Glück natürlich auch Richtung Wegscheid und Turnau suchen und wird gewiss fündig werden. Mich jedoch zogs, meine Cati und meinen Magen, westwärts.

Da gibts nämlich auch noch einen netten Wirten, wie mir eine der universalkundigen Kolleginnen von etat.at an Herz und Magen gelegt hatte. Sie hat da, wenn auch nicht ganz frische, so doch sehr angenehme Erfahrung. Und der Franzbauer hat auch Wild und Fisch, zur Stärkung des Fidlers für das sich anbahnende Glück.

Aber erst eine wärmende Kräutersuppe, hat ja nur 33, 34 Grad heute. Bis auf den Obersschwatz oben fällt die nicht so cremig aus, wie befürchtet, und schmeckt mir. Man soll ja bei Hitze auch Tee trinken. Angeblich.

Der Krapfen vom Hirsch

Ein Knödel fehlt jetzt noch zur nötigen Stärkung. Oder doch ein "Hirschkrapfen"? Nein, das ist nicht, was das Rotwild im Wald liegen lässt, sondern Erdäpfelteig mit Hirschfleisch. Aber auch noch gebacken? Dann lieber das Ragout vom Hirsch, mit Knödel und Salat.

Auf den ersten Blick fürchte ich ja ein schröckliches Geflachse und Gezähe, aber: eines der besten, saftigsten Wildragouts in einer kräftig-dicken Wurzelsauce. Die richtige Wahl, die rechte Auflage, die Ducati auf dem Boden zu halten. Und was für ein Boden!

Hochlecken am Attersee

Das wahre, schnaderhüpfelnde Glück wartete am Ende des Hirschen, gleich nach Gußwerk: Wildalpen, Gesäuse, Gebirg und Wald, eine nicht enden wollendes Schwingen durch eine wunderbare Welt, bis an und in und durch den Attersee, das aber dann ohne Streetfighter und Panier.

Da bräuchte es vielleicht auch gar keine geräucherte Reinanke oder Regenforelle vom Fischer Ecker in Seewalchen zum abendsonnenroten Hochlecken unter Freunden auf der Terrasse zum Glück. Aber feine Fische gehen ja immer, weiß der Maßlose.

Und weil hier so viel vom Übermaß die Rede war, üben wir uns kommende Woche in Demut. Mal was Neues in dieser kleinen, dreckigen Motorradkolumne. Und ja, der Berg am Attersee heißt wirklich so.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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da wir heute

bereits in lunz am see eine vorzügliche fischsuppe verspeist hatten, mussten wir in gusswerk passen, am seeberg ging sich in der schwanzen gams gerade noch ein apfelstrudel und ein cafe aus.

verspreche aber, dass wir die nächste biketour so timen, dass wir zur mittagszeit in gusswerk ankommen.

Als Anrainer...

...muss ich Tag für Tag mit dem Lärm der Motorradfahrer leben. Super, vielen Dank.

Klingt verlockend. Werd ich nächstes Mal beim Durchfahren der Gegend aufsuchen. Letztens hat mich "leider" schon beim Gnedt in Kernhof der Hunger gepackt, der mit einer wirklich ausgezeichneten Rehleber gestillt werden musste.

schmecks
00
31.8.2011, 23:04

rehleber? gnedt? das war meine!
besten gruß,
fid

Fürs marinierte Wildherz war ich eh zu feig...

Wieso steht da oben "Schreck's"???

...war diesmal vielleicht die Intention der Kolumne?!

ob das kein fehler war?
eventuell müssen sie ab nun auf der milz weitertrinken (tipp v. r.j.l. neuwirth - "der mensch is a pfusch")

Da oben steht noch immer "Schreck's"

Ehem,

haben Sie's wirklich noch immer nicht verstanden??!! Am 16. August hiess es Schneck's. Das ist lustig.

überhaupt ist die Gegend eine Reise wert

schmecks
00
31.8.2011, 16:10

okay, ich geh in sachen Gußwerk & Co nochmal drüber, danke für die sachdienlichen hinweise,
besten gruß, fid

:)) Und prompt

die erste Bildunterschrift falsch ausgebessert :))

Das hier abgebildete ist naemlich wirklich ein Gusswerk.

Maunchmoi laft's ned. Vielleicht doch lieber in Wien bleiben.

Gußwerk bei Mariazell und der Autor glaubt er wäre in Pröllistan, hahahah.

Scheinbar verwirrt, dieser Autor (durch den Fahrtwind wahrscheinlich), denn der Gasthof "Franzbauer", Salzatal ist in der Steiermark an der Hochschwabstraße zu finden - aber egal irgendwo in Österreich halt!

sind sie nicht so streng - auf so einem hobel mit hoher geschwindigkeit hätten sie auch das "willkommen in der stmk" taferl übersehen :-)

Das Taferl vielleicht, aber davor gibts noch den Gasthof zur Österreichischen Grenze, das ist schwerer zu übersehen. Der Name erfreut mich jedes Mal, war schon mal jemand dort essen?

nö, aber auf der auf der soboth. dort gibts den gasthof "deutsches grenzland" - soviel zu eigenartigen namen :-)

ps.: übrigens auch eine schöne radler/bikerstrecke da drüber.

Gusswerk :)))

Warum man einen Ortsnamen der neuen Rechtschreibung anpasst, ist mir ebenso ein Rätsel - hab ich vorher vergessen zu erwähnen!

einen entsprechenden hinweis ..

... gabs von mir schon heut nacht und vor ca. einer halben stunde wieder. bloß "darf" ich, so scheints, pro tag nur 1 (in worten ein) posting anbringen :-)

hea fidler!

Gußwerk, Salzatal 15 liegt nicht in Niederösterreich, sondern ist steirisches Kernland.
(jetzt seriös genug fürn Abdruck?)

das peinlichste motorrad, das ducati je gebaut hat, ein verrat an der eigenen tradition und ästhetik. gut für 17jährige, nur: die dürfen damit (zum glück) nicht fahren.

schmecks
41
31.8.2011, 02:05
der spaß jenseits der pein

ich widerspreche profis ja nur sehr ungern.
aber das peinlichste moped aus bologna ist ja vermutlich eher
http://derstandard.at/1310511465277/
- die harley für ducatifahrer.

und wenn man über kategorien wie peinlichkeit einmal hinweg ist, kann man sich auf die streetfighter setzen und unglaublichen spaß am fahren haben. mit ein bisschen beherrschung vielleicht.

man kann dann auch recht entspannt (und unbeherrscht) kleine, dreckige dilettantenkolumnen über mahlzeiten, motoren, medien, mädchen und emotionen betreiben - wie diese hier.

best, fid

versteh ich jetzt nicht, den zusammenhang. ah, die peinlichkeit. no bei den medien bist eh weder dilettantisch noch peinlich, find ich ... :o)

Aber

haben "kleine, dreckige Dilettantenkolumnen" wirklich etwas in einer "Qualitaetszeitung" verloren?

Wundert sich
Ihr Preger, Teilzeitkuenstler/In

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