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Christine Nöstlinger plädiert für Gelassenheit.
Wien - In der Debatte um den politisch korrekten Wortlaut kinderliterarischer Texte hat sich Christine Nöstlinger (76) zu Wort gemeldet. Die Wiener Kinderbuchautorin nannte das Umschreiben von Kinderbuchklassikern im Berliner "Tagesspiegel" einen "Unfug". In Erwachsenenliteratur würde man, so Nöstlinger, "nie so reinpfuschen. Das zeigt, dass Kinderliteratur für viele nicht mehr ist als eine Pädagogikpille, eingewickelt in Geschichterlpapier."
Bereits in der Hamburger "Zeit" hatte die hochdekorierte Autorin von rund 100 Jugendbüchern Bedenken in Sachen Textbereinigung erkennen lassen. Nöstlinger geht es augenscheinlich um die Autonomie der kindlichen Urteilsbildung. Kinderbuchautoren seien "ja nun daran gewöhnt, dass ihre Texte nicht nur von den jungen Lesern, für die sie geschrieben wurden, beurteilt werden, sondern auch von jeder Menge erwachsener Leute, die zu wissen meinen, welche Lektüre 'kindgerecht' sei".
Dabei ist Nöstlinger, Urheberin von Figuren wie Gretchen Sackmeier und Rosa Riedl, bereits selbst in den Fokus der Kritiker geraten. Der in Polen lehrende Germanist Lothar Quinkenstein wirft Nöstlinger vor, in ihrem Buch "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" (1972) antisemitische Ressentiments zu bedienen.
Der Gurkenkönig hört auf den wohltönenden Namen "Kumi-Ori", ein, wie Nöstlinger bestätigt, hebräisches Wort, auf das sie in einem Gedicht von Paul Celan gestoßen sei. Sie habe sich das Wort von ihrer Kollegin Mira Lobe übersetzen lassen: "Sie sagte mir, dass es 'erhebt euch' heißt. Das gefiel mir: Ein Tyrann, gegen den sich sein Volk erhoben hat, heißt ' erhebt euch'. Das war mein Privatwitz. Ich habe es meinen Lesern gar nicht erklärt."
"Kumi-Ori" soll aber auch "Jerusalem" bedeuten. In Germanist Quinkensteins Lesart nimmt sich der gurkenkönigliche Buchtitel ("Wir pfeifen auf Jerusalem") wie die Überschrift eines antisemitischen Machwerks aus. Nöstlinger, die in ihrem Werk wiederholt unmissverständlich gegen die Nazis Stellung bezogen hat: "Das ist so was von lächerlich."
Damit hat sich die Debatte von der Frage abgelöst, ob man die exotisch kostümierten "Neger" in den Bilderbüchern unserer Großeltern wenigstens in einer erklärenden Fußnote als das ausweisen soll, was sie sind: Wortrelikte eines überholten Sprachgebrauchs.
Nöstlinger: "Mit Kindern kann man sehr vernünftig reden." Mitunter reiche "ein Sternchen beim 'Neger' und dazu der Hinweis, dass dieser Ausdruck vor 30 Jahren nicht als diskriminierend galt". Schwerer dürfte da schon die Entsorgung ganzer Völkerschaften von Menschenfressern und "Wilden" fallen, die dem kolonialen Elitebewusstsein der Europäer im 19. Jahrhundert entsprungen sind. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 29.1.2013)
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"eine Pädagogikpille, eingewickelt in Geschichterlpapier"
Welch treffende Formulierung für so manche elterliche Herangehensweise an Kinderliteratur!
(Und ein Danke an die wenigen AutorInnen, die schreiben, um Kinder zu unterhalten und nicht um sie zu "besseren Menschen" zu machen.)
... macht sie tatsaechlich zu besseren, zu faehigeren menschen. fast alle leute hier, mich eingeschlossen (und die trittbrettfahrenden rechtsaussen poster, die eh null bezug dazu haben, ausgeschlossen) sind der meinung, dass noestlinger da grosses geleistet hat.
nur in dieser diskussion irrt sie und versteigt sich... weil sie etwas nicht verstanden hat, naemlich dass preussler selbst wollte dass seine texte angepasst werden.
daher liegt jeder, der von "PC", "zensur" etc schreibt komplett daneben... klassischer folgefehler
wie ich gestern bei einer konzerntagung mitbekommen habe, darf man wieder das wort "problem" in den mund nehmen. also die warheit sagen.
aus diesem anlass möchte sich sie darum bitten, diesen pc-wurschtköpfen den marsch zu blasen und denen ein aufrichtiges "hupfts bitte olle in gatsch" mit zugeben.
ligrü
toni
Ich verstehe die Ängst von einigen nicht.
Papa: "Da sagte der Neger..."
Sohn: "Was ist ein Neger?"
Papa: "So hat man früher Schwarze genannt. Heute nennen wir sie nicht mehr so, weil sie das nicht mögen"
Wo ist das Problem? Wollen wir unseren Kindern Dinge verheimlichen die nicht mehr zeitgemäß sind? Aufklärung statt Verdrängung! Wie sollen unsere Kinder moralische Maßstäbe lernen, wenn wir sie von allem Fernhalten was unangenehm ist.
Ich habe Anfang der 80er mit Hatschi Bratschi Luftballon lesen gelernt. Ich lese seit ich 4 bin - ganz alleine. Kein Mensch hat mir beigebracht, dass diverse Bücher Pfui-Wörter enthalten. Trotzdem sage ich sie nicht. Ich halte auch nix davon unbedingt alle Märchenbücher umschreiben zu müssen. Grimms Märchen (um Klassiker heranzuziehen) sind nun mal brutal - was solls. Kinder können das aushalten.
der böse hatschi bratschi heißt er, und kleine kinder fängt und beißt er.
ui, da geht mir ein wohlig-warmes gruseln durch den bauch. und gleichzeitig höre die stimme meiner mutter. was für eine geile kombination, in den armen der mutter fritzchens odysee vorgelesen zu bekommen. mit dem unsterblichen (wenn auch in den brunnen gefallenen) hatschi bratschi als gaststar!
... bzw ende der 70er war ein "neger" ein unauffaelliger begriff. heute hat sich allegmein die erkenntnis durchgesetzt dass es eine rassistische beschimpfung ist. die betroffenen nehmen es genau als solche wahr.
also warum beenden wir nicht die spiegelfechterei und das strohmanderl bauen
.... *diese* kleine luege aufzutischen...
"Wirklich, dann muss ich jetzt meinen Freunden aber mal ausdrücklich erklären, dass sie sich betroffen und beschimpft fühlen sollen"
... sind schon andere g'schichtldruckerInnen vor Ihnen gekommen. lassen's diesen bloedsinn lieber...
Bücher sind Kulturgüter und spiegeln die Zeit wider, in der sie geschrieben wurden. Dass "Neger" heutzutage abwertend gemeint ist, weiß ja wohl jeder. Man muss halt den Kontext von Büchern, die vor Jahrzehnten entstanden sind, erklären: "Das Wort darfst du nicht benutzen, das ist beleidigend." Kann ja wohl nicht so schwer sein. Eine ganze Generation, die diese Bücher gelesen hat, hat's geschafft, groß zu werden, ohne gleichzeitig Rassisten zu werden. Und nein, mir geht's nicht darum, dass ich Afrikaner beleidigen darf (warum sollte ich auch?). Ich hab allerdings ein Problem damit, Kulturgüter im Nachhinein zu verfälschen, damit sie der PC entsprechen, und das alles in der irrigen Annahme, man könnte damit Rassismus ausmerzen.
.. wo Sie und ich diese buecher gelesen haben, war der "Neger" ganz was normales. auch wenn der rassismus schon genau so im wort gesteckt ist, wurde es nicht so wahrgenommen.
heute ist das anders, erstens weiss *jeder* dass es eine beschimpfung ist und zweitens lesen ziemlich viele schwarze kinder diese alten buecher genau so wie wir damals... das *alleine* ist grund was zu tun. die alten auflagen werdn ja nicht eingestampft.
sie bevorzugen erklaerungen zb durch fussnoten? ich bin ehrlich gesagt skeptisch ob das bei den kindern gut ankommt. preussler und ko werden sicher auch darueber nachgedacht haben, schlussendlich ist er einer der besten autoren solcher buecher die es gibt
Im Idealfall erklären die Eltern ihren Kindern, was es mit dem Begriff auf sich hat, wie sich seine Bedeutung verändert hat und warum sie den nicht verwenden sollten. Fußnoten sehe ich jetzt nicht so eng, man muss das Buch ja nicht damit vollkleistern - es reicht der einmalige Hinweis "veraltete, heute abwertend gemeinte Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe" (oder ähnlich). Kinder kapieren sowas schon, die sind ja nicht dumm :)
... bin ich nur insofern als ich sie zuhauf als kind gelesen habe... was die fussnoten betrifft bin ich einfach skeptisch und kenne kein beispiel, wo das schon gemacht worden waere.
damit liessen sich fuer buecher wie den hotzenplotz evtl 50 jahre "gewinnen", dann muesste man sie aber erst recht adaptieren, weil auch die sprache und schreibweise von heute nur seltsam klingen wuerde
Was erzählen's da - Negerkind/Negermusik (für die sogenannten Besatzungskinder) war auch damals ein Schimpfwort von den entsprechenden Leuten in entsprechendem Ton mit entsprechender Miene angewandt. Was wird da schon wieder herumphantasiert um etwas in eine Richtung zu bringen, die so nicht stimmt?
Sie können aus jedem noch so korrekten Wort/Bezeichnung/Eigenschaft mit dem entsprechenden Ausdruck jemanden bösartig kommen.
... und es zeigt auch, dass im "neger" immer schon der despektierliche rassismus drinngesteckt ist. es wurde schlicht und einfach nicht beachtet, von autoren wie preussler genau so wenig wie von kindern die es gelesen haben. es ist aber zur kenntnis zu nehmen, dass das heute eben nicht mehr so ist
weil man irgendwie jeden ausdruck "verhunzen" kann soll man weiter Neger sagen?
moechten sie weiterhin das allgemein als rassistisch verstandene wort "neger" als wort verwenden (und jetzt keine ausfluechte richtung "mohr im hemd", ich sags ihnen)? wollen sie das?
ja oder nein?
Oje - Sie sind wirklich arm im Geiste.
Für mich wird Neger nie ein rassistisches Wort werden, auch wenn Sie es mir noch so mit verbaler Gewalt reinzuhämmern versuchen. Ich kann es aber auch egal durch was ersetzen ohne dass sich für mich etwas ändert. Wenn Sie glauben, dass Sie Haltungen durch Worte ändern - bitte.
Detto Mohr im Hemd. Ich war schon erwachsen als ich diesen Zusammenhang sah. Als Kind bekam ich den so selten, dass es einfach etwas Himmlisches war - Schokolade + Obers.
Offenbar verlieren überkandidelt-wohlstandsverdrossene den Bezug zur Realität und fangen ob fehlender Herausforderungen in ihrem Leben an sich die Zeit mit Cerebralonanie zu vertreiben.
es ist aber eines und es wird von den so beschimpften so gesehen. ihr letztes rueckzugsgefecht ist jetzt die plumpe *leugnung*... das kennen wir von den rechten aber schon, darin haben sie uebung
...allerwertester, ihre geradezu greifbare seelenverwandtschaft mit der braunen guelle haben wir hinreichend besprochen.
- selbst erheben
- diktatorisch einmahnen
- ad personam untergriffig attackieren
- diffamieren
sie unterscheiden sich in ihrer vorgangsweise in NICHTS von ihren bruedern im geiste.
Das Buch heißt "wir pfeifen auf den Gurkenkönig" - der Gurkenkönig heißt Kumi-Ori, das soll! auch Jerusalem bedeuten und deshalb deutet man den Titel als "wir pfeifen auf Jerusalem"??
Wenn man glaubt es geht nicht mehr schlimmer mit der p.c. dann wird man doch eines Besseren belehrt, normal ist das nicht...
ist, offenbar auch nicht herr lothar quinkenstein (im ernst jetzt? nein, der ist nicht erfunden) ... kumi, ori ist kein "hebräisches wort bei celan, das auch jerusalem bedeutet" sondern sind zwei aufforderungen in der grammatikalisch weiblichen form: "steh auf, leuchte" - diese aufforderung ergeht AN jerusalem, im schabbathymnus von shomo alkabetz. die nöstlinger hätte sich das auch genauer erklären lassen können. eine aufforderung zum aufstand ist das nicht, den es heißt "erhebe dich" im sinne von "steh auf", nicht "wehr dich". so sind das alles "erklärungen" nach dem prinzip "chinese whispers" oder "stille post". so wie journalisten eine story, so lassen sich wohl auch germanisten ungern einen fachartikel durch zuviel recherche zammhaun.
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