Islamisten fliehen vor Franzosen und Tuareg

28. Jänner 2013, 18:58
  • Malische Soldaten bei ihrer Ankunft in Gao. Auch der Vormarsch der 
Truppen in Richtung Timbuktu war am Montag erfolgreich.
    foto: dapd / ghislain mariette

    Malische Soldaten bei ihrer Ankunft in Gao. Auch der Vormarsch der Truppen in Richtung Timbuktu war am Montag erfolgreich.

Französische und malische Truppen haben am Montag die Wüstenstadt Timbuktu im Norden Malis eingenommen

Die Tuareg-Organisation MNLA erklärte, die Gotteskrieger auch aus Kidal vertrieben zu haben.

Bis zum Schluss übten die Islamisten ihre Schreckensherrschaft aus: Ein Einwohner von Timbuktu wurde mit Benzin übergossen und in eine brennende Fackel verwandelt, weil er es gewagt hatte, "Vive la France" zu rufen. Im Kulturzentrum Ahmed Baba steckten die Jihadisten ein Archivgebäude mit Zehntausenden von alten islamischen Handschriften in Brand. Dann verließen sie die mythische Oasenstadt.

Als die erste malisch-französische Vorhut am Montag im Stadtzentrum auftauchte, waren die zum Al Kaida-Ableger Aqmi gehörigen Gotteskrieger verschwunden. Am Montagnachmittag erklärten die Truppen beider Länder, Timbuktu sei vollständig unter ihrer Kontrolle.

Auf die gleiche Weise hatten die Soldaten der französischen Operation "Serval" am Wochenende schon die Stadt Gao eingenommen. Nachreisenden Reportern erzählte die Bevölkerung, wie sie unter der Scharia, dem islamischen Gesetz, gelitten hätten. Nicht einmal das Rauchen sei erlaubt gewesen. Mit Frauen habe man auf der Straße nicht sprechen dürfen - während sich die Islamisten Sexsklavinnen geholt hätten.

Nach Gao und Timbuktu könnte auch die Stadt Kidal gefallen sein - und zwar nicht durch die Hand der Franzosen, sondern der Tuareg. Deren säkulare Befreiungsbewegung MNLA ließ am Montag verlauten, sie habe Kidal erobert. "Wir haben die Kontrolle, sie sind abgezogen", meinte ein MNLA-Sprecher in Bezug auf die verfeindeten Tuareg-Islamisten von Ansar Dine, die mit den algerischen und mauretanischen Gotteskriegern 2012 den ganzen Nordmali eingenommen hatten.

Laut den Tuareg-Sprechern haben sich der charismatische Chef von Ansar, Iyad Ag Ghali, sowie der algerische Aqmi-Vorsteher Abu Zeid in die nahen Berge des Adrar des Ifoghas zurückgezogen. Dort verfügen sie über Waffenverstecke und Nachschublager.

"Strategie des Vermeidens"

Wenn die Meldungen zutreffen, haben die Islamisten mit Kidal die letzte bedeutende Stadt im Norden Malis verloren. Der französische Außenminister Laurent Fabius erklärte, die Jihadisten verfolgten eine "Strategie des Vermeidens" und zögen sich in den Wüstennorden zurück. "Wir passen aber in höchstem Maße auf, dass unser Einsatz dort nicht versandet", fügte Fabius an. "Damit ziehen wir die Lehren aus einer Reihe von Konflikten." Das war wohl eine Anspielung auf den Krieg in Afghanistan, wo die Taliban nach den ersten westlichen Angriffen ebenfalls aus den Städten verschwunden waren.

Zu Rolle der Tuareg äußerte sich Fabius nicht. Menschenrechtsorganisationen melden seit Tagen Übergriffe malischer Soldaten gegen das Berbervolk und auch gegen arabischstämmige Bewohner des Landesnordens. Das ungefragte Eingreifen der MNLA dürfte die Lage noch komplizieren. Die Eroberung der Hälfte Malis durch die Islamisten fand auch vor dem Hintergrund ethnischer Spannungen statt: Die schwarze Bevölkerungsmehrheit hatte die Autonomieansprüche der Tuareg im Landesnorden nie anerkannt.

In Mali sind derzeit 2700 französische Soldaten aktiv. Neben der schlecht organisierten malische Armee treffen derzeit Hunderte von afrikanischen Soldaten des regionalen Ecowas-Kontingentes ein. Die EU beschloss am Montag eine Finanzhilfe von 50 Millionen Euro für die von der Uno gebilligte Truppe. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, 29.1.2013)

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Islamisten sind geflohen ????

Das glaube ich aber weniger. Die haben sich abgesetzt und warten nun auf den tag wo die franzosen wieder aus dem norden von mali abziehen werden. Denn mit den regulaeren truppen von mali koennen die blinde kuh spielen wenn es wieder soweit wird.

der eigentliche skandal ist,

dass die islamisten von katar aus finanziert wurden - sogar eine königsmaschine soll in mali gelandet sein, und quatar hat den islamisten-irrsinn auch diplomatisch anerkannt. aber hauptsache dort findet bald wieder ein grand prix statt. widerlich!

Qatar ist eine Brutstätte des islamistischen Bösen

Dort wäre ein regime change wirklich mehr als überfällig!

Der Schlüssel ...

zum Sieg über die Isalmisten wäre die Kooperation mit den Tuareg - sollte es tatsächlich zu Übergriffen seitens der schwarzafrikan. Truppen kommen, hätten die Isalmisten wohl die Spezialisten der Wüstenkriegsführung dauerhaft auf ihrer Seite und somit ein gigantisches Rückzugsgebiet (Sahelzone) !

"Die Tuareg" sollen in Mali nicht mehr und nicht weniger

ordentliche malische Staatsangehörige sein wie die Angehörigen anderer Völkerschaften oder unvölkische Malier dort auch. Für eine "Kooperation" mit "den Tuareg" besteht an sich kein Anlass, wie sollte das auch gehen, es gibt ja keine gewählte Vertretung "der Tuareg" in Mali, allenfalls einige tribale Tuareg-Banden, die nicht von der lieb gewonnen Lebensweise des Schmuggels, der Räuberei, der Erpressung und der Verdingung als Söldner Abstand nehmen wollen. Dem sollte in einem modernen Staat endlich ein Ende gemacht werden, die archaischen selbständigen tribalen Gebiete bewirken weltweit nirgendwo Gutes.

Die Tuareg ...

sind ein nomadisches Volk, dessen Lebensweise erst durch "Grenzen", gezogen per Kompass quer durch die Wüste(n), verkompliziert bzw nationalisiert wurde ... aus Stämmen wurden Staatsbürger, die sie weder sein wollten noch als solche behandelt wurden. Respekt ihrer Identität wäre ein Anfang ... so rückschrittlich ihre Lebensweise auch anmuten möge !!!

Alex Crawford Skynews aus Mali, Timbuktu

http://www.youtube.com/watch?v=l6QmBovP3cw

Der kultuirelle Schaden, den die Islamisten angetellt haben, ist irreparabel.

Kann mich bald auf einen Daueraufenthalt in Mali freuen um zu sehen, was noch zu retten ist.

Daueraufenthalt?

In welchem Rahmen?

Islamisten fliehen vor den Franzosen? Klingt wie Wunschdenken. Ich würde sagen, daß sie sich erst einmal zurückziehen.

http://www.youtube.com/watch?v=e... ata_player

die eier muss man dazu haben. so unrecht hat er ja nicht

Youtube statt Argumenten? Wie oft muss ich das fragen?

Ich habe nichts gegen Videos, aber einfach eine aussagelosen Link zu geben ist nutzlos.

Schön wäre es, wenn die Quelle bzw. der Autor benannt und das wichtige Argument kurz erläutert wird. Damit erführe man zuvor etwas von deiner Meinung, welche hier interessant ist.

Man darf auch davon ausgehen, dass die Leser einer Zeitung lesen können. Insbesondere die Kommentatoren im Forum sollten zudem schreiben können. Aber vielleicht fehlt es den Youtubern nur an der Fähigkeit selbstständig zu argumentieren, weshalb sie sich hinter fremden Videos verstecken müssen.

Wann lernen die Youtuber zu argumentieren<?

danke für Ihren Fleiß!

ich habe da schon resiginiert, finde es aber wunderbar wie sehr Sie sich gegen diese mühsamen youtube-Verweiser engagieren

Jetzt kam es also zum malischen Knittelfeld.

Das ist von 2009, da wird ja wohl wenig über die derzeitige Lage enthalten sein. Falls doch (ich hab's bis zur Hälfte ungefähr angehört) sagen Sie mir bitte, wo ungefähr.

http://farm5.staticflickr.com/4103/4957... ac17_z.jpg

Wie ist es möglich, dass Leute hier im Forum kein Problem damit haben, dass die Frauen in dem Foto von den Islamisten zuerst ausgepeitscht oder vergewaltigt werden und anschließend in einen schwarzen Sack mit Augenschlitz gesteckt werden. Sehr wohl aber damit, dass eine westliche Macht diesem Spuk ein Ende setzen möchte.

Nur weil Bush und seine Neocons die Welt in einen illegalen Angriffskrieg gegen den Irak gelogen hat, kann man doch nicht für alle Zeiten humanitäre Einsätze, die manchmal eben auch militärisch geführt werden müssen, ablehnen. Was kann die malische Bevölkerung dafür, dass Cheney und Rumsfeld feige Verbrecher waren? Was können diese Frauen dafür?

Ich hab einzig und alleine etwas dagegen, dass bei einer militärischen Hilfsaktion

mit europäischer Beteiligung, Tuaregs und andere von regulären Truppen einfach ermordet werden, weil sie einer bestimmten Volksgruppe angehören, wenn's recht ist, bitte danke!

In der Zwischenzeit können Sie ja die kolportierten, ethnisch motivierte Übergriffe mit dem "Kampf für Frauenrechte" relativieren.

Glaubt wirklich wer, dass Kriege wegen der Rechte von Frauen geführt werden?

Zerstückelte zerbombte Leiber sind allemal schrecklicher als ausgepeittschte und in Burkas eingezwängte Frauen.
Die Opfer diverser Gesellschaftsordnungen verblassen gegen den Blutzoll, den die apokalyptischen Reiter der human demokratischen Art der Menschheit abverlangt haben.

Wieviele Menschen sind während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs gestorben, wieviele während der französischen Revolution? Revolutionen/Systemwechsel sind fordern immer einen Blutzoll. Nach dem Sturz von Gadaffi hat es eine Dokumentation im ARD gegeben, über eine libysche Familie mit 4 Söhnen und 2 Töchter im Alter von 14-21. Die ältesten 3 Söhne und 1 Tochter haben auf der Seite der Regimegegner gekämpft, einer hat dabei ein Bein verloren, im Interview meinte er, es sei besser ein Bein zu verlieren als weiter unter dem Regime zu leiden. Wieviele chinesische Regimegegner sind eher bereit ins Gefängnis zu gehen als ihre Meinung zu widerufen?

Ist mir entgangen, dass Sie gegen die Zerstückelung

Lebender durch die Scharia-Islamisten in Mali oder anderswo gepostet haben?

Zerstückelte zerbombte Leiber sind allemal schrecklicher

Sieht man täglich auf Videos zu Syrien.
Aber dort stört es dich ja überhaupt nicht, komisch.
Hypokrit?

Wenn Sie das stört, warum haben Ihre Lieblinge dann angefangen?

Bombardments mit der Luftwaffe macht wer?
Artillerie und Raketenbeschuss macht wer?
Das meiste geht auf die Kappe Assad.
Assad ist für die zerstückelten und zerfetzten Leichen verantwortlich.

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