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Silvio Berlusconi bei der Holocaust-Gedenkfeier.
Silvio Berlusconis Auftritt bei einer Veranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag in Mailand hat international für Entrüstung gesorgt: Am Sonntag verharmloste der Expremier die Rolle des italienischen Faschismus während des Holocaust und lobte sogar Diktator Benito Mussolini: "Seine Rassengesetze waren der schlimmste Fehler des 'Duce'. Doch Mussolini hat in vielen anderen Bereichen Gutes geleistet."
Auch Mussolinis Verantwortung für die Judenverfolgung relativierte er: "Sicher hat es die damalige Regierung aus Furcht vor der deutschen Übermacht vorgezogen, mit Hitler verbündet zu sein, als sich ihm entgegenzustellen." Daher trage Italien nicht dieselbe Verantwortung für den Holocaust wie Deutschland: "Es war Duldung - vieler Dinge war man sich gar nicht bewusst."
EU-Kommissarin Cecilia Malmström wertete Berlusconis Äußerungen als "besorgniserregend". Interimspremier Mario Monti sprach von einer "unglücklichen Erklärung zum falschen Anlass und am falschen Ort".
Die jüdische Gemeinde Italiens warf dem Staat vor, seine Vergangenheit nicht glaubwürdig bewältigt zu haben. Vorstand Renzo Gattegna: "Die Äußerungen Berlusconis sind nicht bloß oberflächlich und inopportun; die Behauptung, Italien habe seine Juden nur aus Hörigkeit gegenüber den Nazis verfolgt, sind moralisch verwerflich und historisch nicht zu rechtfertigen. Rassengesetze und Judenverfolgung wurden bereits vor dem Krieg (1938, Anm.) beschlossen und von den Faschisten in vollem Bewusstsein durchgeführt."
Der Cavaliere wehrte sich, indem er die Kritik wie schon so oft als "Wahlkampfrhetorik der Linken" abtat. Er sei als "historischer Freund Israels" bekannt.
Pikanterie am Rande: Berlusconi war nicht nur uneingeladen zur Gedenkveranstaltung in der neuen Shoah-Gedenkstätte "Gleis 21" am Mailänder Hauptbahnhof erschienen, sondern hatte auch für weitere Aufregung gesorgt, weil er, neben Premier Monti und dessen Frau sitzend, während der Gedenkfeier eingeschlafen war.
Die Affäre lenkte am Montag die Medien größtenteils vom Skandal um die Bank Monte dei Paschi ab, die in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt und die in Siena seit Jahrzehnten regierende Linke unter Druck gesetzt hatte. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 29.1.2013)
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