Deutsche, Juden, Tschechen

Kolumne |

Augstein fehlt ein Mindestmaß an Gefühl für das jüdische Trauma der Vernichtung und für die Existenzängste Israels

Vor einem halben Jahrhundert hatte Paul Celan, der große deutschsprachige Dichter aus der Bukowina, in einem Brief das "Wiederaufleben jenes sich liberal gebenden Antisemitismus" in Deutschland beklagt und von "philosemitischen ... (Zwangs-)Alibis" gesprochen. Das zeitlose Dilemma der jüdischen Identität in Verbindung mit der gängigen Verharmlosung der Bedrohung Israels bildet auch heute den Hintergrund zu dem Streit, der um die Kolumnen Jakob Augsteins auf "Spiegel Online" entbrannt ist. Den Konflikt löste das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles aus, das den Gesellschafter des Spiegel-Verlags auf Platz neun der Liste der zehn weltweit schlimmsten Antisemiten gesetzt hatte.

Diese Platzierung Augsteins wurde auch von den meisten führenden jüdischen Intellektuellen in Deutschland als übertrieben zurückgewiesen und dem Einfluss des streitbaren Publizisten Henryk M. Broder zugeschrieben, dessen außerordentlich scharfe Kritik an Augstein vom Wiesenthal Center als Begründung angeführt worden war: Er sei ein lupenreiner Antisemit, der auch bei der Gestapo hätte Karriere machen können. Obwohl Broder den Hinweis auf die Gestapo später zurücknahm, blieben er und auch andere Kritiker wie Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei dem Vorwurf, dass Augsteins Behauptungen, dass Israel bzw. eine jüdische Lobby den Weltfrieden gefährde, seine Gleichsetzung der jüdisch-ultraorthodoxen Fundamentalisten mit den islamischen fundamentalistischen Attentätern, seine Verharmlosung der iranischen Gefahr usw. den neuen und alten Antisemiten in die Hände spielen.

Mindestmaß an Gefühl fehlt

Augstein weist mit Hinweis auf die berechtigte Kritik der israelischen Regierungspolitik den Vorwurf der Begünstigung antijüdischer Klischees zurück. Wenn man aber die sechs Seiten des Disputs im "Spiegel"-Gespräch mehrmals liest, gewinnt man den gleichen Eindruck wie Graumann: Es fehlt bei Augstein ein Mindestmaß an Gefühl für das jüdische Trauma der Vernichtung, für die Existenzängste Israels. Bei vielen Berichten und Kommentaren über Israel und den wachsenden Antisemitismus, nicht nur in Deutschland, spürt man Herzlosigkeit, zuweilen "kalte Verachtung" (Graumann) gerade wegen der hohl gewordenen Trauerrituale zum Holocaust. Man kann zugleich nicht oft genug betonen, dass die Erinnerung an das nazistische Massaker der sechs Millionen europäischen Juden nicht als Persilschein für Menschenrechtverletzungen und die ewige Besetzung des Westjordanlands missbraucht werden darf.

Celan schrieb in seiner unvergesslichen "Todesfuge": "der Tod ist ein Meister aus Deutschland". Die historische Verantwortung Hitler-Deutschlands für die Shoah ist unauslöschbar. Abgesehen von dem beispielhaften Bemühen der Merkel-Regierung um die Aussöhnung mit dem Judentum und ihrer Solidarität mit Israel, darf man aber auch die deutschen Opfer der Vertreibungen (also auch die drei Millionen Sudetendeutschen) nicht vergessen. Deshalb war die rücksichtslose Instrumentalisierung antideutscher Parolen in einer Schmutzkampagne gegen einen so unverdächtigen und angesehenen Staatsmann wie Karl Schwarzenberg ein folgenschwerer Rückfall in Prag in das Vokabular der braunen und roten Diktaturen. (Paul Lendvai, DER STANDARD, 29.1.2013)

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Wieso konstruieren Sie ein "Wir", das die Opfer ausschließt?

Schon richtig...

...leider. Den Makel kann man noch nicht loswerden, trotzdem muss man weiter daran arbeiten.

ich kann einen makel nur loswerden, den ich selbst verursacht habe. mit "schuld" als erbsünde kann vielleicht die kirche.

vergessen...

Der exakt gepklante und durchgefuehrte Massenmord an juedischen Buergern und Buergerinnen /Kindern/Saeuglingen darf NIE vergessen werden.
Jedermann/frau , jeder zumindest Oberstufenschueler MUSS einmal zumindest in einem KZ gewesen sein, um nur eine ungefaehre Ahnung zu bekommen, was Menschen angetan wurde
Ich wuerde mir jedoch wuenschen, dass wie von Ihnen angefuehrt auch an die Roma, Sinti, Priester, usw usw gedacht wird und das gezielte Massenmorde in der juengsten Vergangenheit genauso in Erinnerung gebracht werden - Rote Khmer - 3 Mio Menschen - KZ's im Jugoslawien Krieg , Tutsi und Hutu in Ruanda usw usw
Israels Siedlungspolitik ist jedoch auch eine Schande und muss kritisiert werden duerfen ohne automatische Antisemitismusvorwuerfe

Vorher aber

müssen die Sudetendeutschen Verbände die Schuld der etwa 50.000 Sudetendeutschen Sozialisten, die während des Regimes Hitlers hingerichtet wurden, klären. Die Angehörigen dieser Opfer wären doch die ersten, denen gegenüber Schuldbekenntnis und Wiedergutmachung aus ständig sind.

Die Forderung der Sudetendeutschen Vertriebenen ist halt ein bisserl einseitig. Sie verlangt die Anerkennung des Opferstatus für etwa 98% Mitglieder der NSDAP, die sich ihrer Schuld nicht mehr zu erinnern brauchen.

Es ist infam Entschädigung zu verlangen, wenn die 250.000 Opfer der NS-Zeit Tschechiens aber leer ausgehen.

Dass die Sozialisten/Demokraten/Kommunisten nicht ermordet wurden, weil sie Tschechen waren, ist hoffentlich bekannt? Die Zahlen sind auch nicht korrekt.

Der eigentliche Punkt ist jedoch, dass kein Mensch die furchtbaren NS-Verbrechen in Liditz oder Lezaky gutheißt, während die Vertreibung der Deutschen und Ungarn teilweise nicht einmal kritisch thematisiert werden kann. Eine Restitution ist ohnehin ausgeschlossen, um das geht es gar nicht.

1)gab es keine 98% nsdap mitglieder unter den sudetendeutscBhen
2)gab es auch keine 250.000 tschechische ns-opfer (todesopfer), sondern 30-40.000 , dazu kommen natürlich die 80.000 Juden, die aber bei weitem nicht nur Tschechen waren
3)wurden die aus dem 1945 konfiszierten eigentum der sudetendeutschen entschädigt udn dann nochmals 2001-2003 von der BRD und Österreich

Also das ist ja die absolute Frechheit

Da dreht jemand die Zahlen einfach um. Es waren 250.000 Naziopfer und um die 30.000 Deutsche (lt. einer Studie der Karl Universität in der BRD), die größtenteils in den ersten Tagen der russischen Befreiung bzw. Besetzung von der Tschechischen Bevölkerung gelyncht wurden.

die min. 30.000 deutschen wurden auch nicht von der tsch. bevölkerung gelyncht sondern von der tschechoslowakischen armee, div. paramilit. verbänden etc. nur in prag kam es zu größeren "lynch"-aktionen

informieren sie sich mal.

es gibt auch keine "karl universität" in der BRD

Die historische Verantwortung Hitler-Deutschlands für die Shoah ist unauslöschbar

NoNa. Solche Verbrechen können nicht Wiedergutgemacht werden. Egal ob, vor 50 Jahren, heute, oder vor 3000 Jahren. Da gewinnt das Heute eine besondere Bedeutung. Und hier mit der Begründung der Vergangenheit die Kritik an Israel abzuwürgen, ist eine Pervertierung einer solchen Verantwortung.

Die historische Verantwortung Hitler-Deutschlands ist unzweifelhaft! Allerdings existiert heute kein Hitler-Deutschland mehr. Es kann auch keine Erbschuld geben. Dennoch muss man eine besondere Verantwortung im Umgang mit der Geschichte pflegen. Da kann man zustimmen.
Leider wird das oft verwechselt mit einem kollektiven Schuldgefühl, das man den Leuten einimpfen möchte und nur zum Gegenteil führt.

Organisation Gehlen

.. aka BND.

Hitler und die anderen Größen des 3. Reichs waren nach Niederlage weg. Aber im Beamtenapparat war doch eine Kontinuität gegeben. Hier sei zB auf Hans globke verwiesen: zB hat er das gesetz verfasst wonach Juden den Vornamen Sara bzw Israel hinzufügen mussten. Von ihm stammt auch das Konzept , ein "J" in jüdische Pässe einzufügen. Weiters hat er den ersten Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen verfasst.
Und unter Adenauer war er dann als Staatssekretär im Bundeskanzlersamt dessen engster Vertrauter und einer der mächtigsten Männer der BRD.
Nur ein Beispiel. Deutsche Bahn wäre ein weiteres. Oder die ganzen unbekannten Täter des Holocaust.

Aber von denen ist ebenfalls längst keiner mehr im Amt und leben dürften auch nur noch die Wenigsten.

jene die davon profitiert haben, die finanziellen und logistischen mittel bereitstellten, die kz als arbeitssklavenlager verwendeten, und per menschenversuche kräftig forschten und patentierten erfreue sich nach wie vor bester finanzieller gesundheit und höchster anerkennung, ungebrochener macht und weitreichenden politischen einflusses, waren nie gezwungen sich zu verantworten und haben keinen cent an kompensation bezahlen müssen - bayer, basf, ibm, american banking, höchst, siemens, ford motor company, thyssen etc....

die liste ist sehr lange, und besteht aus wohlklingenden namen deren dunkle vergangenheit bis heute nicht aufgearbeitet wurde..

www.profit-over-life.org

Kein Mensch spricht von "kolletiver Schuld" außer rechtsextreme Hetzer, die dies den angeblichen Moralaposteln vorwerfen wollen.

Alle, die Verstand und Verständnis der Geschichte haben, sprechen von einer Verantwortung der Nachfolgestaaten D und Ö. Und diese lässt sich nicht verleugnen oder in Abrede stellen.

Das grundlegende Problem dabei ist, dass das schiere Ausmaß des Verbrechens, das Deutsche und Österreicher zwischen 1933 und 1945 in Europa begangen haben, in Vergessenheit gerät. Das Verbrechen ist so groß und unfassbar, dass man es sich einfach nicht vorstellen kann bzw. mag. (Was psychologisch ja auch verständlich ist!)

Das Wissen um das, was passiert ist, darf nicht einfach so in Wurschtigkeit versickern. Darum geht es.

da haben Sie recht und auch wieder nicht

Ich bin auch dafür, Geschichte aufzuarbeiten und dafür ein Bewusstsein zu kreieren.

Aber: Warum sollten wir nur dem letzten Krieg in Erinnerung behalten? Es gab seit Menschengedenken Kriege. Werden die Kriege davor einfach "wurscht"?

Wenn dann sollten wir über ALLE Kriege sprechen und nicht nur über den letzten. Wir können natürlich grundsätzlich von "jüngeren" Kriegen mehr lernen, da besser dokumentiert, oder womöglich sogar Zeitzeugen da sind. Aber das spräche ja dafür, die aktuell laufenden Kriege genauer zu betrachten. Aktuell tut sich speziell im arabischen Raum dermaßen viel, dass ein Verbleib in der Vergangenheit (WW2) ein falsches Bild zeichnet, wie Krieg heute geführt wird und wie wir das heute verhindern können.

Ja, auch z.b der Dreissigjährige Krieg war grausamst und hat bis heute Auswirkungen auf die Gesellschaft in Europa.

Aber der Holocaust war nicht Teil des Krieges! Diese Vermischung ist unzulässig. Sie führt dazu, dass man in Ö mitunter hört "Wir haben ja alle gelitten im Krieg, nicht nur die Juden..."

Die Verbrechen der Nazis aus Österreich und Deutschland sind nunmal in ihrer Größe einzigartig in der Geschichte. Es wurden Fabriken errichtet, in denen Millionen(!!) von Menschen systematisch vernichtet wurden wie Müll. Das hat es trotz aller Grausamkeit weder im Dreißigjährigen Krieg noch im 19. Jh. noch im 1. Weltkrieg gegeben.

(Dass hier wieder mal die "Genug ist genug"-Kampfstrichler unterwegs sind, ist natürlich klar.)

Die Untrennbarkeit ist nicht haltbar und das haben ja auch Ausstellungen, wie die sogenannte Wehrmachtsausstellung (endlich!) deutlich gemacht: die Trennung von "kämpfender Truppe" (also Wehrmacht) und Vernichtungskorps (SS, SD, Gestapo...) ist NICHT möglich... Und damit sind auch Shoa und Krieg untrennbar

Sie haben mich vielleicht falsch verstanden. Ich meinte, dass man den Holocaust nicht immer in einem Atemzug mit dem Krieg nennen soll. So als wäre die Vernichtung der Juden und der Roma die "normale" Folge eines grausamen Kriegsgeschehens gewesen, wie zivile Tote in bombardierten Städten oder Soldaten im Kugelhagel. Die Vertreibung und Ermordung der Juden und Roma hat 1933 begonnen. Die KZs und Vernichtungslager standen nicht an der Front...

So meinte ich das.

ich habe sie schon richtig verstanden, wollte aber schon auf den direkten Zusammenhang zwischen Holocaust und Krieg hinweisen...

Auch darf man die Rolle der KZ-Häftlinge (ebensowenig wie die der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen) in der Rüstungsindustrie vergessen.

Sie haben schon recht, dass es ein Unikum der Shoa ist, dass der Genozid NICHT (primär) im Rahmen von Kampfhandlungen passiert ist. Allerdings kann und soll man mE die Stränge trotzdem nicht trennen.
1933 gab es Terror, 1935 folgten erst die Rassengesetze (d.h. systematische Verfolgung), 1940 die ersten Gaskammern (d.h. industrielle Vernichtung).

ich möchte bitte nichts relativieren, allerdings halte ich das für einen zentralen Punkt in der retrospektiven Betrachtung: die Kriegsgeneration sah sich als Opfer, ihre Kindergeneration übernahm post-Waldheim (ein wenig) Schuld interpretieren aber sehr kategorisch (gute Wehrmacht, böse SS, gerechter -anti-St.Germain- Krieg, unverständlicher Holocaust...). Deren Kinder wurden mit der Wehrmachtsausstellung und der Täterforschung konfrontiert und muss nun daraus Schlüsse ziehen. Und diese lauten uA die kategorischen Betrachtung der Eltern zu brechen... Und die Trennung von Krieg und Holocaust (auch wenn es ideel/ideologisch zu trennen ist) funktioniert in der Praxis nicht.

Naja,

die "Besonderheit" des Faschismus ist die, dass er sich nach/während der Zeit der Aufklärung durchgesetzt hat, und nachdem sich Demokratien anfangs durchgesetzt haben.

Die Eigenheit - knapp formuliert - des zweiten Weltkrieges und des Faschismus liegt darin, dass er sich trotz oder gerade wegen den Mechanismen entstanden ist, die beides eigentlich verhindern sollten.
Und um's drastisch zu formulieren: Wir müssen in besonders hohen Maße uns mit der jungen Vergangenheit auseinandersetzen, weil wir nach wie vor an einer Kultur bzw. an den Mechanismen hängen, die diese Bedrohung, also den Faschisms - bereits in sich tragen.

1. der Faschismus steht der Aufklärung konträr gegenüber und folgt (chronologisch) auf diese. Um es mit Adorno zu sagen: es ist der Rückschritt in die Barbarei.

2. die Demokratien haben sich eben nicht durchgesetzt. Die Weimarer Republik oder Oe I als Demokratien zu bezeichnen ist absurd. Es war ein praedemokratisches Lavieren am Rande des Abgrundes.

zu 1.) Ich habe mich ebenfalls auf die Kritische Theorie gestützt; Aufklärung - im Sinne von Horkheimer und Adorno - trägt den Keim zur totalen Herrschaft über die Menschen ja bereits in sich, darauf wollte ich hinaus, ohne zu weit auszuholen.

zu 2.) Da widerspreche ich Ihnen auch nicht. Das gehört aber auch mit in die Thematik hinein, warum dies keine Demokratien waren.

Naja... Wenn Sie sehr in einer marxistischen Tradition stecken, gehört es als Begründung dazu - aber da steht die Demokratie ja dann hinter dem Kapitalismus...

Es ist mE notwendiger sich die Radikalisierung des Antisemitismus (vor allem nach der Balkankrise) anzuschauen und von dort weg eine Linie Richtung Shoa zu ziehen. Nach dem Motto: "was passiert mit Gesellschaften, wenn man sie bewaffnet, sozial und militärisch aufhetzt und ihnen dann auch noch Feindbilder in die Hand gibt..."?

Guter Einwand.

Aber aus welchen Gründen werden Kriege geführt? Was ist die Grundintention? Ist nicht jeder Kampf (egal ob Krieg oder nur in der Wirtschaft) in letzter Konsequenz nicht immer das "Sich-Unterlegen-Fühlen" oder des "Status verlierens"? Ein Angriff ist mMn immer vom sich schwach fühlenden ausgehend.

Denn: Bin ich in der stärkeren Position, warum sollte ich mir das Leben schwer machen und angreifen? Warum sollte ich nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen? Wenn ich der Stärkere bin und dennoch angreife, dann aus der Befürchtung heraus, dass ich an Stärke verliere (= dann bin ich dann doch schwach, weil ich befürchte, meinen Status zu verlieren).

Wirkt die Aufklärung auf Grundinstinkte? Ich glaube nicht.

"Es fehlt bei Augstein ein Mindestmaß an Gefühl für das jüdische Trauma der Vernichtung, für die Existenzängste Israels."

...weil hier als (oft durchaus berechtigter) Beleg für Antisemitismus das Messen mit zweierlei Maß vorgebracht wird. Für die Rechtfertiger der israelischen Politik gilt dasselbe, denn ich möchte nur ein einziges Mal das Zelebrieren einer derartig medialen Sensibilität erleben, wenn es um die Unterwerfung, Zerstörung und Ausbeutung islamisch geprägter Länder durch den Westen geht. Da fahren wir erbarmungslos drüber und Israel applaudiert dazu. Haben die Menschen dort dann keine Existenzängste? Oder sollen diese Traumatas gar noch immer vom Holocaust herrühren?
Und ja: Die Verantwortung für die Shoa wird immer mit Hitler-Deutschland verbunden bleiben. Aber mit Sicherheit nicht mit Deutschland und seinen gegenwärtigen Bewohnern.

Kritik an Israels Politik = Antisemitismus

Durch den ständigen Missbrauch dieses Schlagwortes - aus miesester politischer Agitation heraus - verharmlost man im Endeffekt den ECHTEN Antisemitismus.

Im Gegenteil, man fördert ihn sogar noch ausdrücklich, indem man die Politik Israels mit der jüdischen Religion gleichsetzt.

und, gibt es einen

Unterscheid zwischen der israelischen Politik und der jüdischen Religion? Die Politik in Israel basiert auf dem Glauben, dass Gott sie auserwählt hat und ihnen deshalb genau dieser Platz zusteht - und keinem anderen. Kommt von einem angesehenen jüdischen Professor, sie können sich vorstellen, mit welchen Anfeindungen er in Israel zu kämpfen hat/hatte. Er war schneller ein Antisemit als er sein Hemd wechseln konnte.

den gibts natürlich schon

insofern es nicht wenige zwar gläubige, aber liberale juden gibt, die der politik israels sehr kritisch gegenüber stehen

nicht schuld

Was damals passiert ist, kann aus meiner sicht nicht gerechtfertigt werden. Es darf sich auch nicht wiederholen, dafür müssen wir kämpfen.

Aber ich kann nicht die Schuld dafür übernehmen. Ich finde, man muss ein Bewusstsein dafür entwickeln, was passiert ist, und warum.

Es kann aber nicht sein, dass man aufgrund des Geburtsortes, der Religion oder Menschengruppe jedweder Art vorverurteilt wird. Wie Vorposter bereits sagten: ich muss das recht haben, wie jeder ander mensch dazu zu äußern, sonst wäre es rassismus.

Ich will auch nicht aufpassen müssen, explizit nicht antisemitisch zu sein. Ich sehe es als meine aufgabe, GENERELL nicht rassistisch oder verachtend zu sein.

Es kann aber nicht sein, dass man aufgrund des Geburtsortes, der Religion oder Menschengruppe jedweder Art vorverurteilt wird.

Schauen sie sich um wie oft noch "Die Juden" für alles schlechte hier in DE/AT verantwortlich gemacht wird.
Die Verantwortlichen von damals sind fast alle tot, das ist richtig, das Gedankengut aber ist noch immer vorhanden auch unter den Jungen die sich freuen würden wenn diese hässliche Judengeschichte unter den Tisch fällt und die Hetze von neuem beginnen kann.

"Schauen sie sich um wie oft noch "Die Juden" für alles schlechte hier in DE/AT verantwortlich gemacht wird"

in geschätzt 80% aller fälle höre ich dies als strohmannargument eines absoluten israel-apologeten

Nachsatz

Und unter den Jungen ist der fehlende Respekt und das fehlende Miteinander das Thema. Nicht die konkrete Anfeindung einer Gruppe, das ist nur die Auswirkung.

Und alles, was man nicht sagen "darf", ist für Jugendliche interessant. So wird schon mal gerne jemand als "Homo" beschimpft, als "Opfer" bezeichnet. Und all das hat den Hintergrund, dass wir diesbezüglich sensibilisiert sind. Man sagt das "normalerweise" nicht. Genau da liegt der Reiz der pupertierenden Jugendlichen, um sich abzugrenden. Damit muss eine Gesellschaft umgehen können, im gewissen Rahmen. (umgehen heißt nicht "nur einfach akzeptieren")

Das erlebe ich anders

Ich widerspreche dem nicht, dass es immer wieder Anfeindungen für *alle* Bevölkerungsgruppen gibt: Entweder ist man zu reich, zu arm, zu arbeitslos, zu jüdisch, zu sehr Roma, etc. Es wird immer Gruppen geben, gegen die jemand auftritt. Selbst generell gegen Männer und Frauen gibt es massive Vorurteile. Und in Wien ganz besonders gern gehört "die sind ja alle deppert".

Ich glaube in jeder Gesellschaft (auch bei den Juden) gibt es einen gewissen Prozentsatz an so genannten "Rechten". Die werden immer versuchen, ihre Probleme an anderen auszulassen und niemals die Verantwortung bei sich suchen. Damit sollte jeder (auch Juden) umgehen können. Sich dabei selbst zum Opfer zu machen oder sich in die Richtung drängen zu lassen ist mMn falsch.

Verantwortung

Hitler-Deutschland gibt es nicht mehr, somit ist die Verantwortung Geschichte.

Die offiziellen Stellen - Kanzler, Präsidenten, sonstige Politiker - müssen IMMER ihre Betroffenheit über die Holocaustverbrechen zum Ausdruck bringen. Das wird sich auch nie ändern. Dazu verpflichten ihre Ämter.

Sehr wichtig und gut von Paul Lendvai, dass auch die Vertreibung der Sudetendeutschen nicht unerwähnt bleibt.

Gleichsetzen oder gegeneinander aufrechnen darf man allerdings nichts von beidem.

Es wird immer wieder die Versuchung geben,

dass manche/r zur Erlangung eines kurzfristigen Vorteiles (Wahlsieg) in die Kiste der Geschichtsinterpreten und Verharmloser greift !

Aber es ist auch nicht möglich erlittenes Unrecht als ständige Rechtfertigung dafür gelten zu lassen, dass man anderen Unrecht zufügt, sie vertreibt, enteignet und unterdrückt.

Dass jetzt und in Zukunft solches nicht mehr geschieht, dass wäre der einzig richtige Schluß der aus der Geschichte gezogen weren muß

Die letzten Beteiligten sind bald tot und dann muss endlich mal Schluss sein.

Geschichtlich sollte man davon lernen, das gilt aber für alle Menschen, nicht nur Deutsche.
Die junge Generation Deutscher hat jedes Recht, sich zu Israel zu äußern wie jeder andere Mensch auch. Schuldig per Geburt ist Rassismus.

das problem setzt sich übrigens nahtlos dort fort, wo man jemanden wie broder bloss "streitbar" oder "einen scharfen kritiker" nennt, während broder in seinen aussagen narrenfreiheit geniesst. beim lesen seiner elaborate fallen anständigen menschen da ganz andere "bezeichnungen" ein, solche bezeichungen darf aber nur er verwenden. würde ich hier broders übliche diktion auf ihn anwenden und so über ihn schreiben, wie er über manch anderen schreibt, würde ich zensuriert werden.
und genau da setzt sich das problem nahtlos fort.
und jetzt erklären Sie mir mal, weshalb broders diktion nicht auf dem gleichen niveau beantwortet werden darf? weil er broder ist oder weil er jude ist?
aha.

Im Sinne von Haider und Strache sind sie tatsächlich ein "anständiger" Mensch.

Es wird Zeit....

....zum Vorwärtsschauen und zur Beendigung der eigenen Blockade. Es leben doch kaum mehr Menschen aus der Zeit des Albtraums. Warum lassen wir es zu, dass der Albtraum noch immer eine Rolle in unserem realen Leben spielt.

Warum wir nicht an einem freien Europa für freie Europäer gearbeitet. Eine Freiheit, welche die Blockaden genauso hinter sich lässt wie die hetzerische Überschrift Deutsche, Juden, Tschechen.

Ich habe Freunde bei den Eidgenossen, bei den Italienern (Südtiroler sowieso), am Balkan (auch Moslems), bei den Tschechen, den Slowaken und den Juden, auch Israelis, etc.

Warum baust Du ein Problem, welches kein Problem sein soll. Sind das Deine persönlichen Blähungen, welche Du den jungen Menschen drauf drücken willst?

Freiheit

?

Welche Blockade? Und inwiefern hindert uns das Gedenken an den Hol. an der Entwicklung eines freien Europas für freie Europäer? Du fügst ein paar Dinge zusammen und behauptest, dass da irgendwelche Zusammenhänge wären.

Du musst doch nicht alles verstehen!

Das macht aber nichts.

es wird a schuld sein,

und wir wern nimmer sein.

damit es sich nicht wiederholt

Es wiederholt sich immer wieder, immer wieder!

Nur die Ausmaße sind meist nicht so gewaltig. Im Prinzip passiert das Gleiche aber laufend, auch im nahen Osten.

Und damit sich Geschichte nicht wiederholt, überwachen wir alle Bürger, nehmen ihnen die BÜrgerrechte, bauen die Demokratie stück für stück ab und finden das alle gut.

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