Fuentes kündigt an: "Nenne keine Namen"

Urteile rund um Spaniens größten Dopingskandal wohl frühestens im April

Madrid - Eufemiano Fuentes will schweigen. Im Interview mit der angesehenen französischen Zeitung Le Monde erklärte die Hauptfigur des mit Spannung erwarteten Dopingprozesses beim Auftakt am Montag in Madrid: "Ich habe nicht die Absicht, Namen meiner Kunden und Patienten zu nennen. Für mich ist alles Vergangenheit."

Dies heißt, dass Fuentes der Justiz nicht behilflich sein wird, eine ganze Reihe von Beweismitteln bislang nur kodierten Namen seiner Patienten zuzuordnen. Ein Sachverhalt, den Fuentes-Anwalt Julian Perez Templado der Nachrichtenagentur afp bestätigte. Und ein Schritt, der fast erwartet werden musste, nachdem Fuentes schon vor Jahren in Medien zitiert worden war, er wolle sich nach drei Morddrohungen gegen seine Person zurückhalten.

Die Staatsanwaltschaft legt dem mutmaßlichen Dopingarzt und den anderen Beschuldigten eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit zur Last. Sie verlangt für alle Angeklagten je zwei Jahre Haft und ein zweijähriges Berufsverbot. 

Blut in rauen Mengen

Laut Anklageschrift wurden im Zuge von Hausdurchsuchungen bei Fuentes und zwei Mitangeklagten wichtige medizinische Beweismittel, hohe Geldbeträge sowie Rennkalender und Etappenpläne gefunden. Im Falle von Fuentes waren dies zwei zum Blutdoping notwendige Zellverarbeitungssysteme (ACP), 68 tiefgefrorene Blutplasmabeutel, 45 kühlgelagerte Blutbeutel, umfangreiches Gerät für Transfusionen, zahlreiche nur für den Krankenhausgebrauch bestimmte, noch nicht zugelassene und zum Teil schon abgelaufene Medikamente. In einer zweiten Fuentes-Wohnung in Madrid wurden 90 Blutbeutel beschlagnahmt, ebenso Medikamente und Transfusionsmaterial.

In dem Verfahren vor einem Madrider Gericht sind keine Radsportler unter den Angeklagten. Zu Prozessbeginn wurden am Montag zunächst Verfahrensfragen unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt. Mehrere Profis sind in dem Prozess als Zeugen geladen, darunter der zweifache Tour-de-France-Sieger Alberto Contador sowie zweimalige Giro-d'Italia-Gewinner Ivan Basso.

Hamilton zu Aussage bereit

Bei dem im Mai 2006 aufgedeckten Skandal standen mehr als 50 Radprofis unter Dopingverdacht, auch Stars wie der Deutsche Jan Ullrich oder der US-Amerikaner Tyler Hamilton, der den spanischen Behörden schriftliche Erklärungen über seine Bluttransfusionen in der Praxis von Fuentes schickte. Er erklärte sich nach Informationen des US-Portals espn.com bereit, als Zeuge vor dem Madrider Gericht auszusagen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Internationale Radsportverband (UCI) sind bei dem Prozess als Nebenkläger vertreten. Die WADA erhofft sich von dem Verfahren Aufschlüsse darüber, ob auch Profis anderer Sportarten die Dienste von Fuentes in Anspruch genommen haben. In den offiziellen Akten der spanischen Ermittler sind nur die Namen von Radsportlern aufgeführt.

Neben Fuentes saßen dessen Schwester Yolanda und die früheren Rennstallmanager Manolo Saiz (Once, Liberty), Jose Ignacio Labarta (Comunidad Valenciana) und Vicente Belda (Kelme) auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft konnte ihnen nur einen Verstoß gegen die Gesundheitsgesetze zur Last legen. Doping war bei der Aufdeckung des Skandals nach spanischen Recht nicht strafbar. Das Gerichtsverfahren ist bis Mitte März anberaumt, die Urteile werden kaum vor April erwartet. (sid/APA; 28.1.2013)

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