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Migranten aus Afrika bei ihrer Ankunft im Hafen Taranto auf der Insel Lampedusa. Die Flüchtlingsboote kommen nun seltener, die Touristen aber auch.
Lampedusa/Rom - Unglücklich sehen sie nicht aus, die Zwangsurlauber, die sich jeden Abend am Strand von Guitgia zum Beachvolleyball oder zum Aperitif treffen. Militärdisziplin ist in der Schwimmhose nicht vorgesehen. Viele von ihnen sind seit Monaten hier stationiert und kennen sich längst: Carabinieri, Polizeioffiziere, Mitglieder internationaler Hilfsorganisationen, Angehörige des Zivilschutzes, Dolmetscher.
Für die Polizei ist der Ausnahmezustand auf der Insel vorerst vorbei - für die Hoteliers hat er gerade begonnen. Die oft dramatischen Bilder der von Flüchtlingen überfluteten Insel haben Touristen verschreckt. Der hünenhafte Bürgermeister Bernardino de Rubeis schlägt Alarm: "Der Rückgang beträgt 80 Prozent, viele Hoteliers sind vom Konkurs bedroht". De Rubeis weiß, dass er im fernen Rom manchmal dick auftragen muss, um Anteilnahme für sein felsiges Eiland zu wecken, das der Afrika näher liegt als Sizilien.
Früher Verbannungsort
Ein Stiefkind Roms war Lampedusa schon immer. Das Königreich Italien nutzte die raue Insel als Verbannungsort für Anarchisten, Benito Mussolini ließ 3000 Regimegegner an den abgelegenen Ort deportieren.
Eine liebliche Insel war das baumlose Lampedusa nie. Steil fallen die Felsen ins Meer, nur im Süden laden Buchten zum Baden ein - etwa die legendäre Spiaggia dei conigli mit weißem Sand und türkisem Wasser. Zur Hochsaison ankern in der nur zu Fuß erreichbaren Bucht dutzende Touristenboote und Segeljachten. "Wir haben diesen Traum jetzt fast für uns allein", schwärmt das Mailänder Paar Chiara und Marco.
Der kleine Flughafen ist menschenleer. Die Chartermaschinen aus dem Norden bleiben aus: Statt wie früher zehn landen am Samstag gerade mal zwei. "Wir bieten unsere Zimmer fast zum Selbstkostenpreis an", gesteht der Hotelier Antonio Martello.
800 Plätze, 150 Buchungen
Silvio Berlusconi hatte den aufgebrachten Insulanern Ende März das Blaue vom Himmel versprochen: Spielcasino, Golfplatz, Freihandelszone, Infrastruktur, Stundung von Darlehen, niedrigere Benzinpreise, Vorschlag für den Friedensnobelpreis. "Von all dem haben wir nichts gesehen", sagt Martello ernüchtert. Der Campingplatz La Roccia verzeichnet bei 800 Plätzen 150 Buchungen.
Die seltener gewordenen Flüchtlingsboote dienen den wenigen Urlaubern als Fotomotiv. Mit ihren Kameras hielten sie diese Woche die Ankunft eines Bootes mit 900 afrikanischen Migranten fest. Zum Highlight geriet der jüngste Besuch von Angelina Jolie im Flüchtlingslager auf der ereignisarmen Insel. Die Schauspielerin bescherte den Insulanern unbezahlbare Werbung: Auf einem Foto bewundert sie die Traumkulisse der Spiaggia dei conigli. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD; Printausgabe, 24.6.2011)
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http://fr.novopress.info/86755/mar... -l’otan-»/
"Migranten aus Afrika bei ihrer Ankunft im Hafen Taranto auf der Insel Lampedusa."
die Bildunterschrift macht mich stutzig. wird in diesem blatt nicht immer wieder betont man solle die zuwanderung (migration) von der fluechtlingsproblematik trennen?
Das wundert mich.
Ich werde nie vergessen, wie nach dem Wahnsinns-Tsunami in Indonesien sich einige Touristen nicht abbringen ließen, ihren Urlaub am Strand zu genießen, während wenige Meter davon die Toten angeschwemmt wurden.
ja eh. ich hege ja auch manchmal den verdacht, dass manche schon "flüchtlinge-schauen" fahren.
lampedusa war bis jetzt ein bisschen abseits vom geschehen und überhaupt nicht touristisch erschlossen. das hat aber den hintergrund, dass die insel schon lange ein militärstützpunkt war bzw. jetzt wieder ist.
und wer strandelt schon gern neben aufsteigenden nato-bombern.
In der Zeit gab es einen interessanten Artikel genau dazu - "wie stelle ich mir die Situation in Lampedusa durch die Medienberichte vor?" und wie ist die Situation vor Ort?
Ich finde der Standard sollte sich mal das trauen, was er ganz vage andeutet: schauen wie es in Lampedusa wirklich aussieht. Das wäre dann auch Journalismus.
Auf der Insel kamen 2011 sieben mal so viele Flüchtlinge an, wie es auf ihr Einwohner gibt. Sehr verständlich dass darunter der Tourismus leidet. Vielleicht sollten alle Gutmenschen dort Urlaub machen, und zeigen dass hinter ihren noblen Worten auch etwas Wahres steckt. Alleine mit den vielen superkorrekten Menschen im Forum hier könnte man die halbe Insel füllen.
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