Touristen meiden Lampedusa

Gerhard Mumelter, 23. Juni 2011, 18:16
  • Migranten aus Afrika bei ihrer Ankunft im Hafen Taranto auf der Insel Lampedusa. Die Flüchtlingsboote kommen nun seltener, die Touristen aber auch.
    foto: dapd

    Migranten aus Afrika bei ihrer Ankunft im Hafen Taranto auf der Insel Lampedusa. Die Flüchtlingsboote kommen nun seltener, die Touristen aber auch.

Bilder von Lampedusa als von Flüchtlingen überfüllte Insel sorgen für Rückgang bei Buchungen von 80 Prozent

Lampedusa/Rom - Unglücklich sehen sie nicht aus, die Zwangsurlauber, die sich jeden Abend am Strand von Guitgia zum Beachvolleyball oder zum Aperitif treffen. Militärdisziplin ist in der Schwimmhose nicht vorgesehen. Viele von ihnen sind seit Monaten hier stationiert und kennen sich längst: Carabinieri, Polizeioffiziere, Mitglieder internationaler Hilfsorganisationen, Angehörige des Zivilschutzes, Dolmetscher.

Für die Polizei ist der Ausnahmezustand auf der Insel vorerst vorbei - für die Hoteliers hat er gerade begonnen. Die oft dramatischen Bilder der von Flüchtlingen überfluteten Insel haben Touristen verschreckt. Der hünenhafte Bürgermeister Bernardino de Rubeis schlägt Alarm: "Der Rückgang beträgt 80 Prozent, viele Hoteliers sind vom Konkurs bedroht". De Rubeis weiß, dass er im fernen Rom manchmal dick auftragen muss, um Anteilnahme für sein felsiges Eiland zu wecken, das der Afrika näher liegt als Sizilien.

Früher Verbannungsort

Ein Stiefkind Roms war Lampedusa schon immer. Das Königreich Italien nutzte die raue Insel als Verbannungsort für Anarchisten, Benito Mussolini ließ 3000 Regimegegner an den abgelegenen Ort deportieren.

Eine liebliche Insel war das baumlose Lampedusa nie. Steil fallen die Felsen ins Meer, nur im Süden laden Buchten zum Baden ein - etwa die legendäre Spiaggia dei conigli mit weißem Sand und türkisem Wasser. Zur Hochsaison ankern in der nur zu Fuß erreichbaren Bucht dutzende Touristenboote und Segeljachten. "Wir haben diesen Traum jetzt fast für uns allein", schwärmt das Mailänder Paar Chiara und Marco.

Der kleine Flughafen ist menschenleer. Die Chartermaschinen aus dem Norden bleiben aus: Statt wie früher zehn landen am Samstag gerade mal zwei. "Wir bieten unsere Zimmer fast zum Selbstkostenpreis an", gesteht der Hotelier Antonio Martello.

800 Plätze, 150 Buchungen

Silvio Berlusconi hatte den aufgebrachten Insulanern Ende März das Blaue vom Himmel versprochen: Spielcasino, Golfplatz, Freihandelszone, Infrastruktur, Stundung von Darlehen, niedrigere Benzinpreise, Vorschlag für den Friedensnobelpreis. "Von all dem haben wir nichts gesehen", sagt Martello ernüchtert. Der Campingplatz La Roccia verzeichnet bei 800 Plätzen 150 Buchungen.

Die seltener gewordenen Flüchtlingsboote dienen den wenigen Urlaubern als Fotomotiv. Mit ihren Kameras hielten sie diese Woche die Ankunft eines Bootes mit 900 afrikanischen Migranten fest. Zum Highlight geriet der jüngste Besuch von Angelina Jolie im Flüchtlingslager auf der ereignisarmen Insel. Die Schauspielerin bescherte den Insulanern unbezahlbare Werbung: Auf einem Foto bewundert sie die Traumkulisse der Spiaggia dei conigli. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD; Printausgabe, 24.6.2011)

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Dazu Italiens Innenminister Maroni

"Wenn es um Einwanderung geht, haben wir die Europäische Union, die Richterschaft und die NATO gegen uns ... Ich möchte einmal jemanden treffen, der mir erklären kann, warum eine Blockade bei der Zufahrt zulässig ist (bekanntlich wurde ja ein Embargo gegen Libyen verhängt), nicht aber bei der Ausfahrt."

http://fr.novopress.info/86755/mar... -l’otan-»/

Alles was der gute Silvio versprochen hat...

könnte umgesetzt werden.

Die arbeitswilligen Ankömmlinge sind schon dort für den Bau von Golfanlagen, Spielkasinos usw.

.

"Migranten aus Afrika bei ihrer Ankunft im Hafen Taranto auf der Insel Lampedusa."
die Bildunterschrift macht mich stutzig. wird in diesem blatt nicht immer wieder betont man solle die zuwanderung (migration) von der fluechtlingsproblematik trennen?

Mit Auffanglagern noch auf afrikanischem Boden und strengen Grenzkontrollen zu Land und zu Wasser durch EU Truppen wäre das Problem in kürzester Zeit gelöst.

aufffanglagerrrr und strrrengerrrrre grrrrenzkontrrrrrollen, sagen sie genieren sie sich nicht einmal für ihre posts? ich glaub kaum, dass das ein problem löst, eher chancen für die leute im eigenen land unterstützen

beides?...

lasset die kindlein zu uns kommen, wir leiden im fremdenverkehr sowieso an überbuchungen...

Die Männer aus Afrika schauen eigentlich alle sehr kräftig und arbeitsfähig aus...

San die wirklich alle politischen Verfolgungen ausgesetzt?

I woass net, i woass net.....

sie werdens kaum glauben, die meisten WOLLEN hackeln

naja

eingeschraenkt

ich hab nicht alle gesagt :-)

:)

na gut

dann ist die die Insel der geeigentet Arbeitsplatz.

??????? wie wo was????? lampedusa?

die, die nicht hackeln wollen, als papagalli am hasen-strand :-)

Touristen meiden Lampedusa

Das wundert mich.

Ich werde nie vergessen, wie nach dem Wahnsinns-Tsunami in Indonesien sich einige Touristen nicht abbringen ließen, ihren Urlaub am Strand zu genießen, während wenige Meter davon die Toten angeschwemmt wurden.

ja eh. ich hege ja auch manchmal den verdacht, dass manche schon "flüchtlinge-schauen" fahren.

lampedusa war bis jetzt ein bisschen abseits vom geschehen und überhaupt nicht touristisch erschlossen. das hat aber den hintergrund, dass die insel schon lange ein militärstützpunkt war bzw. jetzt wieder ist.

und wer strandelt schon gern neben aufsteigenden nato-bombern.

In der Zeit gab es einen interessanten Artikel genau dazu - "wie stelle ich mir die Situation in Lampedusa durch die Medienberichte vor?" und wie ist die Situation vor Ort?

Ich finde der Standard sollte sich mal das trauen, was er ganz vage andeutet: schauen wie es in Lampedusa wirklich aussieht. Das wäre dann auch Journalismus.

und ?

wo ist der Unterschied ?

Genau das beschrieb der standard. Augen auf, Helmi..

Auf der Insel kamen 2011 sieben mal so viele Flüchtlinge an, wie es auf ihr Einwohner gibt. Sehr verständlich dass darunter der Tourismus leidet. Vielleicht sollten alle Gutmenschen dort Urlaub machen, und zeigen dass hinter ihren noblen Worten auch etwas Wahres steckt. Alleine mit den vielen superkorrekten Menschen im Forum hier könnte man die halbe Insel füllen.

es ist so schön zu wissen daß man ein Guter ist. Wer sind die Bösen ?

auf der Insel gibt es nicht viele Einwohner..

Sie sollten nicht in Versuchung kommen, den (einen) Flugzeugterminal äquivalent einem Stadtviertel zu nehmen..

dann sollten sie aber auch dort urlaub machen

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