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Das Schlimmste ist das Aufstoßen: Viele, viele Stunden, zwei, drei Kaffee, Äpfel, Bananen, schließlich Reis und Fisch später, spüre ich noch immer, dass ich mittags im Nirvana war. Nun ist das Nirvana an sich gar nichts Schlimmes, Abermillionen von Buddhisten arbeiten unermüdlich darauf hin, wenn ich das richtig verstanden hab. Wenn halt nicht das Rülpsen wär.
Wobei mir diese Tätigkeit, jedenfalls in ihrer stillen Form der inneren Wiederkehr, gar nicht unsympathisch ist. Unbeirrbare Schmecks-Leser erinnern sich womöglich noch an die Idee eines Rülps-Rankings. Aber es kommt schon darauf an, was da wiederkehrt. Nicht alles, was beim Hinunter noch ziemlich super war, freut auch bei der zweiten geschmacklichen Begegnung.
Murg im Nirvana
Das Murg Khumani von der Mittagskarte, Sektion "Business Lunch", im Nirvana in der Wiener Rotenturmstraße, war so ein Fall. Eigentlich ganz erfreulich, soll heißen: Hat durchaus geschmeckt. Feststofflich vor allem Huhn. Frischer Koriander drauf. Dazu mir zu bissfester Reis. Dicke Sauce, die ich bekennender Dilettant (ganz besonders beim Indischen) wie so oft nicht präzise benennen kann, jedenfalls aber mittelscharf.
Mittelscharf. Hat eigentlich schon jemand "mild" oder "scharf" beim Inder bestellt? Kann ich mir nicht vorstellen, die Frage danach soll bestimmt nur die klischeehafte Höflichkeit des Inders als solchen unterstreichen. Wahrscheinlich bestellen ja auch 87,3 Prozent der Fleisch essenden Weltbevölkerung ihr Steak medium, viel zuviele (ich kenne welche vom Grillen, ts) tatsächlich well done und ein paar draufgängerische Existenzen wie ich bleu oder rare, bitte halt gerade warm, oder so.
Sanft, aber sauscharf
Wobei mittelscharf beim Murg im Nirvana mir Gewürzmemme schon ziemlich scharf erschien. Fast schon unhöflich scharf. Aber soll ja gesund sein, auch wenn das Feuer auf meine gerade aufkeimende Halsentzündung keineswegs desinfizierend wirkte. Egal, bin ja beim Inder und nicht beim Medizinmann.
Das führt natürlich zwingend zur Frage: Warum essen die so sanften Inder eigentlich so sauscharf, wenn man sie lässt? Desinfektion, tippen manche. Posterinnen und Poster vor mit Erklärungen, bittschön! Ich habe dazu nur mein schon eine ziemliche Zeit zurückliegendes Beef Madras beim Inder in der Burggasse beizutragen, der sich mit vollem Namen "Khajuraho Palace zum Inder" schreibt, da wollen wir nichts unterschlagen.
Schweiß, waagrecht
Dieses Rind stand nicht nur als wirklich, wirklich scharf in der Karte. Das Servierpersonal warnt nicht nur einmal vor dem Rind als wirklich, wirklich, wirklich scharf. Das Tier, von dem ich immer gedacht hatte, dass man das in Indien besser nicht bestellt, sah einem Gulasch sehr, sehr ähnlich. Und war wirklich, wirklich, wirklich, wirklich scharf. Wenn mir der Schweiß waagrecht aus allen Poren vom Unterlid bis zum Backenkochen schießt, von der Stirn gar nicht zu reden, dann ist die Sache wirklich ernst. Viel Joghurt, bitte, viel Brot, und noch mehr Joghurt. Und reden wir nicht vom Tag danach, bitte. Essen mit Spaß.
Nahtlos schließt sich da meine Ess-Erfahrung an Ort und Stelle an, wobei an Ort und Stelle bei einem derartigen Batzen Land natürlich etwas vage bleiben muss. Zudem kam ich beim ersten Mal nicht wirklich zum Essen. In drei Tagen Mumbai hat mich der Veranstalter der Pressereise nach meiner Erinnerung vor allem durch Bollywoodkinos, Bollywoodmusicalproben und Bollywooddrehlocations ohne ausnehmbares Catering gelotst, eine Tourikneipe, zudem durch (teils italienische!) Hotelrestaurants und Bollywoodstardiscos, was mir eher wenig Gelegenheit zum Studium der indischen Küche gab.
Nicht Hindu? Nicht rein, du!
Beim zweiten Mal (touristisch, Einladung, RONDO, Schnorrer, ich weiß) ging es nach Orissa in Nordostindien. Auch viel (immerhin indische und für meine Wahrnehmung feine) Hotelküche. In Erinnerung blieben aber herausragende Krabben im aus dem gewaltigen Chilika-See (im, ja, Hotel Yatri Niwas, immerhin ein ziemlich einfacher Schuppen). In Erinnerung blieb auch eine nachhaltige Verstimmung des Verdauungstrakts.
In Erinnerung blieb aber auch die Tempelküche von Lingaraj in Orissas Hauptstadt Bhupaneswar. Laut Reiseführer die größte Küche der Welt: Sie verkocht mehrere Tonnen Reis, und das angeblich pro Tag, produziert 60 Gerichte. Blöd, dass es für Nichthindus nichtreindu heißt in die Tempelanlage. Nix mit kosten. Nix mit authentisch.
Schweiß als Würze
Sollte ich jemals "authentisch" über ein italienisches Restaurant diesseits der Grenze schreiben, bitte um adäquate Erregung per Posting. Nicht einmal da trau ich mir zu, das zu beurteilen. Beim Inder? Niemals! Wobei einem das Erkunden von Authentizität auch den Genuss verderben kann. Diese Erkenntnis verdanke ich einem Ehepaar aus dem diplomatischen Dienst, das eine Zeit in Mumbai stationiert war.
Mit Vorliebe führten sie ihre Gäste in ihren ganz einfachen Lieblingsimbiss, den sie mir als eine Art Heurigen auf Indisch beschrieben. Bis die Frau des Diplomaten sich auf dem Weg zur Toilette in die Küchenecke verirrte und sah, wie das Fladenbrot hier zu seinem Geschmack kam. Ums Feuer saßen ein paar junge Herren, die mit flinken Bewegungen das Brot formten, in die Länge zogen, und dann flippflapp einmal unter die linke Achsel und einmal unter die Rechte Achsel drückten. Die Diplomatengattin, keineswegs von der Sorte etepetete, tippte auf einen Würzvorgang, mit dem sie sich nicht recht anfreunden wollte. Lassen wir das, zurück nach Wien.
Frag nach dem Inder
Dass Indisch nicht so mein Allerlieblingsding ist, können Sie schon an zweieinhalb Jahren Schmecks mit viel Beuschel, Kuttel und Reh, aber völlig ohne Murg und Paneer ablesen. Das muss sich ändern, schon wegen der Vorlieben der Vegetarierin meines Vertrauens. Also frag' ich den Kollegen Corti, welchen Inder er mir empfehlen kann, der Indian Pavillon auf dem Naschmarkt sperrt ja blöderweise abends ziemlich früh. Tandoor, sagt der Corti, in der Antonigasse/Ecke Martinstraße im 18. Dann frag ich noch Kollegin Schnizlein von der APA, die mir schon lange einen Schmecks-Test versprochen hat. Tandoor, sagt sie. Guter Plan, eigentlich, war ich schon vor Jahren, und gar nicht unglücklich.
Vom Tandoor hab ich gerade ein Mattar Paneer geholt. Paneer, da fühlt sich der Österreicher gleich zuhause. Palak Paneer mit Spinat kannte und (mochte) ich schon aus Orissa, Mattar mag die Vegetarierin, und zwar nur bei diesem Gericht. Kurzum: Wir hätten zwei Portionen von dem indischen Käsegericht nehmen sollen. Beim gierigen Teilen wurden wir rasch zu Erbsenzählern, die das Mattar an diesem Paneer ausmachen. Mittelscharf übrigens. Und rülpst angenehm dezent.
PS: Verraten Sie mir den Inder Ihres Vertrauens? Wirte mein ich natürlich. Danke! Und, wenn Sie unbedingt wollen: Namaste!
PPS: Zwar Pakistan, aber jedenfalls schwer ok: der Wiener Deewan.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
Sonntagsnudeln und die Nieren: La Torre und Il Centro in Katharina Schells Bildern
Im südburgenländischen Gasthaus Sampl sorgte man sich ernstlich um des Schmecksologen Kapazität - leider
An der Südautobahn, bei Pusswald, grübelt Harald Fidler, wie weit Speisen reisen müssen
Irgendwo zwischen Wild(schwein) und Jungrind, bitte ohne Fett, rät unser Testesser und beruft sich auf den amtstierärtzlichen DachsessClub
Vegetarisch im Schutzhaus: Harald Fidler ist kein Weg zu weit
"Rohes Fleisch, Kilo": Endlich wieder mit den Fingern essen - und das gut: Ethiopian Restaurant im Alsergrund
Und diese Taube: Harald Fidler kostet, fotografiert und schwelgt sich durch ein Dutzend Gänge - oder ein bisschen mehr
Irland beginnt am Rennweg: Räudig wie lange nicht Harald Fidlers Bilder aus dem Old Oak, schön wie selten der Fisch in Bierpanier
Julia Drazdil-Eder probiert in Peru gar nicht so kleine Felltiere, die in der Küche aufwachsen - und rät zu Alpacaschnitzel
Mit Bruckenberger roch er den Sonntagsbraten - und aß zu zweit für drei: Phew!
Dazu persisches Schwein - und dann doch noch eine schöne Schulter beim neu übernommenen Sven im Alsergrund
Tschaschuschuli war aus, aber Khachapuri-Atscharuli macht den Fidler im Satrapezo im dritten Bezirk zumindest ebenso satt und zufrieden
Sterne sehen im Weinhaus: Harald Fidler versucht's beim Hochmayer in Simmering - Und wo weinen Sie?
Wo man das Reh kalt macht: Fidler erkundet Agnes' Reflexe in Neuhausen und Federvieh in Kronstorf
Grenzwirtig in Oberösterreich: Zwischen Freistädter Chicbrauerei, schießfreudiger Seniorchefin und verpassten Fohlenwochen
Nougatspion Harald Fidler arbeitet sich auf der Weltmesse der Langsamen durch Löffelwurst, warme Austern und Millionen Mitesser
Heringsschmaus vom Brocken brocken oder Milchkitz um Leber, Niere und Bries erleichtern, fragt sich Fidler in Langenlebarn - Und neu: Rochus 1090
Rinder pflastern ihren Weg: Mit Bruckenberger im Jolly Ox, wo viel Rauch auch gut gebratenes Steak bedeutet
Harald Fidler genießt im Diverso, was er eher nicht bestellen würde: handgepflückte Jakobsmuschel und Brösel-Kabeljau mit Mayo
360, mittags: Mit einem Pariser in Graz, mit einer Grazerin in Wien, mit einem Hendl in Georgien - und ohne Herz im Beuschel
Asche Reschte: Nach einem Schälchen rohen Knoblauchs und einem Bissen Zunge im Pars geht es in Harald Fidler rund
Und die Lammleber duftet: Wie kratzt der Fidler nun die Kurve zum Floh, der bald neu eröffnet? Über Schmölz, Fleischer seines Vertrauens
Im Tian begeistert die Erbsensuppe einen Vegetarier - und Fu Long Fidler spielt die Auster vom Blatt
Carnivoren unterwegs: Bruckenberger und Fidler landen im Rocky Docky vor heiteren Bezirksgerichten und hinter Gittern
Schwein, durocst: Harald Fidler genießt und schnauft schon wieder in der Servitengasse
Also für mich gibt es das beste Mattar Paneer ausserhalb Indiens im Rani.unzählige male probiert und bis auf ein paar wenige male immer absolut köstlich.
ich geh aber nicht(mehr)oft auswärts essen und habe bei weitem noch nicht alle indischen restaurants in wien besucht,aber bei meiner leibspeise im Rani weiß ich woran ich bin.in indien schmeckt es auch nicht besser.das naan dazu ist auch 9 von 10 mal perfekt und ich mag das restaurant einfach sehr,sehr gern.
hab jetzt grad beim inder-finder gelesen,daß es auch dort sehr geschätzt wird.
würd gern mal das royal in linz ausprobieren.
und zu scharf noch ein wort:ich glaube ja,die meisten hier haben keine ahnung,was echt indisches scharf bedeutet.wer nicht in indien war,hat keine ahnung.echt!
I love Pizza - kein Statement sondern Name des Lokals auch geführt als Bombay Express. Besser den Zustelldienst nutzen, das Interieur bzw. der Charme des Lokals sind keine Burner, das Essen dagegen schon, muss nicht die Schärfe sein, eher der Geschmack.
Rajput
Wiener Straße 37, 3100 St. Pölten
Telefon: +4327-422 6554
gute indische/pakistanische Küche, äußerst nette Bedienung. Lieferservice im Raum St. Pölten, Partyservice.
nur ca 20 Plätze, deshalb reservierung kein fehler.
Unsere Wertung(indisch/österreichisches couple)
**** Bombay (Neubau/Neustiftgasse)
- paneer pakora
- Vindaloo/Madras super scharf, charmantes beisl
*** Tandoori (Martinstrasse)
- Tandooris
*** Zum Inder (Praterstrasse)
- Reisplatte Thali
**** Zur heiligen Kuh
- Vegetarisch/Fleisch von mild bis scharf
***Indian Pavillion
vegetarisch mild
Völlig unterschiedliche Lokale decken fast alles ab was das herz begehrt
gekocht wird ja gut bei den Colombohoppers und ich bin dort Gast seit mehr als 20 Jahren aber die Preisgestaltung hat Sie jetzt (vor 2 Monaten) von meiner bevorzugten Liste katapultiert. 3,30 für ein Gedeck ohne ein Stück Brot ist echt heftig. Und damit wars das alles hat Grenzen.
Als meine indische Frau ihr vegetarisches Essen bekam und sich darin kleine Fleischstücke befanden, kam aus des Kellners Mund folgendes. "Das ist halt so, in ganz Österreich verwenden`s die gleichen Löffel zum servieren, da könnens hingehen wo`s wollen." Und dann wollte er doch tatsächlich dafür noch Geld.
Egal wie Gut der Inder sein soll, für mich ist er gestorben.
bin zwar kein ausgewiesener kenner der indischen küche, aber das "indus" in der radetzkystraße im 3. bezirk ist meiner meinung nach sehr fein, und vor allem auch echt preiswert, sprich z.b. mittagsmenüs vegetarisch um 4,50, fleischlich um 5,50 ... www.indus.at, glaub ich ...
hoffe, gedient zu haben ... und wenn ich mal im 18. bin, dann muss ich doch glatt im tandoor vorbei schauen! ;-)= ...
dem tip mit dem link möchte ich beipflichten, der inderfinder ist seit jahren die zuverlässigste und aktuelleste quelle, was die wiener inder-szene betrifft.
mein favorit ist übrigens "die heilige kuh" beim franz josefs-bahnhof. der inderfinder hat darüber auch nur gutes zu berichten - die beschreibung deckt sich zu 100% mit meinen erfahrungen:
http://homepage.univie.ac.at/horst.pri... gekuh.html
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