"Wir Österreicher sind ein Trottelvolk": Redezeit im Rabenhof

Rege "Club 2"-Wiederbelebung auf orangeroten Stofffauteuils statt braunen Ledersofas- Gastgeberin: Filmregisseurin Andrea Maria Dusl

Wien – "Freunde der Debattenkultur", wie Gastgeberin und Filmregisseurin Andrea Maria Dusl ihr Publikum nannte, waren Sonntagabend im Wiener Theater im Rabenhof unerwünscht. Zumindest nach Hermes Phettbergs Vorstellungen: Bei einer Wiederbelebung des Club 2 sei Publikum ganz und gar undenkbar. Die Diskutanten würden dann nur noch gefallen wollen. Phettbergs Antrag auf "Ausschluss des Publikums" wurde schlussendlich aber nicht stattgegeben.

Der Wiener Communitysender Okto lud zur ersten Redezeit, Thema der Diskussionssendung: "Die sprachlose Republik".

"In Österreich wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch verlautbart", sagte eine selbst sehr diskussionseifrige Dusl. Besonders Politiker versuchen, den "öffentlichen Diskurs abzuschaffen", meinte Kabarettist Werner Schneyder. Dusl vermisse Club 2 oder auch Phettbergs nette Leit-Show. So viel Nostalgie ging Falter-Journalistin Doris Knecht zu weit: "Auch der Club 2 war manchmal stinkfad. Die Frage ist, was erwartet man prinzipiell, wenn Leute zusammen sitzen?"

Der Einwurf gab der Debatte den nötigen Zunder: In der Folge meinte Historiker Lothar Höbelt etwa, dass die Kronen Zeitung "gut gemacht" sei, worauf Phettberg erstens beantragte, "Höbelt rauszuschmeißen" und zweitens ganz allgemein meinte, dass "wir Österreicher ein Trottelvolk" sind.

Die Runde beklagte weiters das fehlende Feuilleton in Österreich. "Warum ist das so?", fragte Dusl. "Keine Ahnung", antworte Schneider. Knecht: "Die Leute haben keine Meinung mehr."

Von nun an wird im Rabenhof jeden Sonntag ab 20 Uhr diskutiert, zu sehen jeweils am folgenden Samstag ebenfalls um 20 Uhr auf Okto (im Kabelnetz auf Kanal 8). Detail am Rande: Noch etwas ist anders als früher beim Club 2. Die Gäste sitzen nicht auf braunen Ledersofas, sondern auf orangeroten Stofffauteuils. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.04.2006)

Von Doris Priesching
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